Kröten und Frösche wandern wieder: Amphibienschützer sind in Meinhard aktiv

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Heike Matthies und Bernd Hiddemann von der Amphibienschutzgruppe Meinhard.

Viele heimische Amphibien machen sich nun auf, um zu ihren Laichgewässern zu wandern. Dabei ist der Autofahrer oftmals ihr größter Feind. In Meinhard sind daher wieder Ehrenamtliche aktiv.

Werra-Meißner-Kreis. Es ist wieder soweit. Jedes Jahr im Frühling machen sich die heimischen Amphibien auf, um aus Wald und Feld zu ihren Laichgewässern zu wandern. Weil aber der Menschen zwischen Start und Ziel vielfach Straßen gebaut hat, kommt es zu Problemen, denn die Tiere werden zum Teil tausendfach getötet. Das ist nicht nur traurig, in Zeiten der Bedrohung vieler Amphibienarten durch die Vernichtung ihrer Lebensräume, den Einsatz von Herbiziden und Pestiziden in der Landwirtschaft und im Hausgarten und der Klimaveränderung, ist es artgefährdend.

Das Bundesnaturschutzgesetz ist klar formuliert, es ist verboten geschützte Arten, und dazu gehören die meisten Amphibien, zu „ fangen, verletzen oder töten.“ Rund um Eschwege gibt es mehrere Stellen, an denen Amphibien in großer Zahl Bundes-, Landes- und Kreis Straßen überqueren.

Zwischen Grebendorf und Jestädt

An der K3 zwischen Grebendorf und Jestädt sind es in erster Linie Erdkröten, die zu Tausenden aus den Wäldern in die Seen wandern. „Wir haben an unserem Referenzzaun, der nur 100 Meter lang ist, in der Zeit vom 10. März bis zum 10. April 2018 etwa 830 Erdkröten und Molche gesammelt. Auf der gesamten Länge der K3 ist die Anzahl um ein Vielfaches höher“, sagt Heike Matthies von der Amphibien-Schutzgruppe Meinhard. In den letzten Jahren wurde die Strecke in Nächten, wenn eine Krötenwanderung zu erwarten war, vom Bauhof von Meinhard gesperrt. „Wir sind Bürgermeister Gerhold Brill und den Gemeindearbeitern sehr dankbar, dass wir von ihnen so unterstützt wurden“, sagt Matthies. In den letzten Tagen wurde im Bereich der K3 eine Schrankenanlage installiert, die die Sperrung einfacher macht. Eine solche Anlage sei wesentlich billiger, als ein Amphibien Leitsystem, wie es zum Beispiel beim Bau der Umgehungsstraße um Frieda gebaut wurde, erklärt Matthies. Die Amphibienschützer werben für das Verständnis der Autofahrer.

„Wir werden die Sperrungen so selten wie möglich halten. Mitte bis Ende März wird der Großteil der Tiere ihre Wanderung beginnen. Wenn die Nachttemperaturen etwa 10 Grand sind und es feucht genug ist, machen sich die Tiere auf ihren Weg. Wir verfolgen die Wettervorhersage und benachrichtigen dann den Bauhof, dass gesperrt werden muss. In diesem Fall bedeutet das für Autofahrer einen Umweg von etwa fünf Minuten über Eschwege“, berichtet die ehrenamtliche Tierschützerin.

Zwischen Frieda und Schwebda

An der B249 zwischen Frieda und Schwebda gibt es einen uralten Holzzaun mit Durchlässen, der aber vollkommen marode ist. „Wir können dort nicht sammeln, weil es durch den Verkehr zu gefährlich ist. Trotz mehrfachen Nachfragens wissen wir nicht, wer für die Instandhaltung des Zaunes zuständig ist. Hier werden in jedem Frühjahr tausende Amphibien überfahren“, erklärt sie.

Zwischen Aue und Wanfried

Ein weiterer Brennpunkt ist die Straße zwischen Aue und Wanfried. Dort gibt es zwar ein Leitsystem, es wird aber, weil es falsch konstruiert wurde, von den Amphibien nicht genutzt. Dort sind die Ehrenamtlichen regelmäßig im Einsatz, um Amphibien einzusammeln. Im letzten Jahr wurde der Bau von Ersatzlaichgewässern beschlossen, bisher ist aber mit dem Bau noch nicht begonnen worden. Auch in diesem Jahr werden die Amphibienfreunde dort sammeln.

Zwischen Jestädt und Motzenrode

Auf der L3403 sind es Teichmolche, Kammolche, Berg- und Fadenmolch, die die Straße überqueren. Freiwillige aus Motzenrode betreuen seit Jahren diesen Bereich und halten auch auf eigenen Kosten das Ausgleichsgewässer in Stand. Die Amphibienfreunde wollten die an die Straße angrenzenden Teiche erwerben, um sie als Laichgewässer zu sichern. Sie wurden aber vom Eigentümer an Forellenzüchter verpachtet, wodurch sie nur noch eingeschränkt als erfolgversprechender Laichplatz genutzt werden können, denn Laich und Kaulquappen schmecken den Fischen. Die Amphibien-Schutzgruppe wirbt um Verständnis für ihre Aktionen und machen darauf aufmerksam, dass, wenn wir Amphibien nicht aktiv schützen, es bald zu spät sein könnte.

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