Zoff auf Bürgerversammlung

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Zu der Bürgerversammlung kamen rund 200 Personen.

Bürgerversammlung zum Sondergebiet Logistik bei Neu Eichenberg sorgte für erhitzte Gemüter

Neu Eichenberg. Das Sondergebiet Logistik in neu Eichenberg sorgt für Redebedarf. Im Gasthaus Waldmann in Hebenshausen wurde daher seitens der Gemeinde zu einer Bürgerversammlung eingeladen. Die Veranstaltung lief nicht ohne Konflikte ab, da neben Befürwortern auch Gegner des Vorhabens gekommen waren. Zu später Stunde kamen vorrangig Einwohner von Neu-Eichenberg, auch einige aus Witzenhausen und den angrenzenden Bundesländern waren vor Ort.

Kaufinteressent stellte sich vor

Informationen gab es von Gemeindevertretern, Fachbehörden und Markus Engelmann, Vorstandsmitglied der Dietz AG, dem Kaufinteressenten für das 88 Hektar große Areal zwischen Eichenberg-Bahnhof und Hebenshausen, dass derzeit überwiegend aus Ackerland besteht. Der Abend fand aufgrund der Hessischen Gemeindeordnung statt, die „zur Unterrichtung der Bürger über wichtige Angelegenheiten der Gemeinde“ dient. Doch die Besucher wollten nicht nur unterrichtet werden, sondern Fragen stellen und darauf Antworten bekommen. Sie haben sich teilweise wochenlang auf den Termin vorbereitet, recherchiert, Akteneinsichten beantragt, in Archiven gewühlt.

Ungeduld machte sich von Anfang an breit, als der mit dem Bauvorhaben beauftragte Planer Christoph Henke nochmals das Verfahren und die geplanten Änderungen des Bauplans erläutert, die schon Gegenstand der Gemeinderatssitzung im Juli gewesen sind. Als Markus Engelmann von der Dietz AG das Portfolio seines in Bensheim ansässigen Immobilien- und Assetmanagmentunternehmens präsentierte, musste wegen mehrmaliger Zwischenrufe die Sitzung nach rund einer Stunde von der Vorsitzenden Rabea Weiser unterbrochen werden.

Vom Hausrecht Gebrauch gemacht

Bürgermeister Jens Wilhelm machte von seinem Hausrecht Gebrauch und verwies ein Mitglied der Bürgerinitiative des Saales. „Wir sind doch alle hier, um Informationen auszutauschen. Lassen Sie uns die Gelegenheit nutzen und ruhig und sachlich miteinander umgehen“, appelliert Wilhelm nicht nur einmal an diesem Abend. Die Anspannung ist auf allen Seite zu spüren: „Es geht hier um unsere Existenz“, rief eine Gegnerin. Jens Wilhelm hingegen versichert, dass er die „Probleme und Ängste der Bürger sehr ernst nimmt.“ Er informiere sich, genauso wie die Gemeindevertreter und mache sich fortlaufend Gedanken.

Vorteile für Finanzen der Gemeinde

„Ich stelle nicht Abrede, dass es zu Einschränkungen kommen wird, aber ich sehe die Vorteile für die Gemeinde gerade im finanziellen Bereich. Unser Haushalt ist jetzt zwar ausgeglichen, aber wir haben keinerlei Investitionsspielraum für unseren Bestandserhalt.“ Die Dietz AG würde 500.000 Euro Grundsteuern im Jahr zahlen- bei Vollbebauung des Sondergebiets mit 44 ha Gebäude- und Verkehrsfläche. Diese Zahl wird von den Kritikern angezweifelt, aber wieviel genau es in welchem Bauabschnitt sein werden, kann auch von den Fachleuten nicht abschließend beantwortet werden.

Keiner kann in die Glaskugel schauen

Die Abhängigkeit von verschiedenen einander bedingenden Kausalitäten, die zu derzeit keiner genauen Prognose führen können, zieht sich wie ein roter Faden durch den Abend. „Keiner kann hier in die Glaskugel schauen“, ist ein geflügelter Ausdruck auf dem Podium. Auch Engelmann und Henke betonen immer wieder, dass genaue Angaben zu Arbeitsplätzen, Lkw-Aufkommen, Höhe der Gebäude und zu Maßnahmen für Lärm- und Gefahrenschutz immer von den jeweiligen Nutzern abhänge, die derzeit noch nicht feststünden. „Für den ersten Bauabschnitt von 60.000 Quadratmetern sind wir jedoch mit drei Interessenten in konkreten Verhandlungen.“

Welche das sind, wurde nicht bekannt gegeben. Im Portfolio und im Vortrag erwähnt Engelmann eine gute Zusammenarbeit andernorts unter anderem mit Mercedes, BMW, Primark, Hermes, DHL und Rossmann. „Der Bauplan gibt einen nur gewissen Rahmen vor, innerhalb dessen sich alle bewegen müssen“, betont Henke. Deutschland sei aber ein sicheres Land, und es gäbe Regelungen wie das Emissionsschutzgesetz, die mehr im Detail greifen, als nur das Baurecht.

„Die Mieter müssen sich selbstverständlich an geltendes Recht halten, und wir unterziehen sie auch strengen Prüfverfahren“, so Engelmann. Als vorteilhaft sieht er an, dass die die Dietz AG nicht nur das Gebiet sukzessive und nachfragebasiert entwickeln will, sondern es nach Errichtung auch weiterhin verwalten wolle. „Wir sind somit jederzeit ansprechbar für die Bürger aus der Gemeinde.“

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