Post-Einbrecher sollen zweieinhalb Jahre hinter Gitter

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Das Amtsgericht Eschwege hat einen 28- und einen 45-Jährigen zu 30 Monaten Haft verurteilt. Sie sollen in vier Post-Filialen eingebrochen sein.

Werra-Meißner/Landkreis Göttingen. Ein 28-jähriger Witzenhäuser und ein 45-Jähriger aus Duderstadt wurden am Dienstag vor dem Amtsgericht Eschwege zu jeweils zweieinhalb Jahren Haft wegen besonders schweren Diebstahls in vier Fällen verurteilt.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die gebürtigen Thüringerin der Nacht vom 27. auf den 28. Juni 2015 in vier Postfilialen in Bad Sooden-Allendorf, Witzenhausen, Hann. Münden und Göttingen eingebrochen sind, dort Tresore gewaltsam geöffnet und das darin befindliche Bargeld gestohlen haben. Beute: gut 800 Euro. Die Männer äußerten sich vor Gericht nicht.

Sie waren in der Tatnacht gegen 3 Uhr einer Polizeistreife in Witzenhausen aufgefallen, als sie mit ihrem Pkw in den Kreisverkehr an der B80/B451 fuhren und diesen in die gleiche Richtung wieder verließen.

Bei der folgenden Kontrolle konnte sich der 28-Jährige nicht ausweisen. Zudem stellten die Beamten fest, dass sich der 45-Jährige in der JVA befinden müsste. Erst auf der Wache stellte sich heraus, dass er sich auf Hafturlaub befand. Der Duderstädter saß seit 2008 eine achtjährige Haftstrafe ab – unter anderem wegen 60-fachen gemeinschaftlichen Einbruchdiebstahls in Postfilialen.

Typisches Einbruchswerkzeug im Auto gefunden

In dem Pkw fanden die Polizisten zudem mehrere hundert Euro Bargeld sowie Nageleisen, Kreuzhacke, Seitenschneider, Schraubendreher, Taschenlampe, einen Winkelschleifer mit Trennscheiben und beim Beifahrer eine schwarze Sturmhaube und Noppenhandschuhe – "typisches Einbruchswerkzeug", wie einer der Beamten vor Gericht aussagte. Der Geruch des Winkelschleifers habe zudem darauf hingewiesen, dass er vor kurzem benutzt wurde.

"Eine plausible Erklärung für das Werkzeug hatten die Männer nicht", so der Beamte. Da zu diesem Zeitpunkt allerdings noch keine Hinweise auf Einbrüche vorgelegen hätten, seien die beiden zunächst wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Erst Ende Oktober wurde ein Haftbefehl erlassen.

Zum Verhängnis wurden den Angeklagten das Nageleisen, das sich eindeutig den in der Postfiliale in Bad Sooden-Allendorf gefundenen Spuren zuordnen ließ. Zudem kam die Kreuzhacke dort laut Gutachten des Landeskriminalamts mit hoher Wahrscheinlichkeit zum Einsatz.

Verteidiger forderten Freispruch

Für die Verteidiger war das zu wenig. Sie forderten Freispruch: "Im Zweifel für den Angeklagten." Sie räumten zwar ein, dass der Verdacht gegen ihre Mandanten gerechtfertigt sei – und der Anwalt des 45-Jährigen bezeichnete das gefundene Werkzeug als "erklärungsbedürftig" – das reiche aber nicht für eine Verurteilung. Es gebe zahlreiche offene Fragen. So gäben die Spuren keine Antwort darauf, ob ihre Mandanten überhaupt in den Postfilialen gewesen seien. Insbesondere die gefundenen Schuhspuren ließen sich keinem der Angeklagten zuordnen. Ihre Schlussfolgerung: Es bestehen ausreichend begründete Zweifel an der Schuld ihrer Mandanten.

Der Staatsanwalt hingegen sah den Tatnachweis zweifelsfrei erbracht. Dieser Lesart folgte auch das Gericht.

Beim Strafmaß berücksichtige das Gericht, dass sich der 28-Jährige zum Tatzeitpunkt unter zweifacher laufender Bewährung wegen einschlägiger Delikte befunden habe. Insgesamt wies sein Strafregister sieben Einträge auf.  Wegen eines "hohen Fluchtanreizes" bleibt der Witzenhäuser zudem in Untersuchungshaft, bis das Urteil rechtskräftig ist.

Dem 45-Jährigen rechnete das Gericht negativ an, dass er zum Tatzeitpunkt eine Haftstrafe wegen nahezu gleicher Taten verbüßte. Er hatte ebenfalls sieben Eintragungen in seinem Strafregister. Der Haftbefehl wird jedoch aufgehoben, bis das Urteil rechtskräftig ist.

Den Verurteilten stehen die Rechtsmittel der Berufung und der Revision offen.

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