Roth und Lübeck für den Wahlkreis 169

Michael Roth (SPD) Timo Lübeck (CDU) Wahlkreis 169

Bundestagswahl 2017: Großes Interview mit den zwei heimischen Bundestagskandidaten für SPD und CDU.

Werra-Meißner/Hersfeld-Rotenburg. Im September findet die Bundestagswahl in Deutschland statt. Und somit dreht sich das Abgeordnetenkarussell in Berlin wieder. Wird es einen neuen Kanzler geben? Oder bleibt Angela Merkel das Staatsoberhaupt? Wer tritt an Stelle von Steinmeier – welche Ämter werden von wem bekleidet? Und wie sieht es eigentlich im Wahlkreis 169 Werra-Meißner/ Hersfeld-Rotenburg aus?

Roth für SPD, Lübeck für CDU

Hier stehen die Kandidaten für CDU und SPD bereits fest. Die Sozialdemokraten schicken mit Michael Roth ihr bestes Pferd ins Rennen. Im Sontraer Bürgerhaus nominierten die Deligierten ihren Kandidaten deutlich mit 98,5 Prozent der Stimmen.Die Christdemokraten sprachen sich mit 89 Prozent der Stimmen für Timo Lübeck aus. Der Haunetaler will sich das Direktmandat im Wahlkreis holen und als Nachfolger von Helmut Heiderich in den Bundestag einziehen.

Wir sprachen mit den beiden Kandidaten über ihre Ziele und Schwerpunkte, sowohl im Wahlkreis als auch bundesweit.

Michael Roth (SPD)

Michael Roth ist 46 Jahre alt und wohnt in Bad Hersfeld. Seit 1998 ist der Diplom-Politologe direkt gewählter Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis 169. Als Sprecher der SPD-Landesgruppe Hessen im Deutschen Bundestag agierte er von 2009 bis 2014. Von 2010 bis 2013 war Roth Europapolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion. Seit Dezember 2013 übt er das Amt als Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt aus und ist zusätzlich Beaufragter der Bundesregierung für die deutsch-französsische Zusammenarbeit.Seit 1987 ist er Mitglied der SPD und übt hier viele Funktionen aus. Derzeit ist er Mitglied des Landesvorstands der SPD Hessen.

Werra-Meißner/Hersfeld-Rotenburg. Michael Roth (SPD) tritt in diesem Jahr bereits zum sechsten Mal zur Bundestagswahl an – fünf Mal hat er bereits das Direktmandat geholt und ist direkt in den Bundestag eingezogen. Dieses Ziel strebt er auch für 2017 an.

Seit 1998 sind Sie Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis 169 Werra-Meißner/ Hersfeld-Rotenburg. Und in diesem Jahr stellen Sie sich wieder der Wahl für die nächste Amtszeit in Berlin. Was erhoffen Sie sich von der nächsten Wahl?Ich bin meiner SPD sehr dankbar, dass sie mich mit über 98 Prozent abermals nominiert hat und ins Rennen schickt. Meine Partei und ich wollen diesen Wahlkreis gewinnen. Und das zum sechsten Mal in Folge. Ich erhoffe mir eine hohe Wahlbeteiligung, eine klare Absage an Rassismus, Nationalismus und Populismus und ein Bekenntnis zu sozialer Gerechtigkeit, guter Arbeit und gegenseitigem Respekt. Dafür braucht es eine starke SPD.

