Der rufende Wachtelkönig: Hobbyornithologe entdeckt seltenen Vogel im Kreis

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Auf den Wiesen der Landwirte (v.li.) Jörg Kaiser und Monika Timmerberg wurde der Wachtelkönig entdeckt. Stefan Stübing von der staatlichen Vogelschutzbehörde gratulierte Michael Liewer zu seiner Entdeckung.

In Laudenbach und Frankershausen entdeckte Mihael Liewer den Wachtelkönig, eine bedrohte Art, die hier im Kreis als fast ausgestorben galt.

Frankershausen-Großalmerode. Als der Hobby-Ornithologe Michael Liewer Anfang Mai mit seinen Hunden durch die Felder bei Großalmerode Laudenbach ging, traute er zuerst seinen Ohren nicht. „Ich hatte diesen Ruf seit 40 Jahren nicht mehr gehört. Erst habe ich gedacht, ich habe mich verhört, aber dann war ich mir sicher. Für mich ist das das absolute Highlight und total beglückend“, schwärmt er.

Zu sehen bekommt man den Vogel so gut wie nie, er lebt auf Wiesen und bewegt sich dort meistens auf dem Boden. Liewer, der auch Ortsbeauftragter für Vogelschutz in Laudenbach ist, meldete seine Neuigkeit sofort den zuständigen Behörden und veröffentlichte sie auch auf www.ornith.de. Daraufhin wurde die Obere Naturschutzbehörde in Kassel tätig und informierte auch den Fachbereich Landschaftspflege des Werra-Meißner-Kreises. Innerhalb von nur einem Tag wurden die Landwirte kontaktiert, auf deren Flächen das Vorkommen des Wachtelkönigs vermutet wurde.

Schnelle Reaktion

„Die Zusammenarbeit aller Behörden hat ausgezeichnet funktioniert. Es muss auch schnell gehen, denn die Landwirte dürfen die Wiesen nicht mähen, sonst werden die Gelege der Bodenbrüter zerstört und oft auch die brütenden Vögel getötet“, berichtet Helmut Herbort von der Oberen Naturschutzbehörde. Die Landwirte wären sofort bereit gewesen für den Schutz des seltenen Vogels auf das Mähen zu verzichten. Sie erhalten vom Staat eine Entschädigung für Ernteausfall. Informiert wurde auch Stefan Stübing von der Staatlichen Vogelschutzwarte. Er ist dort für den Wachtelkönig als bedrohte Art zuständig. „2014 bis 2016 war die Art in Hessen praktisch nicht mehr vertreten. Deshalb wurde ein Artenhilfskonzept vom staatlichen Vogelschutzamt entwickelt. Als Artenberater habe ich die Aufgabe, das Vorkommen der Art zu überprüfen und Maßnahmen für ihren Schutz zu empfehlen“, erklärt er.

Kein Platz für den Wachtelkönig

Die Vogelart habe durch ihre Lebensweise extreme Probleme. Blumenwiesen, die im Sommer nicht gemäht werden, kommen in unserer landwirtschaftlich intensiv genutzten Umwelt zu selten vor. Da der Wachtelkönig am Boden brütet, und er sich bei Gefahr in das Gelege duckt, wird er, wenn die Wiese gemäht wird, oft während des Brütens getötet und das Gelege wird zerstört.

Der Wachtelkönig gehört zu den extrem gefährdeten Vogelarten. Der Hobbyornithologe Michael Liewer hat ihn in Laudenbach und Frankershausen entdeckt.

 

Selbst wenn die Wiesen nicht gemäht werden, hat die Art Probleme, denn durch die Düngung der Landwirte wächst das Gras stärker. Wildkräuter und Blumen nehmen ab und damit auch die auf den Wiesen lebende Zahl von Insekten, die der Wachtelkönig als Futter braucht. Außerdem wird das Gras höher, dadurch bekommen die Jungtiere Probleme den Alttieren durch das Gras zu folgen. „Das Pflanzenwachstum ist so stark, da kommen die Küken nicht mehr durch“, berichtet Stübing von den Erkenntnissen der Vogelschützer. Selbst in Naturschutzgebieten, in denen nicht gedüngt wird, werde durch die Eutrophierung aus der Luft das Gras schon stark gedüngt und dadurch verändere sich die Pflanzenstruktur der Wiesen.

Ortung auf dem Meißner ein Glücksfall

Umso erfreulicher ist es aus Sicht der Vogelschützer, dass in Laudenbach und Frankershausen von mindestens zehn Männchen auszugehen ist. Nur sie rufen und es ist davon auszugehen, dass ebenso viele Weibchen dort gelebt haben und auch Jungvögel aufgezogen worden sind. In jedem Fall sind die Tiere jetzt nicht mehr dort anzutreffen, denn als Zugvogel hat sich der Wachtelkönig schon in sein Winterquartier in Kenia aufgemacht.

Die Frage, ob er im nächsten Jahr wieder an den Meißner kommen wird, kann derzeit niemand beantworten, sagen die Fachleute. Im nächsten April werden zunächst die Männchen aus dem Winterquartier zurück kommen. Beim Überflug suchen sie sich Flächen aus, die ihnen als Lebensraum brauchbar erscheinen und siedeln sich dort an. In den Abendstunden und nachts geben sie ihren charakteristischen Ruf ab, um Weibchen anzulocken. Einige Wochen später kommen die Weibchen nach, sie siedeln sich dort an, wo sie viele rufende Männchen antreffen. Wenn sich die Paare gefunden haben, können sie zwei Bruten mit jeweils ungefähr zehn Eiern aufziehen. Spaziergänger sollten also im nächsten Jahr wieder die Ohren spitzen, vielleicht hören sie den seltenen Wachtelkönig und können ihn dann per Internet melden und etwas für seinen Schutz tun.

Der Wachtelkönig

Der amselgroße Vogel ist im oberen Bereich des Körpers braun mit längs an der Seite verlaufenden Streifen. Er lebt in offenem Wiesen- und Weidengelände, wenn er aus seiner Deckung auffliegt, fliegt er flach über das Gelände und lässt dabei seine Beine hängen. An seinem lauten Ruf „creex- creex“, der etwa so klingt, als würde man über einen Kamm kratzen, ist er unzweifelhaft zu erkennen. Oft wiederholt er diesen Reviergesang mehrmals. Der „Gesang“ ist auch für die lateinische Bezeichnung des rallenverwandten Vogels verantwortlich. Der Bodenbrüter legt die erste Brut Anfang Mai oder erst Anfang Juni in eine Mulde. Acht bis zehn Eier werden von Männchen und Weibchen 18 Tage bebrütet. Die Küken verlassen nach wenigen Stunden das Nest und sind nach fünf Wochen flügge. Der Vogel galt 1997 schon als ausgestorben, inzwischen hat sich durch verschiedene landschaftspflegerische Maßnahmen die Lage etwas entspannt.

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