Beim „Senior Expert Service“ vermitteln Ältere ihre Erfahrungen an junge Menschen

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Die Senior-Experten im Werra-Meißner-Kreis: (v.li.) Bernd Funk, Kurt Klemens, Jürgen Schlömer, Carl Jaeger und Hubertus Erner. Karl-Heinz Schaumburg (re.) will sich künftig ebenfalls bei SES engagieren.

Ob Bankdirektor oder Bäcker, Ingenieur oder Arzt: Jeder sammelt in seinem Berufsleben viele Erfahrungen. Diese sind von größtem Wert – gerade für die jüngere Generation. Und so wird auch im Werra-Meißner-Kreis das Wissen der „Senior-Experten“ gerne weitergereicht – anstatt auf der Couch zu versauern.

Witzenhausen. 40 Jahre lang war Jürgen Schlömer als Entwicklungsleiter für Fahrzeugtechnik tätig und hat dabei auch viele Auszubildende betreut. Heute gibt der Maschinenbauingenieur sein Wissen in Bewerbungscoachings an Schüler weiter. Seit rund einem Jahr ist Schlömer ein Senior-Experte.

Die Aufgaben der Senior-Experten seien vielfältig, genauso wie ihre früheren Berufe, erläutert Kurt Klemens, der kürzlich zum Regionalbeauftragten des Senioren-Experten-Services (SES) für den Werra-Meißner-Kreis ernannt worden ist. Der ehemalige Bankdirektor engagiert sich seit rund viereinhalb Jahren als ehrenamtlicher Senior-Experte in der Region. Als Regionalbeauftragter agiert er nun als Bindeglied: Er ist Ansprechpartner für Schulen, Auszubildende und Unternehmen, die die Hilfe des SES in Anspruch nehmen wollen und gleichzeitig auf der Suche nach neuen Senioren, die ehrenamtlich ihr in vielen Berufsjahren erworbenes Wissen an die junge Generation weitergeben wollen sowie Sponsoren, die das Engagement der Senior-Experten finanziell unterstützen.

Derzeit gehören zur „Keimzelle“ des SES im Werra-Meißner-Kreis neben Kurt Klemens und Jürgen Schlömer noch Bernd Funk, Carl Jaeger und Hubertus Erner. „Und wir haben bereits einen weiteren Interessenten“, berichtet Regionalbeauftragter Kurt Klemens. Karl-Heinz Schaumburg, der vor kurzem seine Arztpraxis aufgegeben hat, schaute diese Woche Klemens bei seiner Arbeit als SES-Bewerbungscoach über die Schulter.

Fachwissen ehrenamtlich weitergeben

Ziel des SES sei es nämlich, Fach- und Führungskräfte zu mobilisieren, damit Fachwissen und Erfahrungen mit dem Eintritt in den Ruhestand nicht „auf dem Sofa liegen bleiben“. „Wir geben aber nicht nur unser Wissen und unsere Erfahrung weiter, sondern nehmen auch was mit“, betont Klemens. Wie beispielsweise Hubertus Erner. Der Bäckermeister im Ruhestand hat sich nachdem er seinen Betrieb in Witzenhausen aufgegeben hat, bei SES beworben und sich auf die Beratung kleiner und mittelständischer Unternehmen spezialisiert.

Hilfestellung für Firmen im In- und Ausland

So hat Erner in seiner bisherigen SES-Karriere nicht nur eine syrische Bäckerei in Kassel beraten, sondern ist als Senior-Experte in der Welt rumgekommen. Man lerne dabei nicht nur fremde Kulturen, sondern auch verschiedenen Trends in den einzelnen Ländern kennen, blickt der ehemalige Bäckermeister auf seine Erfahrungen zurück, die er bei seinen Einsätzen in Usbekistan und Kasachstan gemacht habe. Die Unterstützung von Unternehmen in In- und Ausland ist aber nur eine der Sparten, in der die Senior-Experten ihre Aufgaben finden.

