Rettung vor dem Mäh-Tod: Landwirt und Jäger aus Witzenhausen stellen Pfähle mit Flatterband zur Warnung auf

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Mit Flatterband gegen den Mäh-Tod: Landwirt Stefan Wetekam und Jagdpächter Klaus Röhrig stellen die Pfähle mit dem Flatterband auf, die die Rehe verscheuchen sollen.

Kaum auf der Welt, endet das Leben tausender Rehe in Deutschland kurz nach der Geburt. Der Grund: Landwirte mähen ihre Wiesen ab. Dabei geraten immer wieder Kitze in die Maschinen und sterben qualvoll. Simples Flatterband soll die Rehe jedoch vor dem Tod bewahren.

Witzenhausen-Neuseesen. Versteckt im hohen Gras, wähnen sie ihren Nachwuchs in Sicherheit – doch die ist trügerisch. Rehe gebären ihre Kitze vorwiegend im Mai – zur gleichen Zeit setzen die Landwirte zum ersten Grasschnitt an. „Die Ricke (Muttertier; Anm.d.Red.) setzt ihr Kitz im Grünland“, erklärt Klaus Röhrig. Er ist Jagdpächter im Gebiet rund um den Witzenhausener Stadtteil Neuseesen und drückt damit im Jagdjargon aus, dass Rehe das hohe Gras aufsuchen, um ihren Nachwuchs zur Welt zu bringen.

„Aus gutem Grund“, wie Röhrig sagt, „die Ricken wollen ihre Kitze vor natürlichen Feinden, wie etwa dem Luchs oder Fuchs schützen.“ Zudem seien Kitze in den ersten Lebenswochen geruchsneutral und könnten so nicht vom Feind gewittert werden. „Die Ricke denkt also, ihr Kitz sei sicher“, so der Jagdpächter.

Die Gefahr, die vom Menschen ausgeht, ist jedoch nicht im Instinkt der Ricke verankert. Und diese ist die weitaus größere. Denn jährlich sterben tausende Kitze in Deutschland im hohen Gras. Die Tiere werden totgemäht. Seit Jahren wird versucht, den Nachwuchs durch verschiedene Methoden vor dem Mäh-Tod zu retten.

„Auch wir setzen uns seit über 15 Jahren aktiv für den Schutz der Rehe ein“, betont Landwirt Stefan Wetekam. Dabei habe er schon so vieles ausprobiert – „Seien es akustische Signale direkt am Mähwerk oder ähnliches. Seit zwei Jahren beteiligen wir uns an der Aktion ,Mäh kein Reh!’ der Hessischen Landjugend, die sich bisher als sehr effektiv herausgestellt hat“, so Wetekam.

Die Hessische Landjugend bietet die Flatterbänder kostenlos an. Stefan Wetekam beteiligt sich seit zwei Jahren an der Aktion.

Und dabei kann Reh-Schutz so simpel sein. Etwas Flatterband, befestigt an einem Pfahl, reicht bei dieser Methode aus. „Das Knistern des Flatterbandes verscheucht die Ricke und ihr Kitz. Wir stellen die Reh-Warner zwei Tage bevor gemäht wird auf. Würden wir zu früh damit beginnen, gewöhnen sich die Tiere an das Knistern und kommen zurück“, erklärt Wetekam, der hierbei eng mit Jagdpächter Röhrig zusammenarbeitet. Sie stellen gemeinsam die Pfähle auf.

Kurz bevor Wetekam mit dem Mähen beginnt, geht Röhrig noch einmal gründlich die Wiese ab. „Das kann dann schon mal eine bis zwei Stunden dauern“, sagt der Jäger. Zeit die er sich jedoch nehme, um möglichst viele Kitze vor dem Mäh-Tod zu bewahren. „Wir leben hier mit der Natur und nicht dagegen. Da gilt es die in diesem Fall schutzlosen Tiere zu retten“, betont Röhrig.

Oft werde Wetekam die Frage gestellt, warum er das Gras nicht einfach später mähen könne? „Im Mai ist das Gras besonders eiweißhaltig. Der erste Schnitt wird zu Silage verarbeitet, die als wichtiges Futtermittel für unser Milchvieh dient“, lautet die Antwort des Landwirts. Wetekam und die anderen Landwirte aus dem Ort würden jedoch darauf achten, nicht alle Wiesen zur gleichen Zeit abzumähen. „Die Ricken sollen weiterhin einen sicheren Platz zum Gebären finden“, sind sich Wetekam und Röhrig einig.

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