Schüler der Johannisberg-Schule forschen über den Wolken

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Julius Heinzel (3.v.re.) und Laszlo Böhmer (re) ließen mit Hilfe von Projektleiter Markus Meister und Mitschülern (v.li.) Dennis Jaeger, Jacob Rode und Maxim Martin den Wetterballon steigen

Ein halbes Jahr Arbeit steckt in den Projekt von Laszlo Böhmer und Julius Heinzl. Im Rahmen der Junior Ingenieur Akademie (JIA) wollen die beiden Zehntklässler das Klima erforschen. Um Daten zu sammeln, ließen sie am Freitag einen Wetterballon steigen.

Witzenhausen. Am vergangenen Freitag, kurz nach 13 Uhr, steigt für Laszlo Böhmer und Julius Heinzl und ihren Lehrer Markus Meister die Spannung, während sich der Latexballon allmählich mit rund 4.500 Litern Helium füllt.

Ein halbes Jahr lang haben die beiden Zehntklässler der Johannisberg-Schule im Rahmen der Junior Ingenieur Akademie (JIA) an ihrem Projekt gearbeitet. Nun sollen erste Früchte der monatelangen Arbeit geerntet werden. Ihr Wetterballon soll auf rund 35.000 Meter hochsteigen, um in der Troposphäre Umweltdaten zu sammeln. Nach rund einer halben Stunde Vorbereitungszeit dann der wichtigste Moment: Ihr Wetterballon steigt hoch und schlägt mit einer Geschwindigkeit von rund 50 Stundenkilometern den Weg Richtung Nordost an. Gespannt verfolgt Physiklehrer Markus Meister auf seinem Smartphone die Flugroute.

Um den Wetterballon steigen zu lassen, brauche man bestimmte Wetterbedingungen, berichtet Jörg Schmelting, Leiter des Beruflichen Gymnasium und der Fachoberschule an den Beruflichen Schulen Witzenhausen. Deshalb habe man sich erst am Donnerstag kurzfristig dazu entschlossen, den Wetterballon am Freitag im Rahmen der vierten Klimamesse des Werra-Meißner-Kreises starten zu lassen.

Klimawandel im Fokus

Einen besseren Termin hätte man auch nicht finden können, denn genau um das Thema Klimawandel geht es bei dem Forschungsprojekt von Laszlo und Julius. An den Wetterballon haben die beiden Nachwuchsforscher eine Messsonde befestigt, die in der Troposhäre Daten unter anderem zur Temperatur, Schadstoffbelastung und UV-Strahlung sammeln soll. Anschließend sollen die gesammelten Daten mit älteren Werten verglichen werden, berichtet Markus Meister. Ziel des Projekts: Sensibilisierung für den Klimawandel. Auf die Idee einen Wetterballon zu bauen, sei er über das Schülerforschungszentrum gekommen, erzählt Laszlo kurz nach dem Ballonstart. Nachdem er bei einer Messe einen kleineren Wetterballon gesehen hatte, stand für ihn fest, dass er im Rahmen der Junior Ingenieur Akademie sich ebenfalls dem Thema widmen möchte. „Es interessiert mich sehr, Forschungsfragen zu beantworten”, so der Zehntklässler, der zusammen mit seinem Projektpartner Julius wochenlang an der Messsonde gearbeitet hat. Neben Schweißarbeiten und Programmierung des verbauten Microcontroller galt es für die jungen Forscher auch Sponsoren für das ambitionierte Projekt zu finden. Nach so viel Aufwand, hoffen die jungen Forscher, auf viele verwertbare Ergebnisse.

Wetterballon der Johannisberg-Schule flog über 30 Kilometer hoch

Die am Wetterballon nbefestigte Kamera dokumentierte die Reise © Markus Meister/Nh
Die am Wetterballon befestigte Kamera dokumentierte die Reise © Markus Meister/Nh
Die am Wetterballon befestigte Kamera dokumentierte die Reise © Markus Meister/Nh
Die am Wetterballon befestigte Kamera dokumentierte die Reise © Markus Meister/Nh
Die am Wetterballon befestigte Kamera dokumentierte die Reise © Markus Meister/Nh
Die am Wetterballon befestigte Kamera dokumentierte die Reise © Markus Meister/Nh
Die am Wetterballon befestigte Kamera dokumentierte die Reise © Markus Meister/Nh
Die am Wetterballon befestigte Kamera dokumentierte die Reise © Markus Meister/Nh
Die am Wetterballon befestigte Kamera dokumentierte die Reise © Markus Meister/Nh
In der Nähe von Leipzig konnten Julius Heinzl  und Laszlo Böhmer die Sonde bergen. © Markus Meister/Nh
 © Markus Meister/Nh
 © Markus Meister/Nh
 © Markus Meister/Nh

Gut und sicher gelandet

Nach knapp zweieinhalb Stunden kommt für die jungen Forscher die Erleichterung. „Wir konnten unsere Messsonde unbeschadet gegen 16 Uhr in der Nähe von Leipzig bergen”, berichtet Meister, der zusammen mit den Schülern dem Wetterballon hinterhergefahren ist. Und auch die ersten Daten hat der Physiklehrer bereit: Der Ballon hat eine Strecke von knapp 200 Kilometern zurückgelegt. Auf seinem Flug bis in eine Höhe von über 30 Kilometern hat die installierte Kamera fantastische Bilder aufgenommen und Wetterdaten aufgezeichnet. Die tiefste gemessene Temperatur lag in eine Höhe von etwa 13.000 Metern bei -55°C. Beim Eintritt in die Stratosphäre stieg die Temperatur dann wieder bis auf eine Temperatur von 3°C. „Damit wurden alle Ziele des Projekts erreicht”, so der Projektleiter.

Extra-Info: Junior Ingenieur Akademie

Die Junior Ingenieur Akademie (JIA) wurde 2010 in Kooperation zwischen den Beruflichen Schulen und der Johannisberg-Schule in Witzenhausen gegründet. Die JIA ist ein Modellprojekt, das von der Deutschen Telekom Stiftung unterstützt und grundsätzlich in den Gymnasialklassen 9 und 10 durchgeführt wird. Im Rahmen der JIA sollen Schüler frühzeitig für das Berufsbild des Ingenieurs und Wissenschaftlers begeistert werden. Die JIA zielt in hohem Maße darauf ab, die Selbstständigkeit, die Planungsfähigkeit und die Problemlösungsfähigkeit zu fördern.

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