Kinderfreundliche Kommune: Für das Klima der Stadt den Blick auf die Zukunft richten

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(V.li.) Michaela Rabe vom Schulverbund, Kitaleiterin Annette Göbel, Sozialausschussvorsitzender Georg Gries, Stadtjugendpfleger Kai Zerweck, Dr. Heide-Rose Brückner, Schulleiter der Johannisbergschule, Andreas Hilmes, und Katharina Franke von Laleschu e.V.

In Witzenhausen fand eine Informationsveranstaltung über die Thematik "Eine Kinderfreundliche Kommune" statt. Das Ziel ist eine zielgerichtete Bündelung der Angebote für Kinder und Jugendliche und somit ein Blick in die Zukunft.

Witzenhausen. „Es gibt immer Luft nach oben“, meint Dr. Heide-Rose Brückner vom Verein „Kinderfreundliche Kommunen e.V.“, die vergangenen Donnerstag aus Berlin angereist war, um einen Impulsvortrag zum Erwerb des Siegels „Kinderfreundliche Kommune“ zu halten.

Ein Schritt in die Zukunft

Die anwesenden Zuhörer in der Johannisbergschule – unter ihnen auch Schulleiter, Politiker aller Fraktionen sowie weitere Aktive aus Vereinen und Institutionen – waren auf Einladung des Vereins Land.Leben.Schule e.V. (Laleschu e.V.) gekommen, um gemeinsam zu eruieren wie sich Witzenhausen auf diesen Weg machen sollte. Dass es vor Ort schon viele Angebote für Kinder und Jugendliche gibt, waren sich alle einig, auch wenn derzeit noch eine übersichtliche Bündelung eben dieser fehlt. „Genau das könnte ein Teil des Maßnahmeplans sein“, regte Dr. Brückner an. Auch arbeitete sie anhand von verschiedenen anderen Städten, die sich derzeit in dem vierjährigen Zertifzierungsprozess befinden oder ihn schon abgeschlossen haben, heraus, dass es in den einzelnen Handlungsfeldern Politik, Verwaltung, Öffentlichkeit und Kinder- und Jugendrechte in jeder Stadt noch viel zu tun gäbe.

Gute Beispiele

Als Beispiel für Good-Practice dienen viele andere Städte und bilden somit ein Vorbild für Witzenhausen. Darunter ist zum Beispiel auch Wolfsburg, wo es seit einiger Zeit neben dem Jugendrat auch einen Kinderrat gibt, in dem die Kinder zwischen acht und 14 Jahren sehr engagiert seien. Auch Beteiligungsprojekte auf baulicher und parlamentarischer Ebene, Ausbau von Treffpunkten und der Schul- und Kitaverpflegung sowie mehr Partizipation in Kinder- und Jugendeinrichtungen stehen auf den Maßnahmenplänen der anderen beteiligten Kommunen.

„In Kleinstädten funktioniert der Zertifizierungsprozess allerdings erfahrungsgemäß einfacher“, meint Dr. Brückner, da sich die Akteure hier besser kennen würden und der Austausch auch mit der Verwaltung schneller vonstatten ginge. Zunächst muss im Stadtparlament verbindlich über die Teilnahme am Prozess abgestimmt werden, danach bekommen alle Kinder in Witzenhausen zwischen zehn und zwölf Jahren einen Fragebogen, genauso wie die Verwaltung. Aufgrund dieser Analysen wird dann ein mehrstufiger Aktionsplan aufgestellt. Höhepunkt des Prozesses ist die Siegelvergabe, die gleichzeitig Ansporn und Verpflichtung für die Umsetzung dieses Aktionsplans ist.

Ein Blick von außen

Fortwährend wird die beteiligte Kommune dabei vom Verein „Kinderfreundliche Kommune e.V.“ selbst beraten und begleitet. „Der Blick von außen ist oft sehr wertvoll“, meint Dr. Brückner, die auch international beratend tätig ist. In dem Berliner Büro kämen derzeit Delegationen aus China und Südkorea, die sich ebenfalls für die Verankerung von Kinderrechten in ihren Städten interessierten. „Letztlich haben von dem Prozess alle etwas“, meint sie. „Das Image der Stadt wird aufgewertet, sie wird attraktiver für junge Familien, Kinder und Jugendliche bekommen einen direkten Draht in die Verwaltung und diese ist aufgefordert, interdisziplinärer zu arbeiten, was auch den Erwachsenen in der Kommune zugute kommt. Kurz: Das Klima in der Stadt wird insgesamt freundlicher, für alle Generationen.“

Zustimmung

Unter den Anwesenden fand sich viel Zustimmung, nun gilt es, das Programm, welches 4.000 Euro pro Jahr kostet, sowie die Einrichtung mindestens einer halben Stelle für die Koordinierungsarbeit nötig macht, im Stadtparlament auch haushaltsgerecht zu beschließen.

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