Als Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt haben Sie viele Länder besucht und viele Staatsoberhäupter getroffen, um gemeinsame Ziele zu besprechen bzw. zu verfolgen. Das ist sicherlich eine interessante Aufgabe. Die Kehrseite der Medaille ist, dass hier für Familienleben nicht mehr viel Platz bleibt. Würden Sie Ihr Amt weiterführen wollen, wenn Sie erneut als Staatsminister vorgeschlagen würden? Welche Ziele wollen Sie dann auf jeden Fall verfolgen?Dass, was ich tue, mache ich sehr gerne. Hoffentlich merkt man mir das auch an. Selbstverständlich würde ich meine Arbeit fortsetzen wollen, weil es sich gerade jetzt lohnt, für ein besseres Europa des Friedens, der Solidarität und der Freiheit zu kämpfen. Aber in einer Demokratie darf man sein Herz nicht an Ämter und Pos­ten hängen. Demokratie bedeutet stets Regieren auf Zeit. Am Ende entscheiden die Wählerinnen und Wähler, ob mein Arbeitsvertrag verlängert wird. Meiner Familie und meinen Freunden bin ich sehr dankbar für die Geduld und Nachsicht, die sie mit mir aufbringen. Ich bin selten zuhause, ständig auf Achse. Da geht es mir wie vielen anderen Arbeitnehmern auch, die auf Montage sind...

Welches politische Thema genießt für Sie derzeit höchste Priorität – sowohl für Ihren Wahlkreis als auch bundesweit gesehen?In diesen Zeiten geht es um nicht mehr und nicht weniger als um die Verteidigung unserer Demokratie. Wir brauchen echte Demokraten, eine Kultur des Miteinanders, des fairen Streits und der Toleranz. Viele meckern. Das ist in Ordnung. Aber meckern und mitmachen, ist viel besser. Ich will, dass wir in der Sache streiten. Diese Beleidigungen und Verunglimpfungen, dieser Hass, der mir da manchmal im Internet, auf Facebook, auch in Briefen und Emails begegnet, erschrecken mich. Hier brauchen wir ein klares Bekenntnis der Anständigen, sich dieser Verachtung entgegen zu stellen.

Welche Schwerpunkte wollen Sie setzen, sollten Sie im September 2017 wieder in den Bundestag gewählt werden?Dem Thema Europa bleibe ich selbstverständlich verbunden, gleich in welcher Funktion. Wir werden in Nordhessen  älter und weniger, aber auch bunter. Damit das Zusammenleben gelingt, brauchen wir gute Bildung und Arbeit, eine flächendeckende medizinische Versorgung, ein ordentliches Straßen- und Schienennetz. Dafür will ich mich auch weiterhin einsetzen.

In drei Worten: Wofür stehen Sie?Fragen Sie das doch lieber Ihre Leserinnen und Leser. Ich würde mich freuen, wenn Viele sagten: Der Michael Roth ist eine ehrliche Haut, ein engagierter Mensch, der Anderen Mut macht und da ist, wenn man ihn braucht.

Ihr persönlicher Tipp: Wer macht das Rennen bei der Kanzlerwahl?Die SPD wird mit einem Mann ins Rennen gehen. Und ich verspreche Ihnen, mit einem sehr guten!

Timo Lübeck (CDU)

Timo Lübeck ist 33 Jahre alt und wohnt in Haunetal. Nach einer Ausbildung in der Kommunalverwaltung arbeitete er als Büroleiter im Berliner Abgeordnetenhaus, dem Bundesministerium der Verteidigung und im Deutschen Bundestag. Aktuell ist er für die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände und den Verband baugewerblicher Unternehmer Hessens in Frankfurt tätig. Er ist Kreisvorsitzender der CDU Hersfeld-Rotenburg und Mitglied des Kreistags. Zudem ist er ehrenamtlicher Richter beim Verwaltungsgericht Kassel und Mitglied des Verwaltungsrates der Sparkasse Hersfeld-Rotenburg.

Werra-Meißner/Hersfeld-Rotenburg. Hinter den Kulissen hat der CDU-Kandidat für die Bundestagswahl lange Jahre agiert. Seitdem bekannt ist, dass Helmut Heiderich nicht für die nächste Legislaturperiode kandidieren wird, hat sich mit dem Haunetaler Timo Lübeck ein würdiger Nachfolger gefunden.

