Fast 500 Jahre alte Lutherbibel entdeckt

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So etwas passiert ihnen sicherlich nur einmal in ihrem Leben. Hans Isenberg (v.li.), Ingrid Marg und Richard Kröll haben bei Aufräumarbeiten die historisch wertvolle Bibel auf dem Dachboden des Pfarrhauses in Breitau entdeckt.

In Sontra-Breitau haben drei ehrenamtliche Helfer bei Aufräumarbeiten auf dem Dachboden des Pfarrhauses eine Lutherbibel von 1529 entdeckt.

Sontra-Breitau. Eigentlich haben sie etwas ganz anderes gesucht, als sie auf den Dachboden des Pfarrhausen in Sontra-Breitau gestiegen sind. Hans Isenberg, Ingrid Marg und Richard Kröll wollten 2011 gemeinsam eine Chronik des Dorflebens schreiben und brauchten dafür die alten Kirchenbücher. Als sie feststellten, dass die Unterlagen nicht geordnet waren und über viele Lagerplätze verteilt aufbewahrt wurden, suchten sie Rat bei Peter Heidtmann-Unglaube vom Landeskirchlichen Archiv Kassel. Er kam mehrmals in den letzten Jahren nach Breitau und unterstützte die Ehrenamtler.

Zufallsfund auf dem Dachboden

 Gemeinsam gingen sie die vielen Kirchenbücher und Schriften durch und fanden auch etwa 330 Bücher in den Pfarrhäusern von Krauthausen, Weißenborn, Breitau und Lindenau. Sie stöberten auch auf dem Boden des Pfarrhauses in Breitau, denn das Gebäude sollte verkauft werden. In einem Verschlag in der hintersten Ecke des Dachbodens fanden sie dann einige Bücher.

Erscheinungsjahr 1529

Als sie das Neue Testament aufschlugen, trauten sie ihren Augen nicht: Erscheinungsjahr 1529! Beim nächsten Treffen mit dem Archivar präsentierten sie ihm das Buch und ein Zweites, das kaum jünger ist. „Das ist ein wirklich bedeutendes Buch und es ist eine bedeutende Leistung der Gemeinde, dass mit Engagement, Sachverstand und Neugier das Pfarrarchiv geordnet wurde.

Buch mit besonderem Wert für die hessische Kirchengeschichte

Dieses Buch hat ist von besonderem Wert für die hessische Kirchengeschichte“, lobte Peter Heidtmann-Unglaube – seine Begeisterung war ihm anzumerken. Die Druckausgabe des Neuen Testaments in der Übersetzung von Martin Luther gehört zur ersten Auflage, die der Drucker Franz Rhode aus Marburg am 23. Januar 1529 fertigstellte. Das Buch ist in einem sehr guten Zustand. Es ist, wie für Bücher aus dieser Zeit üblich, auf Hadernpapier gedruckt. Der Druck geht auf Landgraf Philipp von Hessen zurück.

Druck auf Anordnung des Landgrafen Philipp

Er ordnete 1528 an, dass alle hessischen Pfarreien dieses Neue Testament zum öffentlichen Gebrauch erwerben mussten. 30 Albus kostete ein Exemplar und es wurden etwa 500 Stück in der damals einzigen hessischen Druckerei in Marburg gedruckt, berichtet des Archivar.

Nur noch acht Exemplare weltweit

Es sind insgesamt nur noch acht Exemplare weltweit erhalten, eines davon in Breitau. Dass es so gut erhalten ist, erklärte Peter Heidtmann-Unglaube unter anderem damit, dass es nur wenige Jahre benutzt wurde. 1534 kam bereits eine Vollbibel als Druckausgabe heraus. Die Bibel sollte nicht nur dem Pfarrer zur Verfügung stehen, sondern auch den Gemeindemitgliedern, besonders den Armen, die sich eine eigene Bibel leisten konnten. „Selbst in der Bibel lesen, um urteilsfähig zu sein, das ist typisch Reformation,“ sagt Dekan Dr. Martin Arnold.

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