Auf der Suche nach dem Heimatbegriff

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Organisieren die Veranstaltungsreihe mit: Natalia Riemer und Maximilian Ahlert.

Das Witzenhäuser Bündnis führt sei einigen Wochen eine Veranstaltungsreihe gegen Rechtsruck durch. Bis Mitte Februar 2019 stehen noch mehrere Vorträge und Workshops auf dem Programm.

Witzenhausen.  Fast 1.000 AfD-Wähler in Witzenhausen bei der Landtagswahl, ein politisch motivierter Überfall im April auf Journalisten bei ihrer Recherche im thüringischen Fretterode – gerade mal 18 Kilometer von der Kirschenstadt entfernt – und der allgemeine Rechtsruck in der Gesellschaft: Diese Vorkommnisse und Entwicklungen bereiten vielen jungen Menschen Sorge.

Auch in Witzenhausen, der kleinen Stadt, die eher ein links-ökologische Image innehat. „ Bei uns an der Uni gibt es definitiv Menschen, die offen sind für rechte Positionen“, meint Maximilian Ahlert, der aus diesem Grund die Vorlesungsreihe „Heimat, Volk und Scholle – Rechts(d)ruck im ländlichen Raum“ gemeinsam mit einem zehnköpfigen Orgateam für das Wintersemester auf die Beine gestellt hat. „Gerade Verschwörungstheorien, deren antisemitischer Hintergrund erst auf den zweiten Blick erkennbar werden, genießen unter einigen hohen Zulauf“ ergänzt Natalia Riemer, ebenfalls aus der Orgagruppe.

Daher wollen sie Studierende und explizit auch andere Menschen aus Witzenhausen und Umgebung für das Thema sensibilisieren, was angesichts der Wahlerfolge rechter Parteien auch „bitter notwendig“ sei, so die beiden. Riemer fügt hinzu: „Studierende aus Witzenhausen sind möglicherweise auch dann mit dem Thema konfrontiert, wenn sie als junge Landwirte auf die Dörfer gehen. Dort ist man ganz anders angewiesen auf enge Netzwerke als in der Stadt. Man muss sich dann eventuell fragen, wie man mit der rechten Gesinnung des Nachbarn umgeht.“ Daher gibt es innerhalb der Veranstaltungsreihe gleich zweimal den Workshop „Argumentationstraining gegen Stammtischparolen“, die beide schnell ausgebucht waren. Andere Vorträge von erfahrenen Referenten aus dem Bundesgebiet beschäftigen sich mit der organisierten extremen Rechten im ländlichen Raum, wie Combat 18 im Eichsfeld, der Vereinnahmung von rechts im Ökolandbau und mit völkischen Zusammenschlüssen wie der „Anastasiebewegung“, deren Vision der Familienlandsitze durchaus Ähnlichkeit mit der Siedlungspolitik der dreißiger Jahre aufzeigt. Einer der sich lokal gut auskennt, kommt auch zu Wort. Professor Werner Troßbach, Fachgebietsleiter der Agrargeschichte an der hiesigen Universität referiert zur Rolle des Ökolandbaus in der NS-Zeit.

Die letzten Veranstaltungen seien mit bis zu 200 Zuhörern sehr gut besucht gewesen. Andrea Roepke aus Berlin, einer der führenden Journalistinnen im deutschsprachigen Raum zu Rechtsextremismus, zeigte sich „berührt“. So viele Zuhörer habe sie „auf dem Land“ noch nie angetroffen.

Die nächsten Termine

- „Die Wohlgesinnten: Antroposophie, Waldorfpädagogik und biologisch-dynamische Landwirtschaft im Dialog mit der radikalen Rechten“, am 15. Januar um 18.30 Uhr, in der großen Aula, Nordbahnhofsstrasse 1a.

- „Aktiv gegen Rechts“-Aufstehen für eine offene Gesellschaft, am 22. Januar um 18.30 Uhr, im Stadtraum, Ermschwerder Strasse 6.

Weitere Infos unter www.gegen-rechtsdruck-veranstaltungsreihe.de

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