Gesucht im Werra-Meißner-Kreis: Pflegefamilien

+
Kennen sich schon über Jahre: (v.li.) Karin Meissner-Erdt, Jutta Schneider und Margret Buhle, die seit über 17 Jahren Pflegemutter ist.

Zu wenig Bewerber für Pflegeverhältnisse: Kreis sucht geeignete Pflegefamilien

Werra-Meißner - Paula und Lucas fühlen sich nicht richtig wohl – ganz genau wissen sie nicht warum. Aber irgendwie hat sich ihre Mama verändert. Sie ist nur noch müde. Sie ist traurig. Sie trinkt auch sehr viel – aber nicht nur Wasser. Eigentlich trinkt sie Wein. Sehr viel Wein seitdem ihr Mann zu Hause ausgezogen ist. Meistens schläft sie auf dem Sofa ein. „Wenn wir dann mit Mama sprechen wollen, schreit sie uns oft an. Meinen Bruder schlägt sie auch manchmal. Er schreit ihr zu viel. Aber er ist ja auch gerade erst drei Jahre alt und sehr klein“, sagt die siebenjährige Paula, die dieses Jahr in die zweite Klasse kommt. „Meine Lehrerin fragt mich immer, warum ich eigentlich so viel weine – und dann sah sie diesen großen blauen Fleck am Hals. Meine Mutter hatte ein bisschen zu fest gedrückt. Aber ich wollte nicht, dass sie Lucas weh tut“, vertraut sich Paula den beiden Diplomsozialpädagoginnen Karin Meissner-Erdt und Jutta Schneider an, die Ansprechpartnerinnen für den Pflegekinderdienst und die Adoptionsvermittlungsstelle des Werra-Meißner-Kreises sind. Und dann ging es plötzlich ganz schnell. Paula und Lucas mussten von heute auf morgen zu Hause ausziehen.

140 Pflegekinder leben in 100 Familien

So wie Paula und Lucas geht es vielen Kindern – auch im Werra-Meißner-Kreis. Insgesamt gibt es hier derzeit 140 Pflegeverhältnisse in 100 Familien. Auch sogenannte Verwandtenpflegeverhältnisse – wenn Großeltern, Tante, Onkel oder Geschwister ein verwandtes Kind aufnehmen – gibt es derzeit einige. Immer wieder gebraucht werden Familien, die jederzeit bereit sind, kurzfristig ein Pflegekind aufzunehmen – so wie die Familie Buhle aus Hessisch Lichtenau. „Seit über 17 Jahren nehmen wir nun Pflegekinder auf, insgesamt waren es neun fest – 78 hatten wir in der Bereitschaftspflege. Und ich möchte keines davon missen“, sagt Margret Buhle, die gleichzeitig auch Vorsitzende von PFAD e.V. (s. Extra Info) ist.

Zu wenig Bewerber für Pflegeverhältnisse

Nicht nur sie weiß, dass der Bedarf an Pflegefamilien stetig wächst. Auch Karin Meissner-Erdt und Jutta Schneider haben täglich mit den Problemem zu kämpfen. „So langsam geht uns die Puste aus. Es fehlen uns die Bewerber“, so die beiden Sozialpädagoginnen, die zukünftig gerne auch weiterhin Kindern wie Paula und Lucas ein neues, schönes Zuhause bieten möchten. Denn für manche Kinder ist es wichtig, dass sie zwei Mamas und zwei Papas haben und in der Pflegefamilie eine Chance auf eine schöne Kindheit bekommen. „Man sollte sich nur bewusst sein, dass jedes Kind sein eigenes Päckchen zu tragen hat. Aber Pflegekinder sind keine Exoten. Sie brauchen ledilich jemanden, der sie ein Stück weit begleitet. Und sie sind so dankbar dafür“, weiß Margret Buhle. Denn trotz der Tatsache,dass sie auch eigene Kinder hat, hat sie zu ihren Schützlingen immer noch einen guten Kontakt und freut sich, dass sie dank ihr, ihren Weg zu einem schönen Leben finden konnten.

Werden auch Sie Pflegeeltern und nehmen Sie ein Kind ein Stück weit an die Hand, damit es genau wie Paula und Lucas eine Chance hat, aufgefangen zu werden. Nehmen Sie noch heute Kontakt zum Pflegekinderdienst unter 05542-9581467 Karin Meissner-Erdt oder 05542-9581468 Jutta Schneider auf. Gerne erhalten Sie hier weitere Informationen.

PFAD – gemeinsam auf dem Weg

Als Pflege- und Adoptivfamilie entschließt man sich, einem fremden Kind ein Zuhause zu geben und es auf dem Weg in ein sebständiges Leben zu begleiten. Im Verein PFAD e.V. (Interessengemeinschaft für Pflege- und Adoptivfamilien Werra-Meißner-Kreis/Kassel Stadt und Land) findet man Menschen, die das gleiche Ziel haben und teilweise schon auf eine lange Wegstrecke zurückblicken. Der Verein PFAD bietet die Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch mit anderen Familien, veranstaltet Seminare, informiert über wirtschaftliche Rahmenbedingungen, organisiert gemeinsame Freizeitaktivitäten, und vieles mehr. PFAD ist bundesweit organisiert, so dass man auch von den Vorteilen einer bundesweiten Gemeinschaft profitieren kann, die schon seit über 40 Jahren für Pflege- und Adoptivkinder und ihre Familien in Deutschland tätig ist. Die Ansprechpartner für die Region Werra-Meißner/Kassel Stadt und Land sind Margaret Buhle (1. Vorsitzende), Frank Viereck-Jacob (2. Vorsitzender) und Reinhild Ewald (Stellvertreterin). Weitere Informationen rund um PFAD und seine Angebote gibt es unter www.oase-pfad.de.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Soccer Court: Schüler der Rhenanus-Schule planen Fußballfeld auf dem Schulhof 

Das Projekt „Soccer Court" nimmt Formen an. Bei einer Gesprächsrunde stellten die Schüler ihren Plan für das Fußballfeld vor. Nun muss die Anschaffung nur noch …
Soccer Court: Schüler der Rhenanus-Schule planen Fußballfeld auf dem Schulhof 

Vorlesetag in Wickenrode - der Mond ist nicht aus Käse

Hessens Justizministerin Eva Kühne-Hörmann las den Waldmäusen aus dem Buch Armstrong vor
Vorlesetag in Wickenrode - der Mond ist nicht aus Käse

Kfz-Bildungspreis für Autohaus Stöber

"AutoBerufe Award" 2017: Platz 3 für das Autohaus Stöber beim Bildungspreis des deutschen Kfz-Gewerbes
Kfz-Bildungspreis für Autohaus Stöber

Open Flair 2018: Neue Bands bestätigt

Nach den Beatsteaks hauen die Organisatoren rund um das Open Flair die nächsten Knaller raus: Marteria und Kraftklub sind dabei
Open Flair 2018: Neue Bands bestätigt

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.