Qualität der Kitas in Gefahr

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Die Vertreter der  Liga der freien Wohlfahrtsverbände  (v.l.) Dr. Lothar Kilian (Diakonisches Werk), Michael Nowotny (Caritasverband), Jennifer Kaßner (Arbeiterwohlfahrt) und Christoph Dühr (Arbeitskreis Evangelischer Kitas) fordern eine Verbesserung des Personalschlüssels bei den Kitas.

LIGA fordert die Personalschlüssel für Kitas anheben um die Qualität der Betreuung zu gewährleisten

Werra-Meißner. Alarmierend, aber für Insider nicht neu sind die Zahlen, die die Bertelsmann Stiftung in ihrem Ländermonitoring „Frühkindliche Bildungssysteme“ jetzt veröffentlicht hat. Die LIGA der freien Wohlfahrtsverbände im Werra-Meißner-Kreis schlägt Alarm.

Anhand der Zahlen der Bertelsmannstiftung kann man, so die Einschätzung der LiGA-Mitglieder, erkennen, dass im Kreis dingend Veränderungen nötig sind. Als wesentliche Voraussetzung für die Qualität der Betreuung wird die ausreichende Ausstattung mit qualifiziertem Personal angesehen. Aus den Zahlen der Bertelsmann Stiftung geht hervor, dass der Werra-Meißner-Kreis beim Personalschlüssel das Schlusslicht der westdeutschen Landkreise bildet.

11,9 Kinder pro Erzieherin

Im Werra-Meißner-Kreis kommen bei den 3- bis 6-jährien Kindern 11,9 Kinder auf eine Erziehungsperson. Der von Fachleuten empfohlenene Wert sind 7,5 Kinder pro Fachkraft. Der Durchschnitt in den westlichen Bundesländern beträgt 1 zu 8,5. In Hessen werden durchschnittlich 9,5 Kinder von einer Fachkraft betreut. Die Mitglieder der LIGA erheben deutliche Kritik und fordern, dass drigend in die Kita-Qualität investiert werden müsse, damit der Werra-Meißner-Kreis diese Schlusslichtposition verliert.

Maßstab sollte nach Ansicht der LIGA die 2004 abgeschlossene Rahmenvereinbarung über Standards in Kindertagesstätten sein, die im Zuge der  Umsetzung des „Hessischen Kinderförderungsgesetzes“ (KiföG) außer Kraft gesetzt wurde. In der Vereinbarung war vorgesehen, dass jeder Kita-Gruppe zehn Zusatzstunden pro Woche für Leitungstätigkeiten und pädagogische Zusatzarbeit zuzurechnen sind. „Unter dem Druck des „Kifög“ und der Schutzschirm-Sparmaßnahmen wurden die Werte pro Gruppe zumeist auf drei bis fünf Stunden gesenkt“, berichten die Mitglieder der LIGA.

Andererseits seien die Aufgaben und Belastungen für die Kita-Leitungen durch „KiföG“ erheblich angestiegen. Bedarfs- und Personalrechnung, Personalmanagement, Dienstplangestaltung, Statistik und weitere Verwaltungsaufgaben sind deutlich aufwändiger geworden.

Dazu habe der Gesetzgeber den Kitas neue Aufgaben der Dokumentation zugewiesen.„Nach außen schlägt der Personalmangel noch nicht durch, weil unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter es kompensieren. Sie sind hoch motiviert aber die Krankenstände nehmen ständig zu und wir erleben Kita-Leitungen, die völlig ausgelaugt sind“, warnt Christoph Dühr vom Arbeitskreis der evangelischen Kitas. Außerdem suchen sich Mitarbeiter „Es gibt auch im Kreis Licht und Schatten. Witzenhausen hält sich weiter an die Rahmenvereinbarung,“ erklärt Dühr.

Großer Arbeitsdruck

Der Arbeitsdruck steigt für alle Mitarbeiter, da ist es nur nachvollziehbar, dass hat zu Flugtuation bei den Kita-Mitarbeitern geführt, die sich Einrichtungen suchen, bei denen der Personalschlüssel günstiger ist. Die Mitglieder der LIGA fürchten außerdem, dass Eltern zu einer Art Kita-Tourismus übergehen werden, wenn die Unterschiede in der Qualität der Betreuung so bestehen bleiben.

Ab dem Sommer wird sich die Situation auch eher verschärfen. Die kostendfreie Nutzung der Kitas wird die Zahl der Kinder weiter erhöhen, denn es werden sich Eltern eine Nachmittagsbetreuung leisten, die vorher dazu nicht in der Lage waren. (esb)

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