Nach aus von Dietz für Logistikgebiet: Neue Pläne für Neu Eichenberg

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So sieht der Flächennutzungsplan aus, den sich die BI ausgedacht hat.

Am Montag wird in der Gemeindevertretersitzung von Neu Eichenberg über die Zukunft des Sonderlogistikgebietes beraten

Neu Eichenberg. Die Pläne für ein Logistikgebiet bei Neu-Eichenberg sind erst mal aufgeschoben. Mit dem Jahreswechsel hat der Vertrag der Gemeinde Neu-Eichenberg mit dem Investor, der Dietz AG, für die Entwicklung des Sondergebiets Logistik keine Gültigkeit mehr, nachdem man die Frist auslaufen ließ. Ob man weiterhin daran festhält, ein Logistikgebiet zu errichten, steht noch nicht fest.

„Wir müssen jetzt erst einmal abwarten, welchen weiteren Arbeitsauftrag die Verwaltung bekommt“, erklärt Bürgermeister Jens Wilhelm. Dafür müsse man die nächste Gemeindevertretersitzung abwarten. Vor Ort kam es in der Vergangenheit wegen den Plänen für ein Sonderlogistikgebiet zu Protesten und zu einer Besetzung der Ackerfläche sowie weiteren Vorkommnissen (lokalo24.de berichtete).

„Diese Chance sollten wir nutzen, um insgesamt über die Nutzung der 80 Hektar Ackerflächen neu nachzudenken und einen Neustart in ein ökologisches Jahrzehnt für Neu-Eichenberg beginnen“, sagt Karl-Heinz Riechel, der Ortsverbandsvorsitzende der Grünen.

Vorschläge hat dazu die „Bürgerinitiative für ein lebenswertes Neu-Eichenberg“ (BI) im Dezember zusammengetragen. Ihre Ansätze verfolgen vor allem die Nutzung der Flächen als Ackerland. „Derzeit stellt sich die dringliche Frage, wie wir unsere landwirtschaftliche Praxis verändern können, um das Klima zu schützen, statt den Klimawandel voranzutreiben. Ein Ansatz ist dabei der Erhalt und die Vermehrung von organischer Substanz beziehungsweise Humus in unseren landwirtschaftlichen Böden. In Humus kann viel CO2 gebunden und so der Atmosphäre entzogen werden. Das trägt enorm zum Klimaschutz bei“ erklärte Peter Kirch aus der Gruppe „Land schafft Zukunft“.

Maura Schnappauf ergänzt: „Vor unserer Haustür liegt ein Schatz. Der Acker in Neu-Eichenberg hat eine hervorragende Bodenqualität, liegt zentral in Deutschland und ist mit der Bahn gut zu erreichen. Durch seine Lage in der Ökolandbau Modellregion Nordhessen und nahe der Universität Kassel/Witzenhausen würde unser Vorhaben sehr sichtbar sein. Dies könnte ein Leuchtturmprojekt in der Region werden.“

Die BI möchte daher das Ackerland durch eine Kombination verschiedener naturnaher Ansätze nutzen (siehe Extra Info). In dieser Woche hat dann auch die Fraktion der Grünen entsprechende Anträge zur Beratung in der Gemeindevertretersitzung eingereicht. Darin geht es etwa um Abwägungen zum Ruheschutz, Umwelt und Gefahrenabwehr.

Wie profitabel sind die Pläne der BI?

„Jüngste Forschungsergebnisse und Simulationen zeigen, dass das Risiko saisonaler Hitzewellen und damit verbundenen Ernteausfällen in den weltweiten Kornkammern steigt. (...) Um der ungebremsten Klimakrise entgegen zu wirken, wäre umgekehrt eine zusätzliche Flächenumwandlung durch Aufforstung notwendig. Mit den vorgestellten Projektideen wird versucht, hierauf ökonomisch, ökologisch und sozial geeignete Antworten zu geben. Dies ist keine Frage von Umweltschutz und kein Ökonomie-versus-Ökologie-Spiel, sondern eine Frage des Erhalts unserer Lebensgrundlagen und einer nachhaltigen regionalen Wertschöpfung. Eine Modellregion sollte damit werben, geeignete zukunftsfähige Modelle zu entwickeln und ungeeignete Modelle von gestern zu beenden“, erklärt die BI auf Nachfrage und bezieht sich dabei auch auf die Wissenschaftliche Arbeit „Kornhuber et al., Nature Climate Change, 2019“.

Im Gegenzug rechnet die BI vor, dass das Logistikgebiet sich wirtschaftlich nicht ausgezahlt hätte, da durch die Mehreinnahmen aus Steuern die geringeren Mittel aus dem Kommunalen Finanzausgleich (KFA) sinken. Somit wäre unter Berücksichtigung aller Kosten laut BI das Sonderlogistikgebiet ein finanzielles Minusgeschäft im Laufe der Jahre. Die Rechnung hat die Initiative auf ihrer Homepage veröffentlicht.

„Bei den ersten Berechnungen wurde der KFA nicht berücksichtigt. Nach Einbeziehung des KFA sind die Gewinne zwar nicht mehr so hoch, das Logistikgebiet wäre jedoch kein Minusgeschäft gewesen“, ist Wilhelm anderer Meinung. Die nächste Gemeindevertretersitzung findet am Montag, 20. Januar, statt. Sollte die Sitzung nicht ausreichen, wird diese am 21. Januar fortgesetzt.

 

 

EXTRA INFO

Das sind die Vorschläge der BI

Agroforst: Ackerbau in Kombination mit Bäumen (Obst, Nuss, Wertholz, eventuell mit Tierhaltung). Schafft belastbare und umweltschützende Ackerbausysteme, die Energie- und Bauholz, Nahrungs- und Futtermittel bereitstellen und zusätzlich Biodiversität, Trockentoleranz und Bodenfruchtbarkeit steigern (Agro bezeichnet die griechische Vorsilbe für die Ackerbaulehre, die Red.).

Bürgerenergieprojekt: Auf Grundlage von Energieholzanbau sowie der Installation von Agro-Photovoltaik (Photovoltaik-Anlagen kombiniert mit Ackerbau) ist der Aufbau einer gemeindeeigenen Energieversorgung möglich. Davon können alle Haushalt der Gemeinde profitieren.

Biointensiver Gemüsebau: Ökologischer Gemüsebau mit modernen Kleingeräten und Methoden ohne Traktor, mit besonderem Fokus auf Bodenfruchtbarkeit. Ermöglicht überschaubare Investitionen bei hohen Erträge auf sehr kleiner Fläche.

Domäne: Als Ort für Mehrgenerationenwohnen, Gewerbestandort, Standort für weiterverarbeitende Betriebe, wie z.B. Faserhanfproduktion oder eine professionelle Küche, in der etwa das Gemüse des Ackers verwertet wird, um damit Seniorenwohnheime, Kindergärten und Schulen zu beliefern.

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