Ökologisch statt digital: Ackerwinde-Erfinder Jan Lanvers im Interview

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Jan Lanvers konnte mit seinem Projekt „Ackerwinde“ die Jury des Wettbewerbs „Hessen-Ideen“ überzeugen. Auf dem Marktplatz von Witzenhausen ist eine der Ackerwinden bereits seit Monaten zu sehen.

Mitte November wurden Jan und Teresa Lanvers beim Wettbewerb „Hessen-Ideen“ für ihr Projekt „Ackerwinde“ ausgezeichnet. Es handelt es sich um eine innovative Konstruktion für den vertikalen Anbau von Gemüse, Kräutern und Blumen. Jan Lanvers spricht über die Idee, die hinter dem Projekt steckt.

Witzenhausen. Bei der Ackerwinde handelt es sich um eine innovative Konstruktion für den vertikalen Anbau von Gemüse, Kräutern und Blumen. Sie vervielfacht die nutzbare Fläche für den Pflanzenanbau und überzeugt gleichzeitig durch ihr außergewöhnliches Design. Ein torffreies Spezialsubstrat für den vertikalen Anbau, ein Bewässerungssystem und eine angepasste Pflanzanleitung sollen gärtnerische Erfolge für jedermann versprechen. „Mit diesem Projekt würdigt die Jury ein aus der Hochschule resultierendes niedrigschwelliges Angebot zur Förderung des ökologischen Bewusstseins und der Nachhaltigkeit“ schrieb das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kultur anlässlich der Preisverleihung in Frankfurt.

Der MARKTSPIEGEL (MS) hat nach der Preisverleihung mit dem Erfinder der „Ackerwinde“, Jan Lanvers, über die Idee, die hinter dem Projekt steckt und über die Zukunft der innovativen Konstruktion, die Gärtnern auf kleinsten Raum möglich macht, gesprochen.

MS: Zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zum 2. Platz bei „Hessen-Ideen“. Haben Sie überhaupt damit gerechnet, ausgezeichnet zu werden?

Lanvers: Vielen Dank! Nein, das war eine große Überraschung. Unsere Ackerwinde ist weder smart, noch mit App oder High-Tech ausgestattet. Die meisten anderen Teams lagen dagegen voll im digitalen Trend.

MS: Insgesamt waren 28 Ideen aus zwölf hessischen Hochschulen nominiert. Sie sind mit Ihrem Projekt auf dem Treppchen gelandet. Was bedeutet Ihnen die Auszeichnung?

Lanvers: Der Jury gefiel unsere Idee als Angebot zur Förderung des ökologischen Bewusstseins. Dieses Feedback war wirklich toll und wir sind daher voll motiviert, diesem Grundsatz treu zu bleiben. Außerdem ist es natürlich eine tolle Werbung und wir hoffen, dass dadurch auch Kunden und potenzielle Vertriebspartner auf uns aufmerksam werden.

MS: Wie ist die Idee für das Projekt überhaupt entstanden?

Lanvers: Ich habe Ökologische Landwirtschaft im Master hier an der Uni in Witzenhausen studiert. Die Idee für die Ackerwinde habe ich 2016 im Rahmen eines Projekts an der Uni entwickelt. Es gab eine Projektidee von Professor Jürgen Heß. Hierbei ging es darum, eine bestehende Gemüsesäule mit einem neuen Substrat zu testen. Ziel war es, eine Citizen Science (als Citizen Science wird eine Form der offenen Wissenschaft bezeichnet, bei der Projekte unter Mithilfe oder komplett von interessierten Laien durchgeführt werden, Anm. d. Red.) durchzuführen. Ich fand das Projekt sehr spannend und habe mich mit der Gemüsesäule beschäftigt. Hierbei habe ich einiges festgestellt, was mir nicht so gut gefallen hat. Daraufhin habe ich mich selbst in meiner Werkstatt hingesetzt und einen neuen Entwurf der Gemüsesäule entwickelt.

MS: Und worin liegt der Unterschied?

Lanvers: Das besondere an der Ackerwinde ist, dass sie anders als die klassische Gemüsesäule, horizontale Anbauflächen bietet. Sie ist als Bausatz konstruiert und bietet somit die Möglichkeit eines leichten Transports sowie Auf- und Abbaus. Durch die Schraubenform, die die kleinen Beete machen, ist die Nutzung des Lichts für die Pflanzen verbessert gegenüber einer Lösung, bei der die Pflanzen übereinander angeordnet sind.

MS: Wie weit ist die Ackerwinde inzwischen verbreitet?

Lanvers: Ein Exemplar steht hier in Witzenhausen auf dem Marktplatz. Wahrscheinlich werden demnächst noch weitere dazu kommen. Aber auch in Kassel und Frankershausen wurden bereits Ackerwinden aufgestellt. Ein weiteres Exemplar wird von einer Biogärtnerei als Marketinginstrument genutzt und auch in vielen privaten Gärten sind die Säulen bereits anzutreffen.

MS: Wer jetzt auch zu den stolzen Besitzern einer Ackerwinde gehören möchte, was muss er tun, um eines der Exemplare zu bekommen?

Lanvers: Momentan arbeiten wir, also meine Schwester Teresa und ich, daran, Logistik und Vertrieb für die Ackerwinde auf die Beine zu stellen. Auch eine Homepage ist in Arbeit, ebenso die Suche nach Vertriebspartnern. Bis diese gefunden sind, wollen wir die Ackerwinde zunächst über einen Direktvertrieb vermarkten. Interessenten können sich schon jetzt an uns per E-Mail oder aber auch über unsere Facebook-Seite (www.facebook.com/growingpillar) wenden. Sie erhalten dann einen Bausatz, der selbst zusammengebaut und zum Beispiel im Garten aufgestellt werden kann.

MS: Wie wird das Projekt derzeit finanziert?

Lanvers: Wir haben bis Ende September dieses Jahres das „Hessen-Ideen“-Stipendium bekommen. Bis sich das Projekt hoffentlich bald selbst trägt, bekommen wir seit November das NRW-Gründerstipendium. Und auch das Preisgeld aus dem Ideen-Wettbewerb fließt natürlich in das Projekt. Es ist super, dass wir weiter investieren können. Wir sind gerade dabei, zusätzlich zum deutschen Patent auch das europäische Patent nachzulegen. Dafür werden wir das Preisgeld voraussichtlich auch komplett einsetzen.

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