2,5 Millionen Euro in Eschweger Spielhallen: Aktionstag der Fachstelle für Suchthilfe und Prävention

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Anna Niebeling (links) und Anna Samland von der Fachstelle für Suchthilfe und Prävention können Eva Menschik (Mitte) den Trostpreis geben. Sie ging nicht auf Risiko und stoppte das Spiel mit dem Glück vorher.

Auch in diesem Jahr war die Fachberatung des Diakonischen Werks Werra-Meißner am vergangenen Mittwoch wieder an der landesweiten Aktion zum Thema Glücksspielsucht beteiligt.

Eschwege - Unter dem Motto „Glücksspiel? - Wirf dein Geld doch gleich in die Tonne!“ präsentierten Anna Niebeling und Anna Samland von der Fachstelle für Suchthilfe und Prävention zwischen den Marktständen die Folgen der Abhängigkeit.

Scheine landeten in der Mülltonne

Für alle Marktbesucher sichtbar waren die beiden grauen Mülltonnen, die überfüllt mit Geldscheinen waren. Hier landeten alle Scheine, die beim Glücksrad verloren wurden. „Jeder hat zehn Versuche, zu drehen. Landet der Spieler auf einem bestimmten Feld, bekommt er entweder einen weiteren Geldschein oder muss sein Geld in die Tonne werfen“, sagt Anne Niebeling. Als Preis gab es einen Regenschirm zu gewinnen.

„Bei dem regnerischen Wetter heute ein echter Anreiz und das merkt man auch“, so Niebeling weiter. Denn kaum jemand hört vor den Versuchen auf, was möglich wäre. Wer auf der sicheren Seite sein wollte, konnte das Spiel jederzeit stoppen und einen Trostpreis erhalten. „Die meisten gingen hier heute auf Risiko“, sagen die beiden Berater. Eine von denen, die dem Gewinnanreiz widerstand, war Eva Menschik. Sie freute sich anschließend umso mehr über ihren Trostpreis. „Das Brillenputztuch kann ich sowieso sehr viel besser gebrauchen“, sagt sie. Es lohnte sich also, das Spiel vorher zu stoppen. Dass das in den Spielhallen, Gaststätten oder Wettbüros nur wenige tun, sieht man an den Zahlen.

Millionen für die Spielhallen

Laut einer alljährlichen Untersuchung des Arbeitskreis gegen Spielsucht e.V. betrug 2018 der Kasseninhalt, generiert durch den Geldverlust des Spielers an Geldspielgeräte in Spielhallen, allein in Eschwege 2.5 Millionen Euro. Im Bereich der Geldspielgeräte in der Gastronomie waren es rund 580.000 Euro. Auch in Hessisch Lichtenau oder Witzenhausen sind die Zahlen, im Vergleich zur Einwohnerzahl, ähnlich. Hier waren es im vergangenen Jahr rund 1,1 Millionen Euro beziehungsweise 900.000 Euro, die in die Kasse der Spielhallen flossen.

Ansteigend sind die Umsätze mit dem Glücksspiel im Internet. „Die große Auswahl und schnelle Verfügbarkeit der Online-Casinos und Sportwettanbieter im Internet ist für viele Glücksspieler nicht nur wegen der Anonymität von Interesse. Gerade in einer Kleinstadt wie Eschwege wird aus Scham- und Schuldgefühlen häufiger auf den Online-Bereich ausgewichen.“ so Anna Niebeling.

Die Fachstelle für Suchthilfe und Prävention des Diakonischen Werks Werra-Meißner zählt zu einer der 13 hessenweiten Fachberatungen für Glücksspielsucht. Sowohl Betroffene als auch Angehörige können sich dort informieren und beraten lassen. Auch bei der Antragsstellung in eine geeignete Therapie wird Unterstützung angeboten. Terminvereinbarungen sind unter der 05651-3394292 oder a.niebeling@diakonie-werra-meissner.de möglich. Die Beratung untersteht der Schweigepflicht und ist kostenfrei.

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