"Ich hab ein Loch im Bauch", sagen die Stomaträger aus Bad Sooden-Allendorf wie selbstverständlich

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Stomaträger haben einen künstlichen Ausgang an der Bauchdecke.

Die ILCO-Selbsthilfegruppe trifft sich einmal im Monat, um sich auszutauschen, aber vor allem um Spaß miteinander zu haben.

Bad Sooden-Allendorf. Unter der Schirmherrschaft der ILCO, eine Selbsthilfevereinigung für Stomaträger und Menschen mit Darmkrebs oder chronischen Darmerkrankungen, treffen sich Betroffene jeden dritten Mittwoch im Monat in der Sonnenbergklinik in Bad Sooen-Allendorf zum Gespräch. Stomaträger sind Menschen mit künstlichem Darmausgang oder künstlicher Harnableitung. Man sieht es ihnen nicht an, aber über 100.000 Menschen in Deutschland leben mit Stoma.

Wähend einer Darm(krebs)erkrankung kommt es oft vor, dass der Schließmuskel angegriffen wird oder der Darm durch chirurgische Eingriffe verkürzt wird und somit ein künstlicher Ausgang die einzige und letzte Möglichkeit ist. Drei Arten werden unterschieden: das Colostoma (Stoma des Dickdarms) als die häufigste Form, das Ileostoma (Stoma des Dünndarms) und das Urostoma (Stoma zur Urin-Ableitung). Bei einem Dünn-/Dickdarm-Stoma wird der entsprechende Darm nach außen durch die Bauchdecke gezogen, dort gewölbt und mit der Bauchdecke vernäht. Die bedeutet ein Leben mit einer offenen Wunde, die alle zwei Tage mit einer neuen , selbstklebenden Basisplatte umschlossen werden muss. Die Größe der Öffnung der Basisplatte entspricht der Größes des Loches im Bauch und dementsprechend groß ist auch die Ringgröße des Stoma-Beutels, der auf die Basisplatte eingeklickt wird. Das Wechseln des Beutels kann mehrmals am Tag gemacht werden müssen, je nachdem, wie viel Exkrimente austreten. Das Leben mit Stoma betrifft nicht nur die Erkrankten selbst, sondern vor allem auch die Angehörigen oder Partner. „Der Partner muss da schon mitmachen, sonst können Beziehungen daran kaputt gehen“, erklärt ein Betroffener aus dem Ringgau. Die Frau eines Betroffenen, der bereits 2009 verstorben ist, besucht noch immer regelmäßig die Selbsthilfegruppe. „Die Krankheit ist hier gar nicht oft das Thema. Wir machen viele Unternehmungen, Tagesfahrten oder Grillen. Da alle dasselbe Problem haben, ist das Verständnis in dieser tollen Gruppe einfach groß“. Karin Eckhardt-Herbst, die Gruppensprecherin in der Bad Sooden-Allendörfer Selbsthilfegruppe, erklärt, dass beim Essen aufgepasst werden muss. Es dürfe nichts Fasriges, nichts Blähendes und nichts Saures gegessen werden, weil es sonst Probleme mit der Haut oder dem Ausgang selbst gebe.

Für Lacher in der Gruppe sorgte die Erzählung eines Stoma-Trägers, der erzählte, dass es ebenso nicht möglich sei die Flatulenz (Blähungen) zu kontrollieren. „Die Luft zischt einfach raus, mes macht Geräusche und plötzlich stinkt es.“ Mit solch einem Humor an die Sache zu gehen, so die Partnerineines Betroffenen, bedinge, dass man sich der Krankheit und dem Zustand annimmt, sonst werde man nicht damit fertig. Denn auch die Sexualität kann unter dem künstlichen Ausgang leider oder ganz und gar beeinträchtigt werden. Einig sind sich aber alle Gruppen-Mitglieder, dass sie nicht aufgeben dürfen und es mit Humor nehmen müssen. Dafür kommen sie gerne zu den Treffen in die Sonnenbergklinik.

Interessierte oder Betroffene sind herzlich eingeladen zu den nächsten Treffen in den Konfrenzraum der Sonnenbergklinik zu kommen. Jeden dritten Mittwoch im Monat, trifft sich hier die ILCO-Selbsthilfegruppe für Darmkrebs und Stomaträger. Informationen unter: S 05653 - 914488

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