Montag startet die Schule im „Corona-Modus" im Werra-Meißner-Kreis

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So wie auf diesem Bild wird es in der nächsten Woche in den Schulen, die mit Unterricht starten, nicht aussehen. Das Gebot der Stunde ist Abstand wahren – mindestens 1,5 Meter sind erforderlich.

Vor dem Schulstart am Montag gibt es viel zu beachten und es kommen auch Fragen auf.

Werra-Meißner-Kreis. Am Montag beginnt für einen Teil der Hessischen Schüler wieder der Unterricht im Schulgebäude. Die Grundschüler der vierten Klassen, die Schüler von Sprachheilschulen und die Schüler der Förderschulen mit dem Schwerpunkt Sehen und Hören werden am Montag wieder die Schulbank drücken. Außerdem sind die Schüler der Abschlussklassen der Förderschulen Lernen wieder in der Schule und die neunten Klassen der Hauptschule und zehnten Klassen der Realschule. Bei den älteren Schülern sind die zwölften Jahrgangsstufen der Gymnasialen Oberstufe, der Fachoberschulen, der höheren Berufsfachschulen und Fachschulen wieder im Schulunterricht. Auch die Schüler der Abschlussjahrgänge der Berufsschulen werden wieder in die Schulen zurückkehren.

Das alles stellt die Schulleitungen vor einige organisatorische Herausforderungen. Laut Erlass des Hessischen Kultusministeriums richtet sich die Gruppengröße nach der Größe des Raumes. Es muss ein Abstand von mindestens 1,5 Metern zu allen Seiten zwischen den Schülern gegeben sein. Die Gruppen dürfen höchstens 15 Personen umfassen.

Schicht-Unterricht

In den Beruflichen Schulen in Eschwege werden über die Wochentage verteilt insgesamt rund 230 Schüler wieder ins Schulgebäude zurückkehren. „Wir werden die Gruppen teilen und parallel oder schichtweise unterrichten, um den Abstand einhalten zu können. Außerdem werden wir mit dem Unterricht versetzt beginnen, damit sich die Schüler im Gebäude möglichst wenig begegnen.

Zusätzlich haben wir eine Pausenregelung mit verschachtelten Zeiten getroffen, damit auch da möglichst wenig Begegnung stattfindet“, berichtet Ekkehard Götting, der Schulleiter. Der Werra-Meißner-Kreis als Schulträger habe bereits verstärkte hygienische Maßnahmen angekündigt. So würde das Personal Kontaktflächen häufiger reinigen. Außerdem würden, wenn möglich, Türen offen bleiben, um Kontakt zu vermeiden. Zum Thema Schutz berichtet Götting, dass der Kreis die Schülerzahlen abgefragt habe, und er davon ausgehe, dass Masken geliefert werden. „Dieses Konzept ist im Regelbetrieb, wenn wir wieder 400 Schülerinnen und Schüler haben, nicht zu realisieren“, erklärt er.

Klassenräume vermessen

Auch in der Adam-von-Trott-Schule in Sontra hat man erst einmal die Räume vermessen, um festzustellen, wie die zu erwartenden 85 Schüler untergebracht werden können. „Wir haben zwei Klassenräume pro Klasse und bei den Abschlussklassen werden die Fachlehrer durch Kollegen unterstützt, und wir haben die Stundenpläne umgestellt“, berichtet die Schulleiterin Susanne Hermann-Borchert.

Was die hygienischen Voraussetzungen der Schule angeht, sieht sie keine Problem, da sowieso jeder Klassenraum mit Waschbecken, Seifenspender und Papierhandtüchern ausgestattet ist. Derzeit können Räume in denen unterrichtet wird außerdem im Gebäude verteilt werden, da nur so wenige Räume besetzt sind, auch die Treppenhäuser und Pausenbereiche können getrennt werden.

„Wir sind noch guter Dinge. Was allerdings in den Bussen passiert, geschieht in Eigenverantwortung“, sagt die Schulleiterin. Die Busproblematik sieht auch Rainer Otte, der stellvertretende Schulleiter der Brüder-Grimm-Schule. Noch seien die Schulbusse nicht voll, da seien die Abstände noch einzuhalten, wenn allerdings mehr Klassen wieder beschult werden, hält er das für problematisch. Er warte ebenfalls auf weitere Anweisungen des Staatlichen Schulamtes, auch zur Maskenpflicht: „Wir haben keine Masken für die Schüler und wissen auch nicht, ob uns welche zur Verfügung gestellt werden“, berichtet er.

Die Grundschulen

Schwieriger ist die Situation an den Grundschulen, Zwar sind auch hier meist die hygienischen Voraussetzungen nicht das Problem. In einem offenen Brief (Datum 20. April), den der Personalrat der Pädagogen der Grundschule „Am Brunnen vor dem Tore“ aus Bad Sooden-Allendorf an Prof. Dr. Alexander Lorz, Hessischer Kultusminister, sowie an Anita Hofmann, Staatliches Schulamt, geschickt hat, prangern die Pädagogen das Fehlen eines Hygienekonzeptes und von konkreten Hilfestellungen an. Der Personalrat bewerte es als sehr problematisch, dass viele Kollegen selbst zu Risikogruppen gehören und sehe durch ihr mögliches Fehlen die Notbetreuung und den Unterricht im Homeoffice in Gefahr.

Einig sind sich die befragten Lehrer, dass bei den jüngeren Schülern das Abstand halten ein Problem darstellen wird. Besonders in den Pausenzeiten werde dies als schwer umsetzbar angesehen: „Wir schicken unsere Schüler in zwei Gruppen auf den Pausenhof und werden auch die Aufsicht verstärken, um den Abstand durchzusetzen“, berichtet Rolf Tinnefeld, Leiter der Struth-Schule in Eschwege.

Ulrike Kraiger, die Leiterin der Grundschule in Meinhard, habe auch die vierte Klasse mit 15 Kindern in zwei Gruppen eingeteilt, um sie von einander zu trennen. „Wo wir allerdings an unsere Grenzen kommen ist, wenn mehr als zwei Klassen wieder beschult werden. Wenn dann auch noch die Notbetreuung weiter geht, dann ist das nicht mehr zu schultern“, sagt sie.

„Situation fordert Willen“

Vor den Ferien besuchten 12 Kinder das Angebot, das sei aber nur zu leisten gewesen, weil drei Kollegen der Brüder-Grimm-Schule ausgeholfen hätten. Diese Kollegen sind jetzt wieder in ihre Schule zurückgekehrt. „Die Kinder freuen sich, ihre Klassenkameraden wieder zu sehen, sie freuen sich auf den Kontakt, sie müssen lernen Abstand zu halten, das wird nicht einfach“, befürchtet die Schulleiterin.

Mit der Klassenelternbeirätin sei sie bereits in Kontakt getreten. Von ihr sei signalisiert worden, dass die meisten Eltern von Kindern, die normalerweise mit dem Schulbus fahren, versuchen würden, ihre Kinder mit dem eigenen Auto in die Schule zu bringen, um die Busfahrt zu vermeiden. „Die Situation erfordert Zusammenarbeit und den Willen, sich mit Maß und Verstand an die Vorgaben zu halten“, sagt Kraiger.

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