Sarah Schinkel ist Biersomelière und weiß, was gutes Bier ausmacht

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Die hauseigenen Biere kennt Sarah Schinkel aus dem FF und weiß, zu welchen Speisen welches Bier am besten passt.

Sarah Schinkel ist Biersomelière und arbeitet in der Brauerei ihrer Familie in Witzenhausen, wo man sich auf "Crafted" Bier spezialisiert hat

Witzenhausen.  In puncto Bier macht so schnell niemand Sarah Schinkel etwas vor. Ihre Familie besitzt eine Brauerei in Witzenhausen, der Vater ist Braumeister, ihr Bruder Brauer. Die Leidenschaft für gutes Bier sei ihr somit schon in die Wiege gelegt worden. Sie selbst darf sich seit dem 7. April „Biersommelière“ nennen. „Sommelièr kennt man eher vom Wein, beim Bier ist das bisher noch die Ausnahme. Dabei gibt es auch beim Bier zahlreiche Geschmacksvarianten“, erklärt Sarah Schinkel.

Ein Sommelièr ist so etwas wie ein Übersetzer, der die Fachsprache der Brauer für den Gast „übersetzt“. „Demnächst wollen wir in unserem Haus die Bier- bzw. Speisekarte so gestalten, dass zum einen der Geschmack unserer sieben Biersorten für den Gast entsprechend verständlich beschrieben wird, zum anderen aber auch Bierempfehlungen zu den Gerichten ausgesprochen werden“, so Schinkel.

Das Bier wieder ins richtige Licht rücken

Sie selbst macht sich dafür stark, dass das Getränk „Bier“ wieder anders wahrgenommen wird. Ein gutes Bier müsse sich nicht hinter einem guten Wein verstecken und so solle es auch angeboten werden. „Wein wird inzwischen selbst im Supermarkt angemessen präsentiert, der Bereich ist meist recht hübsch hergerichtet. Bier wird dagegen einfach in Plastikkisten gestapelt und mit Discountercharme verkauft“, erklärt sie. Die Bierindustrie hat seit Jahren mit sinkenden Verkaufszahlen zu kämpfen.

Allerdings unterscheide sich laut Schinkel ein gutes, handgemachtes Bier geschmacklich grundlegend von Industrieware. Kleine Brauereien, die geschmackliche Vielfalt und reine Handarbeit ins Produkt stecken („Crafted“ oder „Craft“ genannt), finden inzwischen deutschlandweit immer mehr Liebhaber. In den USA, Kanada oder Belgien sei man da schon wesentlich weiter.

Änderungen vollziehen sich nur langsam

Schinkel sei bewusst, dass man nicht von heute auf morgen die Sichtweise zum Bier ändern könne, doch jedem, der Gast im heimischen Betrieb ist, vermittle sie gern, was ein gutes Bier ausmache, natürlich auch mit Kostprobe, gern bei einer Brauereiführung. Im Familienbetrieb in Witzenhausen stellt man sieben unterschiedliche Biere her sowie das „Witzenhäuser Kirsch“, welches aufgrund des Reinheitsgebotes von 1516 nicht offiziell als Bier bezeichnet werden darf.

Das Reinheitsgebot möchte sie nicht abschaffen, ein „Natürlichkeitsgebot“, bei dem man Biere auch mit weiteren natürlichen Zutaten geschmacklich verfeinern könne, wäre ihr und anderen kleinen Brauereien lieber, dann könne man noch kreativere, hochwertige Bier herstellen, da das Reinheitsgebot mittlerweile nicht mehr ganz zeitgemäß ist und novelliert werden sollte.

Doch dies seien letztlich nur Begrifflichkeiten, Schinkel komme es ohnehin in erster Linie darauf an, die Qualität und den Geschmack des Lebensmittels „Bier“ zu vermitteln. Es ist daher auch nicht verwunderlich, dass sich der Familienbetrieb als erste hessische Brauerei ökologisch zertifizieren ließ.

Die Brauereiführungen machen ihr daher entsprechend viel Spaß, vor allem, wenn die Gäste selbst erkennen, wie gut und vielseitig Bier sein kann. Mit ihrer Ausbildung zur Biersommelière hofft Sarah Schinkel nun, immer die richtigen Worte auf Lager zu haben, denn ein Sommelière übersetzt nicht nur die Sprache der Brauereimeister, sondern vermittelt auch die Philosophie des Genusses, die in jedem Tropfen und jeder Zutat steckt.

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