Sie waren in den letzten 12 Jahren in Berlin tätig und zuletzt als Büroleiter von Helmut Heiderich beschäftigt. Wann ist Ihnen der Gedanke gekommen, dass Sie als Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis 169 kandidieren wollen?Wenn man sich in der Kommunalpolitik aktiv für seine Heimat engagiert und zudem so lange in der Landes- und Bundespolitik gearbeitet hat, beschäftigt man sich natürlich mit dieser Frage. Für mich war deshalb seit längerer Zeit klar, dass ich mich bewerbe, sollte Helmut Heiderich nicht erneut kandidieren.

Warum kandidieren Sie als Bundestagsabgeordneter für Ihren Wahlkreis? Welche Ziele verfolgen Sie?Meine Hauptaufgabe wird es sein, in Berlin für die Anliegen unserer beiden Landkreise zu arbeiten. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass unsere Region deutlich mehr profitiert, wenn es auch einen CDU-Abgeordneten gibt. Ich kenne die Herausforderungen und Belange dieses Wahlkreises sehr detailliert und weiß, wie man sich im politischen Betrieb Gehör verschafft und Dinge voran-bringt.

Welches politische Thema genießt für Sie derzeit die höchste Priorität?Die Sicherheit und der Kampf gegen den Terror. Der Großteil der Menschen fühlt sich in Deutschland nach wie vor sicher. Wir müssen alles dafür tun, dass dies so bleibt. Tatsächlich wären wir hier auch schon deutlich weiter, hätte die SPD nicht bei vielen Gelegenheiten auf der Bremse gestanden. Herr Gabriel spuckt in Interviews große Töne, konkret umzusetzen ist mit SPD und Grünen aber wenig.

Welche Schwerpunkte im Wahlkreis wollen Sie setzen, sollten Sie im September 2017 als Bundestagsabgeordneter gewählt werden?Eine flächendeckende Hausarztversorgung auf dem Land aufrecht zu erhalten, ist eine wichtige Zukunftsaufgabe. Ein weiteres Thema ist eine gute Finanzausstattung für die Verkehrsinfrastruktur. Insbesondere an der A44 muss es mit Volldampf weitergehen, damit die Region wirtschaftlich profitiert. Auch der Kampf für die Arbeitsplätze bei K+S wird uns noch länger beschäftigen.

In welchem Politikbereich würden Sie im Bundestag arbeiten wollen?Im Bereich der Wirtschaftspolitik. Wir müssen alles dafür tun, damit die Wirtschaft in Deutschland weiter brummt. Das ist die Grundvoraussetzung für hohe Beschäftigung, gute Löhne und stabile Steuereinnahmen, aus denen letztlich auch alle sozialen Leistungen finanziert werden. Wir profitieren heute von den Arbeitsmarkt- und Sozialreformen im vergangenen Jahrzehnt. Deshalb ist es völlig verrückt, dass die SPD diese richtigen Weichenstellungen noch weiter zurückdrehen will.

In drei Worten: Wofür stehen Sie?Ich mag diese Selbstbeschreibungen mit drei Worten nicht besonders. Wenn Sie eine politische Einordnung wollen, würde ich mich als modernen Konservativen bezeichnen. Freunde sagen, dass ich humorvoll und verlässlich bin.

Ihr persönlicher Tipp: Wer macht das Rennen bei der Kanzlerwahl?Dass ich auf Angela Merkel tippe, wird vermutlich nicht überraschen. Bei Allem, was man gelegentlich kritisieren mag: Dem Großteil der Menschen in unserem Land ging es noch nie so gut wie heute. Schauen Sie auf den Arbeitsmarkt oder auf die Entwicklung der Löhne und Renten. Angela Merkel ist einer der letzten Stabilitätsanker in einer immer komplizierter werdenden Welt. Ich wüsste nicht, wer diesen Job im Augenblick besser machen könnte.

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