Mobilfalt in der ländlichen Region

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NVV-Mobilfalt-Beraterin Gabriele Rübcke erläuterte bildhaft das Projekt.

In Großstädten ist es selbstverständlich, dass Bus und Straßenbahn im Viertel-Stunden-Takt unterwegs sind. Doch wer in kleineren Städten oder sogar in ländlichen Regionen wohnt, für den kann die Fahrt zur Arbeit ohne eigenes Auto zu einer wahren Herausforderung werden.

Werra-Meißner.  Abends vom Bahnhof Witzenhausen nach Roßbach kommen – kein leichtes Unterfangen, denn der letzte Bus fährt bereits gegen 18.30 Uhr. Und auch tagsüber sind die Busverbindung zwischen der Kernstadt und dem knapp neun Kilometer entfernten Ortsteil rar gesät. Wenn man Glück hat, fährt der Bus jede Stunde. In den Ferien sieht der Plan aber nur sieben Fahrten über den ganzen Tag verteilt vor.

Abhilfe und mehr Mobilität zwischen den Ortsteilen und der Kernstadt soll das NVV-Projekt „Mobilfalt“ schaffen. Inzwischen läuft es seit gut fünf Jahren und sorgt für spürbare Verbesserungen im öffentlichen Nahverkehr. Nahezu durchgängig im 60-Minuten-Takt kommt man aus den Ortsteilen nach Witzenhausen und das ohne selbst ein Auto zu besitzen. „Inzwischen können wir sogar einen Zehn-Minuten-Takt bei den Mobilfalt-Fahrten anbieten“, berichtet Horst Pipper, Geschäftsführer der Nahverkehres Werra-Meißner (NWM) GmbH mit Stolz.

Individualverkehr soll integriert werden

Möglich macht die Verbesserung der Mobilität in der ländlichen Region das Engagement der Bürger vor Ort. Das Projekt Mobilfalt steht für Mobilität und Vielfalt und basiert darauf, dass private Fahrgemeinschaften das Angebot an Busverbindungen ergänzen. Jeder, der mit seinem privaten Auto unterwegs ist, kann sich als Fahrer bei Mobilfalt anmelden und Fahrten anbieten. Damit wolle man den Individualverkehr an den öffentlichen Nahverkehr anschließen und so das „große Potential“ das im Pendlerverkehr herrsche nutzen, hebt Steffen Müller vom Nordhessischen VerkehrsVerbund (NVV) die Intention des noch jungen Projektes hervor. Es gehe aber keinesfalls darum, den öffentlichen Personennahverkehr durch das Angebot von Mobilfalt zu ersetzten, sondern um eine Ergänzung des Mobilitätsangebotes, betont Müller. In dieser Woche stellte Gabriele Rübcke das Projekt den Grünen-Politikerinnen Karin Müller und Sigrid Erfurth vor.

So funktioniert Mobilfalt

Mobilfalt funktioniere ganz einfach, berichtet die NVV-Mobilfalt-Beraterin: „Anmelden, Fahrten anbieten und einen Beitrag zum Umweltschutz und gelebte Nachbarschaftshilfe leisten und dabei als Pendler auch noch die eigenen Fahrkosten reduzieren.“ Sowohl für Fahrer als auch für Mitfahrer sei die Teilnahme an dem Projekt recht einfach, so Rübcke. Man registriere sich einmalig unter www.mobilfalt.de oder telefonisch unter 0800-8090688 und kann dann als Fahrer Fahrten anbieten oder als Mitfahrer seine Wunschfahrt buchen. Das Angebot von Mobilfalt richtet sich an alle Altersgruppen vom Jugendlichen bis zu Senioren und garantiert Verbindungen nach Fahrplan im Zeitraum zwischen morgens fünf Uhr und Mitternacht. Sollte für die gewünschte Uhrzeit kein Mitfahrangebot vorliegen, werden Taxis eingesetzt, erläutert Pipper das Angebot.

Derzeit gebe es im gesamten Werra-Meißner-Kreis rund 2.000 registrierte Nutzer, etwa 140 davon sind als Fahrer registriert, berichtet Pipper. „Wir verzeichnen etwa 31 Fahrten am Tag, wobei zwischen zwei und acht Prozent mit privaten Fahrern erfolgen“, so der NWM-Geschäftsführer weiter. Erfreulich sei die Entwicklung der Zahlen seit der Einführung des Zehn-Minuten-Taktes. Hier habe man die durchschnittliche Anzahl der Mobilfalt-Fahrten in Witzenhausen von knapp 65 pro Woche auf fast 130 steigern können. Und auch die Zahl der Fahrtanbieter habe man in den vergangenen Monaten auf aktuell 46 Fahrer steigern können, so die Bilanz der vergangenen Monate.

Weiterer Ausbau ist geplant

Außer in Witzenhausen wird Mobilfalt auch rund um Sontra und Harleshausen angeboten. Und das Projekt soll weiter entwickelt werden. Nachdem vor rund zwei Jahren die Verbindung zwischen Großalmerode und dem Ortsteil Weißenbach mit in das Projekt aufgenommen worden sei, plane man demnächst auch die Nahverkehrsverbindungen rund um Neu-Eichenberg in das Projekt zu integrieren, so Steffen Müller ab-schließend. Weitere Informationen zur Registrierung, Buchungen und alle Mobilfaltfahrpläne gibt es im Internet unter www.mobilfalt.de.

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