Neuseesener Landwirt: Rehkitze sollen vor Mähtod bewahrt werden

Die Ricken gebären ihre Kitze vorzugsweise im hohen Gras der Wiesen.
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Die Ricken gebären ihre Kitze vorzugsweise im hohen Gras der Wiesen.

Vor dem Mähen: Stefan Wetekam arbeitet mit Jagdpächtern zusammen, um mittels ,Vergrämungstaktik' Rehe von den Wiesen fernzuhalten

Witzenhausen-Neuseesen. Für Landwirt Stefan Wetekam aus dem Witzenhäuser Ortsteil Neuseesen stand in der vergangenen Woche eine eher ungewöhnliche Arbeit an. Neben seiner täglichen Beschäftigung auf dem Hof stellt er – rechtzeitig vor dem ersten Mähen in dieser Saison – Flatterbänder auf seinen Wiesen auf. Geholfen haben ihm hierbei die Jagdpächter Erwin Heyser und Klaus Röhrig.

Keine Vogelscheuchen

Doch die Flatterbänder sind keine ,Vogelscheuchen’, wie man meinen könnte – die Maßnahme soll Rehe retten! Wenn nämlich im Frühling Wälder wieder grünen und die Wiesen hoch wachsen, bringen die Rehe ihren Nachwuchs zur Welt. Überall in den ruhigen Feldgemarkungen ziehen die hochträchtigen Ricken in die Wiesen, um dort ihre Kitze zu gebären.

Heuschnitt ist gefährlich für Tiere

Gefahr droht den Kleinen hauptsächlich durch Mähdrescher und andere Landmaschinen, da der erste Heuschnitt zumeist im Mai anfällt. Stefan Wetekam weiß, dass auch eine gute Beobachtungsgabe nicht viel hilft. „Deshalb haben wir bereits Jahre zuvor Maßnahmen ergriffen, um dem Mähtod von Kitzen in der Wiese den Kampf anzusagen”, erläutert Stefan Wetekam.

Schon früh habe er entdeckt, dass Rascheln, beispielsweise von aufgehängten Plastiktüten, die Rehe verscheuchen würde.

Wildtiere vor dem Mähtod bewahren

Auch Jagdpächter und Jagdaufseher beobachten schon Wochen vor dem ersten Mähen die Ricken, um ihren bevorzugten Aufenthaltsort und damit den vermuteten Setzort herauszufinden. Die Jagdpächter Erwin Heyser und Klaus Röhrig arbeiten schon seit geraumer Zeit zusammen, um die Wildtiere in der Region zu schützen.

Idee ,Mäh kein Reh!" stammt von Hessischer Landjugend

Die Jagdpächter Erwin Heyser und Klaus Röhrig helfen Landwirt Stefan Wetekam beim Befestigen und Aufstellen der Flatterbänder auf der Wiese.

Vor zwei Jahren entwickelte die Hessische Landjugend die ,Rehkitzbewegung Mäh kein Reh!’ Mit dieser Aktion soll Landwirten geholfen werden, die Rehe wirkungsvoll von den Wiesen fern zu halten. Die Flatterbänder, die Wetekam seither benutzt, können von den Bauern kostenfrei bei der Landjugend bestellt werden. Dazu gibt es einen Info-Flyer, dem zu entnehmen ist, wie man die Flatterbänder handhabt.

„Diese Methode, die zu der Vergrämungsmethode zählt, ist äußerst effektiv“, steht darin. „Das Aufstellen der Flatterbänder dient dazu, die Ricken zu beunruhigen und zu veranlassen, auch die schon gesetzten Kitze in der Sicherheit der Nacht aus der ungemütlich gewordenen Wiese herauszuführen”, wird erläutert.

Stefan Wetekam wird dennoch besonders aufmerksam mähen. Und wenn die eine Wiese abgemäht ist, werden die rund 20 raschelnden Plastikbänder auf der nächsten Wiese verteilt...

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