Unterstützung für Schüler und Azubis

Ein ganz starker Fokus liegt auf Hilfestellung für den Nachwuchs in Form von Bewerbungstrainings für Schüler und als Ausbildungscoach für Azubis. Wie wichtig diese Unterstützung zum Start ins Berufsleben ist, weiß Senior-Experte Bernd Funk nur zu gut. Bis vor rund zwei Jahren war er Schulleiter der Beruflichen Schulen Witzenhausen. Nach seiner Pensionierung hat er sich bei SES registrieren lassen und gibt nun sein Wissen in Form von Bewerbungsseminaren an Schüler weiter. Mit dem Bewerbungstraining sollen Schulabgänger in realitätsnah simulierten Gesprächen auf Vorstellungsgespräche bei potentiellen Ausbildungsbetrieben vorbereitet werden. Und das komme bei den Schülern gut an, so Funk.

Aber nicht nur in der Bewerbungsphase finden Jugendliche und junge Erwachsenen Unterstützung bei den Senior-Experten. Auch bei Schwierigkeiten während der Ausbildungszeit stehen die Experten im Ruhestand den Berufsanfängern mit Rat und Tat zur Seite: Mit VerA, einer Initiative zur Verhinderung von Ausbildungsabbrüchen. „Wir wollen den Jugendlichen helfen, ihre Ausbildung erfolgreich zu Ende zu bringen und damit eine gute Basis für ihre Zukunft zu schaffen“, erläutert Carl Jäger die Hintergründe des Programms. Die Gründe, warum junge Menschen ihre Ausbildung abbrechen seien vielfältig, weiß der ehemalige Elektrotechnik-Ingenieur: Das Spektrum reiche von Sprachproblemen über Schwierigkeiten in Mathe bis hin zu privaten Sorgen.

Mit individueller Beratung, bei der die Probleme gemeinsam mit den Auszubildenden erörtert werden, versuchen die Senior-Experten ihre jungen Schützlinge bei ihrem Ziel, einen Ausbildungsabschluss zu erreichen, intensiv zu unterstützen. „Gemeinsam werden die Schwerpunkte und Ziele vereinbart“, so Jaeger weiter, vorausgesetzt, der Auszubildende ist bereit, sich auf die gemeinsame Arbeit einzulassen und mitzuziehen. Denn: Die Begleitung durch die Senior-Experten ist freiwillig.

Schulen, Auszubildenden und Betriebe, die sich für eine Unterstützung der Senior-Experten interessieren können sich an Kurt Klemens unter 0160 97290342 oder E-Mail kurt.klemens@t-online.de oder witzenhausen@ses-buero-kassel.de wenden. Und auch für all diejenigen, die als Fach- und Führungskraft im Ruhestand ihr Wissen weitergeben möchten, ist Kurt Klemens der richtige Ansprechpartner.

Extra-Info: Senior Experten Service (SES)

Der Senior Experten Service (SES) – die Stiftung der Deutschen Wirtschaft für internationale Zusammenarbeit – ist die führende deutsche Entsendeorganisation für ehrenamtliche Fach- und Führungskräfte im Ruhestand oder einer beruflichen Auszeit. Die gemeinnützige Gesellschaft gibt seit 1983 Hilfe zur Selbsthilfe – weltweit.

Träger des SES sind die Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft: der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) und der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH). Finanzielle Unterstützung für seine Aktivitäten im Ausland erhält der SES vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das Engagement des SES für Auszubildende in Deutschland. Die SES-Zentrale hat ihren Sitz in Bonn. In Deutschland wird der SES durch regionale Büros vertreten, weltweit von circa 180 ehrenamtlich tätigen Repräsentanten. Eines der Büros befindet sich in Kassel.

SES-Experten unterstützen vor allem kleine und mittlere Unternehmen, öffentliche Institutionen und Verwaltungen sowie Einrichtungen der Schul- und Berufsbildung. SES-Einsätze finden in erster Linie in Entwicklungs- und Schwellenländern statt. In Deutschland bietet der SES seine Hilfe nicht nur Unternehmen, Organisationen und Verbänden, sondern auch Schulen und jungen Menschen in der Phase der Berufsfindung und Ausbildung

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