Bei der Tafel ist der Kunde König

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Eschweger Tafel präsentierte ihre Arbeit dem Ersten Kreisbeigeordneten Dr. Rainer Wallmann - die Ehrenamtlichen versorgen regelmäßig 420 Bedürftige.

Eschwege. Am Freitag informierte sich der Erste Kreisbeigeordnete Dr. Rainer Wallmann bei der Eschweger Tafel über die Arbeit der gemeinnützigen Hilforganisation. Anlass war die europäische Woche der Abfallvermeidung.

Dass er da bei der Tafel an vollkommenen falschen Adresse war, machte die Leiterin der Ausgabestelle, Margot Furchert, unmissverständlich deutlich: "Bei uns finden Sie keinen Abfall, sondern ausschließlich einwandfreie Lebensmittel."

Ebendiese landen aber noch immer viel zu oft im Müll. "Weltweit leiden viele Menschen Hunger", sagte Wallmann, unter anderem, weil etwa die Hälfte der produzierten Lebensmittel  entsorgt würden, bevor sie beim Verbraucher ankämen. Das sei ein vielfaches dessen, was benötigt werde.

Kein Produktions-, sondern ein Verteilungsproblem

"Wir haben kein Produktions-, sondern ein Verteilungsproblem", betonte Wallmann und schlug den Bogen von der vermeintlichen Nahrungsmittelknappheit zum Klimaschutz: "Ein vernünftiger Umgang mit Lebensmitteln könnte den CO-2-Ausstoß verringern."

Die Eschweger Tafel kann zwar auf ein großes Netz an Unterstützern bauen, aber noch geben längst nicht alle Supermärkte verwertbare Lebensmittel, die sie nicht mehr verkaufen können oder dürfen, an die Tafel ab. Dabei ist die dringend auf die Produkte angewiesen. Etwa 420 Personen versorgen die rund 30 Ehrenamtlichen regelmäßig – Tendenz steigend.

Tafel bietet fast alles, was in einen Einkaufswagen gehört

Sie erhalten bis auf Frischfleisch und -fisch sowie offene Waren alles, was zu einer ausgewogenen Ernährung gehört – darunter viel  Obst und Gemüse. Und für Kinder gibt es auch immer mal eine Tafel Schokolade oder eine Tüte Gummibärchen dazu.

Pro Lebensmittelkorb zahlen die Kunden zwei Euro. Das reicht jedoch nicht, um die Kosten zu decken. Die beziffert Furchert mit 2.000 Euro pro Monat. Im kommenden Jahr könnten sie nocheinmal um gut 50 Prozent steigen. Neben vom Amtsgericht verhängten Bußgeldern tragen auch  Spenden zum Ertrag der Tafel bei.

Unter den Gönnern sind auch immer wieder Schulklassen oder Kindergärten, freut sich Furchert. Auch die Kirchengemeinden bedenken die Hilfsorganistaion immer wieder mit Gaben – etwa zum Erntedankfest.

EXTRA-INFO: Die Tafel

Die Eschweger Tafel existiert seit 16 Jahren und ist eine von 918 im gesamten Bundesgebiet.

Die Ausgabestelle in der Hindelangstraße 1b hat montags, mittwochs und freitags von 14 bis 15.30 Uhr geöffnet.

Kunden müssen ihre Bedürftigkeit anhand offizieller Dokumente – beispielsweise eines Hartz-IV- oder eines Sozialhilfe-Bescheids nachweisen.

Die Mitarbeiter sind jeden Tag im Einsatz, holen Lebensmittel in den Märkten ab, sichten und sortieren die Ware.

Verteilt werden ausschließlich einwandfeie Lebensmittel, die zuvor einzeln kontrolliert wurden.

Insgesamt wandern jährlich rund 40 Tonnen Lebensmittel über die Tafeltheke.

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