Stadtparlament entscheidet über Verlagerung des Aldi-Standortes

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Auf dem Gelände des jetzigen Autohauses soll Aldi seinen neuen Standort finden.

44 Vorentwürfe, Elf Varianten und acht Jahre Planung: Solange geht schon das Tauziehen um einen neuen Aldistandort in der Kirschenstadt: Jetzt endlich scheint der passende Platz gefunden - auf dem Gelände des jetzigen Autohauses Bernhardt.

Witzenhausen. Die Stadtverordneten stimmten der Einleitung eines entsprechenden Bauleitverfahrens mit einigen Auflagen zu, damit Aldi dort einen geräumigeren Neubau errichten kann.

 Im Jahr 2010 legte der Aldi-Konzern bereits Erweiterungentwurf vor, seither beschäftigten sich Parlament, Verwaltung und Projektentwickler von Aldii mit den verschiedensten Szenarien, die sich im wahrsten Sinne des Wortes oftmals um sich selbst im Kreis(el) gedreht haben. Mal sollte der Aldi als Discounter nahe am Vollsortimenter Tegut bleiben, dann auf den Festplatz, oder auch auf den Standort des alten Sägewerkes. Auch das Gelände des jetzigen Autohauses Bernhardt war schon im Gespräch, wurde im Juli 2016 dann aber wieder verworfen, weil doch die Planungsvariante: „Überbauung Festplatz und Laubenweg“ interessanter erschien. Hierfür wurden dann Klimagutachten von der FWG gefordert, weil die sie die Frischluftzufuhr vom Sandwald in die Innenstadt gefährdet sahen, der Spielmannszug lief Sturm gegen die Pläne des Abrisses ihres Vereinshauses und auch andere Kritiker, die Bushaltestelle, Veranstaltungen auf dem Festplatz oder den geplanten Neubau der Werra-Brücke im Blick hatten, traten auf den Plan. Letztlich, nachdem auf Kosten von Aldi ein Verkehrsgutachten zu eben dieser Planungsvariante geschrieben wurde und unter Einbeziehung anderer städtebaulicher Details, wurde auch dies verworfen und wieder das Gelände des jetzigen Autohauses Bernhardt in den Fokus genommen.

Heidi Rettberg (Linke) triumphierte auf der Stadtverordnetensitzung: „ Ich war schon von Anfang an für diese Variante, und in der Zwischenzeit wurde richtig viel Geld völlig umsonst für Planungen ausgegeben. Vielleicht sollte man doch öfters auf die Linke hören.“ Sie „ziehe den Hut vor dem Projektentwickler Dr. Plaisier, solange dran geblieben zu sein, denn auch in einer Biostadt braucht es Einkaufsmöglichkeiten für Menschen mit kleinem Portmonée.“ Während Uwe Arends (Grüne) belustigt darauf reagierte, dass eine „Linkenpolitikerin einem urkapitalistischen Unternehmen den Hof erweise“, fand Dr. Christian Platner (AfW) schärfere Worte: „Aldi ist kein gemeinnütziger Verein, der uns Witzenhäusern etwas Gutes tun will,“ . Dieser milliardenschwere Konzern bekommt ein städtebauliches Filetstück, ohne das klar ist, was mit dem alten Gebäude passiert.“ Stattdessen plädierte er zum wiederholte Male für die Stärkung des Einzelhandels und Kleingewerbes.

Genau das findet aber in den Bedingungen, die die Parlamentarier für die weitere Planung verabschiedeten: Eine Nachnutzung des alten Gebäudes muss gewährleistet sein, und darf dabei, unter Fortschreibung der Einzelhandelsstudie bereits existierenden Geschäften im Innenstadtbereich keine Konkurrenz machen, ebenso wie die Erweiterung des Sortiments von Aldi am neuen Standort. Platner, der als Sprecher des Parlaments im Biostädtenetzwerk aktiv ist, sorgte sich auch um darum, als „Visitenkarte der Stadt- im Eingangsbereich, mit lauter Discountern aufzuwarten.

Auch für Dr. Rita Weber-Wied (Grüne) ist die jetzige Entscheidung keine „1a Entscheidung, eher 2b oder 3b.“ Dennoch möchte sie „ aus der Not eine Tugend machen“ und den Neubau als Anlass nehmen, den gesamten Bereich am Kreisel „städtebaulich und ökologisch aufzuwerten.“ Die Grünen regen hierbei Ladestationen für E-Bikes und E-Cars sowie ökologische Bepflanzung an.

Projektentwickler Dr. Plaisier betonte im Bauausschuss, dass die Planungshoheit bei der Stadt läge und solche Anforderungen im Rahmen der B-Planerstellung berücksichtigt werden können.“ Bürgermeister Daniel Herz, Beate Oetzl (FWG) und Lukas Sittel (SPD) und andere Parlamentarier zeigten sich in ihren Beiträgen jeweils erleichtert darüber, den Standort Aldi in Witzenhausen generell aufrechterhalten zu können und mit der neuen Variante „einen guten Kompromiss“ gefunden zu haben.

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