Das Sportinternat in Bad Sooden-Allendorf: "Eine Ära geht zu Ende"

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Die letzten 15 Internatsschüler müssen sich jetzt etwas Neues suchen, um ihre Karriere fortzusetzen und ihren Schulabschluss zu machen.          

Das Sportinternat bleibt nach den Weihnachtsferien geschlossen

Bad Sooden-Allendorf. Das Ende des Jahres bringt das Ende des Sportinternats in Bad Sooden-Allendorf. Seit 1971 gab es das sportliche Aushängeschild der Badestadt. Die benachbarte Rhenanusschule unterrichtete die Internatsschüler, während sie auf den Sportanlagen „Im Eilse“ ihr Profi-Training in Leichtathletik, Basketball und Tennis absolvierten. 15 Schüler hatte das Internat zuletzt. Sie kamen nicht nur aus der ganzen Bundesrepublik nach Bad Sooden-Allendorf, sondern sogar ausländische Sportler im Alter von zwölf bis 19 Jahren besuchten die Einrichtung. Aufgrund des Schließungsantrags der Grünen im Sommer, den sie zurückzogen, woraufhin die SPD mit einer Zuschuss-Kürzung von 49.000 Euro auf 25.000 Euro und zum Schluss auf Null nachlegte, kündigten bereits vier Schüler den Vertrag mit dem Internat, weil sie sich nicht auf solch dünnes Eis begeben wollten. Die übriggebliebenen 15 Sportler gaben alles dafür und engagierten sich für die Fortführung des Sportinternats. Sie gründeten eigeninitiativ einen Förderverein, starteten Facebook-Posts, um möglichst viel Aufmerksamkeit zu erregen und die Wichtigkeit des Standorts klarzumachen.

Die sieben Angestellten des Internats kämpften ebenfalls mit allen Mitteln, die ihnen blieben. Der Koch beispielsweise kochte die letzten Monate auf einem kaputten Elektroherd auf 450-Euro-Basis für das gesamte Haus. Viele der Mitarbeiter waren vom Jobcenter als Wiedereingliederungsmaßnahme ins Internat gekommen und pflegten in ihrer Freizeit das Gebäude sowie das Grundstück, denn auf eine Putzfrau oder einen Hausmeister wurde ebenfalls verzichtet. „Wir dachten, wir müssen bis zum Sommer durchhalten und so wenig Kosten wie möglich verursachen, bis unser neues Konzept in Kraft treten kann“, erklärte der Leiter des Sportinternats Ralf Gedeck. Die Stadt, die Internatsleitung, sowie die Präsidentin der Diploma Fachhochschule, Prof. Dr. Michaela Zilling hatten konkrete Pläne gemacht, wie es im kommenden Schuljahr weitergehen sollte. Es gab Gespräche mit jugendlichen chinesischen Sportlern, die konkretes Interesse bekundet hatten, ihre sportliche und schulische Ausbildung in Bad Sooden-Allendorf zu absolvieren. Sie hatten sich sogar bereit erklärt das doppelte zu zahlen, wie die bisherigen Internatsschüler. „Unsere Hoffnung auf die Chinesen war groß, denn sie hätten die Kosten der anderen Schüler sogar mitgetragen, was schlussfolgernd bedeutet hätte, dass sie das Internat aus den Miesen geholt hätten“, so Gedeck weiter. Allerdings gefiel dieser Vorschlag der Rhenanusschule nicht und weigerte sich chinesische Schüler auszubilden. Vor diesem Hintergrund traf sich vergangenen Mittwoch die Stadtverordnetenversammlung, um eine endgültige Entscheidung über das Fortbestehen der Institution zu fällen. „Wir wollten eine sozialverträgliche Abwicklung finden und die Jugendlichen nicht im Regen stehen lassen“, sagte Bürgermeister Frank Hix. Zu klären war am Mittwochabend somit nicht mehr ob das Internat geschlossen werden würde, sondern nur noch wann. Sie beschlossen einstimmig und mit einer Enthaltung, dass das Sportinternat mit sofortiger Wirkung geschlossen wird und nach den Weihnachtsferien nicht wieder öffnet. „Ich halte diese Entscheidung für einen fatalen, politischen Fehler“, so Hix weiter. Die Schließung des Sportinternats, mit welchem sich die Stadt bundesweit einen Namen gemacht habe, werde in den kommenden Jahren erhebliche Einbußen mit sich tragen. Die zwei Schülerinnen, die kurz vor dem Abitur stehen, könnten gegebenenfalls dieses an der Rhenanusschule absolvieren und unbetreut bis zur Vollendung des Schulabschlusses im Internat wohnen bleiben. Die jüngeren, noch minderjährigen Sportler des Internats allerdings müssen sich jetzt umgehend etwas Neues suchen, zurück in die Heimat gehen und vielleicht sogar ein Schuljahr wiederholen. „Mir erschließt sich diese Entscheidung nicht“, erklärt Hix, „Ich halte es für eine Katastrophe!“

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