Poller in der Witzenhäuser Fußgängerzone sorgen für Aufregung

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Helmut Hübel und Carla Schäfer sind von den Pollern wenig begeistert.

Seit einigen Wochen ist an drei Eingangsstellen ein System aus Pollern und Blumenkästen installiert und verhindert so die Durchfahrt von Lkw und Pkw außerhalb der offiziellen Lieferzeiten. Was vorallem Eltern mit kleinen Kindern freut, sorgt bei manchen Geschäftsinhabern für Ärger.

Witzenhausen.  Die Aufstellung der Poller geht auf einen Stadtparlamentsbeschluss aus dem vergangenen Jahr zurück. „Es sind schon viele Leute mit zweifelhafter Absicht und hohem Tempo durchgefahren“, gibt auch Carla Schäfer, Inhaberin der Rübezahl-Apotheke am Marktplatz zu Bedenken. Dennoch ist die Gewerbetreibende alles andere als begeistert vom neuen System, dass der Stadt 60.000 Euro gekostet hat. „Hätte es nicht eine pragmatische und billigere Lösung, wie ein Kette und eine Plakette in der Windschutzscheibe auf Antrag auch getan?“ fragt sie sich. Die Poller werden zwar zwischen 5 und 10 Uhr morgens für den Lieferverkehr und freitags für den Marktbetrieb heruntergefahren, doch das hat mit der Lieferrealität der Apotheke nicht viel zu tun: Bis zu sechsmal am Tag kommen neue Medikamente und medizinischer Bedarf an, oft muss es schnell gehen. Ein Teil wird vom apothekeneignenen Botendienst noch am selben Tag auf die Dörfer zu bettlägerigen Patienten gefahren.

Von Eile kann jedoch keine Rede mehr sein, wenn Helmut Hübel seine Sackkarre mit zehn schweren Kisten umständlich belädt. Damit muss er von der Kirchstraße nun über den holprigen Asphalt – dabei kam es auch schon zu Glasbruch. Dreimal pro Fuhre muss er den Weg gehen, dabei kommt ein halber Kilometer zustande, für den er knapp 20 Minuten braucht. Die Zeit fehlt dann woanders und er kommt in Verzug. „Es werden hier Unschuldige mitbestraft“, mein Carla Schäfer, neben den Lieferanten auch die Gewerbetreibenden, die „hier noch Gewerbesteuer zahlen“. Von Seiten des Ordnungsamtes wutrde ihr mitgeteilt, sie solle sich eine Karte holen, wie sie auch für Wohnungsbesitzer in der Innenstadt vorgesehen sei, die beispielweise einen Wocheneinkauf oder einen Umzug planen und vor ihrer Haustür entladen wollen. Dafür gäbe es dann Ausnahmen. „Aber zum einen weiß ich doch nie genau, wann die Ladung kommt, dann müsste ich jedes mal innerhalb weniger Minuten zum Rathaus laufen und die Karte beantragen und zudem ist die Verwaltung doch oft noch oder schon zu, wenn wir Lieferungen bekommen.“ Carla Schäfer schüttelt den Kopf ob dieser bürokratischen Herangehensweise. In Vorplanungen zu dem Schließsystem sei sie und andere Gewerbetreibende nicht einbezogen worden. Auch Biobäuerin Perc wurde vorab nicht informiert. Mit ihrem großen Hänger, den sie einmal die Woche auf den Markt zieht, sei sie zunächst gar nicht an den Blumenkübeln vorbeigekommen. Mittlerweile habe sie sich arrangiert und nehme eine andere Einfahrt. „Dennoch wäre es schön gewesen, wenn man uns vorher Bescheid gesagt hätte und nicht einfach vor vollendete Tatsachen gestellt hätte“, meint sie.

Bürgermeister Daniel Herz verteidigt das Vorgehen. Er habe bislang zum Großteil positive Rückmeldungen bekommen. „Die Unternehmen mit wirklich großen Lieferungen haben eine Karte bekommen, um abladen zu können. Wir können aber nicht für alle eine Ausnahmeregelung machen.“ Er hält die Distanz von knapp 40 Metern für die Apothekenzustellung für zumutbar. Dennoch appelliert er an alle, sich mit ihm persönlich in Kontakt zu setzen und eine tragbare Lösung herauszuarbeiten.

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