Klimakatastrophen - ein Grund für Flucht aus der Heimat

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Dr. Gualter Baptista beleuchtet den Zusammenhang zwischen Klimakatastrophen und Flüchtlingsströmen

Witzenhausen. "Manchmal hatten wir den halben Tag lang kein Wasser und keinen Strom", erzählt Mostafa Osman aus seiner Heimat Syrien. Dabei habe er in einer Stadt gelebt. Auf dem Lande sei die zunehmende Trockenheit schon lange ein Problem. Die Menschen hätten nichts mehr zu essen. Dies habe zur Landflucht geführt. Die Lebensmittel wurden immer teurer, in letzter Zeit auch durch die Transportprobleme, die der Bürgerkrieg verursache... Dazu Bomben und zunehmende Zerstörung.

Warum flüchten Menschen aus ihrer Heimat?

Der Witzenhäuser Umweltwissenschaftler Dr. Gualter Baptista stellte einen Zusammenhang zwischen Krieg, Flucht und Klimakatastrophen her. Der von den Menschen verursachte Klimawandel sei in vielen Fällen auch die Ursache für zahlreiche Flüchtlingsströme, erläutere Baptista in seinem Vortrag ,Klimawandel als Fluchtursache’, den er am Mittwoch – und wegen des großen interesses – ein zweites Mal am Dienstag in der Remise der Universität Witzenhausen hielt."Die Co2-Konzentration in der Atmosphäre steigestetig, postulierte er. Die Folgen seien steigende Meeresspiegel, Hitzewellen und Stürme, die einst produktives Land in Wüsten verwandle und zu Wasserknappheit und Missernten führten.Baptista sieht in der Umweltzerstörung einen der wichtigsten Gründe für zahlreiche Konflikte in der Welt. Der Kampf um Wasser und andere Ressourcen seien Auslöser von Krieg und damit verbundenen Flüchtlingsströmen.

Klimawandel durch den Flüchtlingsstrom spürbar

"Wenn wir meinen, bei uns in der gemäßigten Zone sei der Klimawandel nicht spürbar, ist das falsch", mahnte Baptista. "Er zeigt sich nur ganz anders als wir erwarten – nämlich durch den aktuellen Flüchtlingsstrom."

Gualter Baptista bezog Mostafa Osman und Anas Al-Rameh mit ein – zwei Flüchtlinge aus Syrien, die in der Gemeischaftsunterkunft Witzenhausen leben. Sie berichteten offen über ihre Situation, die jahrelange Flucht und beantworteten Fragen des Publikums.Durch einen kurzen Film wurde der Zusammenhang zwischen dem von Menschen verursachten Klimawandel und der Krise in Syrien deutlich. Demnach strömten fast 85 Prozent der Landbevölkerung zwischen 2006 und 2011 während einer nie zuvor da gewesenen Dürreperiode in die Städte. Hier gab es jedoch keine Arbeit, keinen Wohnraum und keinerlei Unterstützung vom Staat – was Aufstände provozierte, die vom Regime niedergeschlagen wurden.

Regierungstruppen, Rebellen und Splittergruppen bekämpfen sich seither gegenseitig und bereiten den Boden für eine Durchdringung durch den IS (Islamischer Staat). Nun fallen auch noch russische Bomben.

Die Flüchtlinge aus Kriegsgebieten haben bei uns ,noch Glück’, erläuterte Baptista abschließend, denn Menschen, die aus Dürregebieten kämen und vor Hunger und Armut flüchteten, hätten kaum Aussichten auf Asyl.

Zweiter Vortrag am Dienstag - Ausstellung weiterhin geöffnet

Der Vortrag ,Klimawandel als Fluchtursache’ von Dr. Gualter Baptista  (Foto) findet ein zweites Mal am Dienstag, 27.Oktober, um 17 Uhr, bei der Gesellschaft für Nachhaltige Entwicklung (GNE) in Witzenhausen, Steinstraße 19, Remise auf dem Campus der Universität Witzenhausen, statt.Baptista trägt Forschungsergebnisse über Klima- und Umweltflüchtlinge aus politisch ökologischer Sicht vor. Zu diesem Vortrag werden Flüchtlinge eingeladen, die bei einem kleinen Imbiss ihre Erlebnisse erzählen und gerne Fragen beantworten. Außerdem wird das Projekt von Transition Town zum Thema "Werratal Ressourcenpool" vorgestellt.

Bis Mittwoch, 28. Oktober,  läuft zudem die Ausstellung ,Klima?Wandel.Wissen!’ in der Remise. Die Öffnungszeiten sind von 10 Uhr bis 18 Uhr. Der Besuch ist kostenlos.

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