Kochsberg-Lehrling Fazel Said soll abgeschoben werden

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Fazel Said (Foto: Winter/nh)

Seit drei Jahren lebt und arbeitet Fazel Said in Eschwege, nun soll er abgeschoben werden.

Eschwege/Grebendorf. Sein Blick ist leer, wenn er spricht liegt eine tiefe Traurigkeit in seiner Stimme. Fazel Said versteht die Welt nicht mehr.Er, der im Mai 2013 alleine als Flüchtling nach Deutschland, nach Eschwege kam, sich von Beginn im Sozialen Stadtteilladen auf dem Heuberg ehrenamtlich engagierte und eine Ausbildung zum Koch absolviert, soll abgeschoben werden.Diese niederschmetternde Nachricht erreichte den 22-Jährigen vor kurzem vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF)

"Ich kann nicht zurück", sagt Fazel mit zitternder Stimme. Er würde in seiner Heimat Afghanistan keinen Tag überleben, die Taliban würden ihn umbringen. "Wegen den Taliban bin ich ja geflüchtet, weil ich mich geweigert habe, das zu tun, was sie von mir verlangten", sagt Fazel in flüssigem Deutsch.

Ein Stück Zukunft in Eschwege aufgebaucht

Seit einem Jahr wohnt er in einer kleinen 1-Zimmer-Wohnung in der Eschweger Altstadt, die extra von einem deutschen Freund für ihn ausgebaut wurde.  "Ich habe mir mit Ausbildung und eigener Wohnung schon ein kleines Stück Zukunft aufgebaut, hier in Eschwege, wo ich bleiben möchte, wo ich in Frieden leben kann", sagt er.

Mittlerweile kümmert sich ein Anwalt um seinen Fall. Er klagt vor dem Kasseler Verwaltungsgericht gegen seine Abschiebung. Unterstützung erhält Fazel auch seitens seines Arbeitgebers, der Werraland-Beschäftigungsgesellschaft (WeBeG)."Wir sind alle schockiert. Das darf nicht sein, dass ein junger Mann, der hier auf eigenen Füßen steht und mit großem Willen an seiner Zukunft arbeitet, wieder gehen muss", so WeBeG-Geschäftsführer Gerd Hoßbach, stellvertretend für die Werraland-Kollegen.Er sagte Fazel zu, alles in seiner Macht stehende zu tun, um ihn zu unterstützen.

Das sagt das zuständige Bundesamt

Das BAMF sieht das anders. Auf 15 Seiten nennt das Bundesamt Argumente für die Abschiebung nach Afghanistan. Unter anderem heißt es in der Begründung nach der persönlichen Anhörung, dass Fazel seine begründete Furcht vor Verfolgung nicht glaubhaft gemacht habe.  Auch sei das BAMF nicht davon überzeugt, dass der angehende Koch bei seiner Rückkehr nach Afghanistan existenziellen Gefahren ausgesetzt sei und ein Leben dort zumindest am Rande des Existenzsminimums zu finanzieren.

Laut Waltraud Eisenträger-Tomcuk, die Fazel seit seiner Ankunft in Eschwege vor gut drei Jahren begleitet, begründet das BAMF die Ablehnung des Asylgesuchs auch damit, dass keine Integration in die deutsche Gesellschaft erkennbar sei. "Fazel hatte bei seiner Anhörung überhaupt keine Möglichkeit, seine mitgebrachten Fotos von vielen Aktivitäten mit seinen deutschen Freunden vorzulegen, die sehr wohl seine Integration bestätigen", so Eisenträger-Tomcuk.

"Sie glauben mir einfach nicht, was soll ich nur machen?", fragt ein verzweifelter Fazel Said. Aufgeben wird er aber nicht und weiter um seine Flüchtlingseigenschaft und seinen Schutzstatus kämpfen. "Ich lebe hier, ich arbeite hier, meine Zukunft soll Eschwege sein", sagt er bevor er sich wieder zu Fuß auf den Weg Richtung Kochsberg macht – die Abendschicht in der Hotelküche steht an.

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