Nach 20 Jahren verlässt Gerd Hoßbach den Verein „Werraland Lebenswelten"

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Gemeinsam waren sie der Vorstand in einer 50-jährigen Geschichte: (v.li.) Georg Forchmann, Ehrenfried Emmerich und Gerd Hoßbach.

Der Vorstandsvorsitzende der Werraland Lebenswelten, Gerd Hossbach, verlässt den Verein nach 20 Jahren und geht in den Ruhestand. Sein Nachfolger wird Georg Forchmann.

Eschwege - Im nächsten Jahr wird der Verein Werraland Lebenswelten 50 Jahre alt. In diesen fünf Jahrzehnten hatte das Sozialunternehmen lediglich drei Geschäftsführer bzw. geschäftsführende Vorstände: Ehrenfried Emmerich, Gerd Hoßbach und Georg Forchmann. Mehr als die Hälfe dieser Zeit stand Ehrenfried Emmerich an der Spitze des Sozialunternehmens. Gegründet im September 1971 übernahm er 1972 die Leitung der Werkstatt – mit einem Mitarbeiter und sechs Menschen mit Handicap. „Gestartet sind wir im evangelischen Gemeindehaus in der Boyneburger Straße und standen sofort vor zwei großen Herausforderungen“, erinnert sich Ehrenfried Emmerich. Es sei besonders in der Anfangsphase schwierig gewesen, die Eltern dazu zu bewegen, ihr Kind mit Handicap tagsüber in die Werkstatt zu geben. „Die Eltern hatten mit so etwas ja überhaupt keine Erfahrungen und sie konnten sich auch nicht vorstellen, dass ihr Kind arbeiten könnte und sollte“, so Emmerich.

Die zweite Hürde war die Akquise von Arbeitsaufträgen. „Eigentlich war ich anfangs nur unterwegs – die Eltern behinderter Kinder auf den Dörfern besucht und bei den heimischen Unternehmen vorgesprochen“, sagt Ehrenfried Emmerich. Erste Aufträge waren einfache Konfektionsarbeiten für Becker & Hach sowie für die Firma Heinrich & Goldau und Wanfried Druck. Im Februar 1979 dann der erste Meilenstein. Die neue Werkstatt am Hessenring mit 120 Arbeitsplätzen war fertig gestellt. 1985 war der Anbau mit weiteren 60 Arbeitsplätzen realisiert. „Herr Emmerich hat Werraland aufgebaut, das ist sein großer Verdienst. Jeder von uns weiß, wie schwierig es ist, ein neu gegründetes Unternehmen zu managen. Besonders im Bereich Behindertenarbeit, die vor einigen Jahrzehnten noch bei weitem nicht so selbstverständlich und von Akzeptanz in der Gesellschaft geprägt war, wie sie es heute zum Glück ist“, sagt Gerd Hoßbach, der die Geschäftsführung im Januar 2000 übernahm.

Unter Hoßbach wuchs das Unternehmen stetig und gehört aktuell zu den größten Arbeitgebern im Werra-Meißner-Kreis. Knapp 400 Menschen mit Beeinträchtigungen sind aktuell in der Werkstatt beschäftigt, 460 Mitarbeiter arbeiten für die Werraland Lebenswelten und deren Töchterfirmen. „Wir haben dank innovativer Ideen und motivierter Mitarbeiter gemeinsam viel erreicht“, so Hoßbach, der durch eine Neustrukturierung des Vereins Werraland vom Geschäftsführer zum Vorstandsvorsitzenden wurde.

Die Eckpfeiler der 20-jährigen Ära

Eckpfeiler, die während der 20-jährigen Ära von Gerd Hoßbach realisiert wurden, waren 2001 die Gründung der Werraland-Beschäftigungsgesellschaft (WeBeG) mit den Geschäftsfeldern Gebäudereinigung, Großküche mit Bistro amélie und ab 2010 das Hotel Kochsberg, 2005 die Eröffnung der Werkstatt-Außenstelle in Witzenhausen in Kooperation mit dem Verein Aufwind, in Reichensachsen die Eröffnung des Werner-Seeger-Hauses für Kinder und Jugendliche im Jahr 2005 und in Eschwege des Hauses der ambulanten Dienste in 2006, Fertigstellung eines neuen Verwaltungsgebäudes am Hessenring 2009, der Start des Projekts „Zukunft:Arbeit“ in 2012 gemeinsam mit Aufwind und Lichtenau e.V., die Gründung der Werraland Ambulante Dienste gGmbH (WEADI), die Realisierung des Beruflichen Ausbildungszentrums in Eschwege im Jahr 2016 und die Eröffnung des Concierge-Wohnens in der Eschweger Bahnhofstraße 2017.

„Ohne engagierte Mitarbeiter und die gute Zusammenarbeit mit meiner ehemaligen Vorstandskollegin Andrea Röth wäre die Umsetzung solch großer, arbeitsintensiver und nachhaltiger Projekte nicht möglich gewesen. Mein besonderer Dank gilt unserem Verwaltungsrat, der mich immer unterstützt und die vielen innovativen Ideen mitgetragen hat“, so Gerd Hoßbach, der Ende März in seinen wohlverdienten Ruhestand gegangen ist. Es seien stressige Jahre gewesen, aber auch sehr schöne. „Ich bin glücklich, dass wir heute da stehen wo wir stehen und die Werraland Lebenswelten zu dem gemacht haben, was sie sind: Ein Sozialunternehmen, dass Menschen mit Beeinträchtigung auf vielfältige Weise Unterstützung und Perspektiven für ein möglichst selbstbestimmtes Leben bietet“, so Hoßbach.

Nachfolger bereits seit Oktober bei Werraland

Mit Georg Forchmann, der seit Oktober vergangenen Jahres als Vorstand bei Werraland tätig ist und Seite an Seite mit Gerd Hoßbach arbeitet, steht der dritte Mann an der Spitze des Sozialunternehmens in seiner fast 50-jährigen Historie bereits fest. „Herr Emmerich und Herr Hoßbach haben sehr große Verdienste, für die ich Beiden meinen Dank aussprechen möchte. Sie haben Werraland auf ein Niveau gehoben, das es in Zukunft zu halten aber auch weiter auszubauen gilt“, sagt Georg Forchmann. Ob auch er, wie seine beiden Vorgänger, das Sozialunternehmen 20 oder gar 28 Jahre führen werde, beantwortet Georg Forchmann mit einem Lächeln: „Bis zu meinem Ruhestand sind es mehr als drei Jahrzehnte“, so der 29-jährige Werraland-Vorstand.

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