Dringend Pflegefamilien im Werra-Meißner-Kreis gesucht

140 Kinder - 103 Pflegefamilien: Pflegekinderdienst sucht mehr Plätze für Kinder im Kreis.

Werra-Meissner -Aktuell leben bereits 140 Kinder in 103 Pflegefamilien in der Region. Im Werra-Meißner-Kreis gibt es allerdings nur fünf weitere Pflegefamilien, die freie Plätze anbieten. „Seit zwei bis drei Jahren haben wir da einen enormen Mangel“, sagt Karin Meissner-Erdt vom Pflegekinderdienst. Außerdem gäbe es aktuell ebenfalls fünf Kinder, die in Pflegefamilien vermittelt werden sollen. Allerdings würde das Profil der freien Pflegefamilien nicht mit dem der Kinder und ihrem Hintergrund zusammenpassen. Denn wenn man sich dazu entscheidet, Kindern ein neues Zuhause als Pflegefamilie zu geben, ist der Weg dahin mit einem Aufwand von knapp einem halben Jahr verbunden. Für die Familien gibt es ein Bewerbungsverfahren, in dem sie das Alter der Kinder genauso angeben wie die Hintergründe ihrer Aufnahme. „Es ist ein Grundsatz, dass die Kinder, die in Pflege in eine Familie kommen, immer die jüngsten sind“, so Meissner-Erdt.

(V.li.) Karin Meissner-Erdt und Ariane Zengerling von Pflegekinderdienststelle des Werra-Meissner-Kreis freuen sich auf neue Pflegefamilien. 

Das Bewerbungsverfahren

„Oft erinnern sich Eltern, deren Kinder bereits groß oder schon längst aus dem Haus sind, an die Flyer zu unseren Info-Abenden, die damals im Kindergarten aushingen und melden sich nach Jahren bei uns“, erklärt Meissner-Erdt. Oder aber Eltern melden sich beim Jugendamt und bekunden ihr Interesse. Darauf folgen entweder ein persönliches Info-Gespräch, oder zwei Mal im Jahr Info-Abende in Kooperation mit der Volkshochschule. Hier erklären die Verantwortlichen des Pflegekinderdienstes mit wem sie es zu tun haben werden, wie der rechtliche Rahmen ist und was sie mitbringen müssen. Dies sei nämlich zu allererst einmal Zeit und Platz, sowie ein gesichertes Familieneinkommen. Diese Informationen sowie das Kinder-Profil wird in Bewerbungsbögen eingetragen. Nach Eingang der Bewerbungsbögen folgt ein zweitägiges Seminar, ein Hausbesuch, sowie das Einholen des polizeilichen Führungszeugnisses und einem Gesundheitsattest. Die zukünftigen Pflegeeltern besuchen zudem einen Kurs: 1. Hilfe am Kind. Nach diesen Verfahren folgt der Abschlussbrief und die Anerkennung als Pflegefamilie.

Aufwand und Gewinn für Familien

„Vor allem gehört viel Freude an den kleinen Erfolgen der Kinder dazu“, sagen Meissner-Erdt und Ariane Zengerling, die für die Vermittlung und Betreuung zuständig sind. Pflegekinder bringen einen großen Rucksack mit. Oft sind sie verhaltensauffällig, da ihre leiblichen Eltern nicht ausreichend erziehungsfähig sind und das enorme Auswirkungen auf das Verhalten und die Entwicklung der Kinder hat. Das sind die Herausforderungen, die man mit Aufnahme eines Kindes in Kauf nehmen müsse. Man dürfe aber nicht nur die Hürden sehen, sondern vor allem den Gewinn, für solche Kinder einer Familie bringen. Nämlich einem bedürftigen Kind eine Heimat zu schenken, geregelte Bahnen und es auf seinem Weg zu erziehen und zu unterstützen.

Der Rucksack der Pflegekinder

Oft kommen die Kinder aus Familien, in denen Gewalt herrscht. Häusliche Gewalt oder Drogen seien nicht selten der Grund dafür, dass Eltern sich entweder selbst bei der Pflegekinderdienststelle melden oder nach gerichtlichem Beschluss sogar erziehungsunfähig gesprochen werden. Dennoch haben die leiblichen Eltern meistens einmal im Monat Besuchskontakt. Außerdem ist das Jugendamt hier in Funktion der Pflegekindervermittlung hilfestellend aktiv. Jedes halbe Jahr gibt es ein Hilfeplan-Treffen mit dem Jugendamt, dem Betroffenen Kind, seinen leiblichen Eltern, sofern sie den Termin wahrnehmen und den Pflegeeltern. In diesen gemeinsamen Treffen werden Ziele für die Entwicklung des Schützlings, sowie Maßnahmen wie etwa eine Therapie besprochen.

Fälschlicherweise ist oft in den Köpfen der Menschen ein strenges und kinderentziehendes Bild vom Jugendamt. Dies sei allerdings absolut nicht der Fall, sagen die zwei Verantwortlichen vom Pflegekinderdienst, der zum Jugendamt gehört. „Unsere Aufgabe ist es Hilfestellung zu geben und vor allem natürlich auf das Kindeswohl zu achten.“ Es sei ein veralteter Mythos, dass Kinder in Pflegefamilien und genauso in Adoptivfamilien keinen Kontakt zu ihren leiblichen Eltern haben dürfen, denn jedes Kind habe das Recht, seine Wurzeln zu erfahren. Das Jugendamt Werra-Meißner agiert sowohl als Hilfe als auch als Begleitung von leiblichen Eltern, die nicht erziehungsfähig sind, Kindern, deren Wohl in Gefahr ist und Pflegefamilien, die sich dazu entscheiden, bedürftigen Kindern ein neues Zuhause zu geben.

Am 21. Februar um 19 Uhr findet die nächste Informationsveranstaltung in der VHS in Eschwege (Vor dem Berge 1) statt. Hierzu sind alle eingeladen, die sich dafür interessieren Pflegefamilie zu werden herzlich eingeladen.

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