Staatsminister Michael Roth besuchte minderjährige Flüchtlinge

+

Staatsminister Michael Roth informierte sich bei der Jugendhilfe Hephata in Eschwege über die Situation unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge.

Eschwege. "Als bescheidenes Zeichen dafür, dass wir niemanden allein lassen wollen", bezeichnete Europa-Staatsminister Michael Roth (SPD) seinen Besuch in der Einrichtung der Jugendhilfe Hephata für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in der Eschweger Schillerstraße. Gemeinsam mit Landrat Stefan Reuß nahm sich der Bundestagsabgeordnete am Freitagmittag Zeit, um mit den Jugendlichen aus Afghanistan, Syrien und Eritrea ins Gespräch zu kommen.

Nach den "monströsen Erfahrungen", die die jungen Menschen in ihren Heimatländern und auf der Flucht zum Teil gemacht haben, hätten sie das Recht, in Deutschland wie Kinder und Jugendliche behandelt zu werden, betonte Roth. Deshalb seien Einrichtungen wie die von Hephata unverzichtbar. Er sprach er den Mitarbeitern einen großen Dank dafür aus, dass sie sich den jungen Flüchtlingen mit "viel Kompetenz und Herz" widmen. In diesem Zusammenhang ging Roth auch auf die zunehmende Kritik an der Bundespolitik ein: "Die Helfer vor Ort dürfen nicht das Gefühl haben, dass sie finanziell und organisatorisch alleine gelassen werden." Darin seien sich die Mitglieder des Bundeskabinetts einig.

Zuvor hatte Harald Meiß, Hephata-Geschäftsbereichsleiter Jugendhilfe, die Probleme geschildert, vor der die Einrichtung steht: "Wir sind froh, wenn wir den Alltag bewältigen und die notwendigen Betreuungsmöglichkeiten sicherstellen können." Die Zahl der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge habe sich in kurzer Zeit verdreifacht. "Unsere Kapazitäten stoßen mittlerweile an ihre Grenze", sagte Meiß, "wir können längst nicht mehr auf alle Anfragen reagieren." Zudem sei es zunehmend schwierig, Fachkräfte für die Betreuung der jungen Flüchtlinge zu bekommen.

Und deren Zahl werde weiter zunehmen, machte Landrat Reuß deutlich. Um ihnen gerecht zu werden, werde Lichtenau e.V. im September eine neue Unterkunft in Hessisch Lichtenau eröffnen, in der 14 weitere unbegleitete minderjährige Flüchtlinge untergebracht werden sollen. Zudem gebe es Gespräche mit einem weiteren Träger, informierte die Fachbereichsleiterin Jugend, Familie, Senioren und Soziales beim Werra-Meißner-Kreis, Ilona Friedrich: "Wir brauchen noch in diesem Herbst zusätzliche Kapazitäten."

Dass die Qualität der Betreuung der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge bei der zusätzlichen Quantität nicht auf der Strecke bleiben dürfe, war am Freitag Konsens. Dabei gehe es nicht nur darum, den jungen Menschen grundlegende Dinge wie Nahrung und Kleidung zur Verfügung zu stellen, sondern ihnen auch Sprache und Kultur zu vermitteln, damit sie sich in ihrer neuen Umgebung zurechtfinden, sagte etwa Staatsminister Roth.

Zudem forderte er, die Asyl-Verfahren zu beschleunigen, um den jungen Menschen eine lange Zeit der Ungewissheit zu ersparen - auch wenn das in einigen Fällen schnellere Abschiebungen zur Folge haben könne. "Wenn ein Flüchtling aus Albanien, Serbien, Mazedonien oder dem Kosovo kommt, ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass er in Deutschland Asyl erhält", machte Roth deutlich.

EXTRA-INFO: Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge

Deutschlandweit leben derzeit ca. 22.000 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge.

Im Werra-Meißner-Kreis sind es zurzeit 36 (19 Jugendliche und 17 junge Volljährige).

Hephata betreut derzeit 13 von ihnen in der Wohngruppe sowie 15 im Betreuten Wohnen. Fünf unbegleitete minderjährige Flüchtlinge sind bei Verwandten in Eschwege und Bad Sooden-Allendorf untergebracht.

Die meisten unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge im Werra-Meißner-Kreis stammen aus Afghanistan (13), gefolgt von Syrien (7), Somalia (6), Eritrea (4), Albanien (3), dem Sudan (2) und Nigeria (1).

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Lions Club Eschwege-Werratal: Die Gewinnnummern des Adventskalenders

Täglich um neun Uhr veröffentlichen wir auf lokalo24.de die Gewinnzahlen des Adventskalenders des Lions Clubs Eschwege-Werratal.
Lions Club Eschwege-Werratal: Die Gewinnnummern des Adventskalenders

Christoph R. Maier wird neuer Geschäftsführer der Gesundheitsholding Werra-Meißner

Der ehemalige Geschäftsführer der Gesundheitsholding kommt an seine Wirkungsstätte zurück und folgt im Amt auf Dr. Claudia Fremder.
Christoph R. Maier wird neuer Geschäftsführer der Gesundheitsholding Werra-Meißner

Unbekannter griff Zeitungszusteller in Eschwege an

Am frühen Samstagmorgen ist ein 51-jähriger Zeitungszusteller aus Wehretal von einem unbekannten Mann in Eschwege angegriffen und verletzt worden. Die Polizei bittet um …
Unbekannter griff Zeitungszusteller in Eschwege an

Autoknacker in Bad Sooden-Allendorf unterwegs

Autos waren das Ziel der Täter, die im Verlauf des Samstagabends, 7. Dezember, versucht haben, Wertsachen aus mehreren Pkw zu stehlen.
Autoknacker in Bad Sooden-Allendorf unterwegs

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.