Teure Trennung vom Architekten des Verwaltungsneubaus in Eschwege

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Diese Baulücke am Schlossplatz in Eschwege wird so schnell nicht geschlossen werden. Nach der Kündigung des Architektenvertrags mit dem Büro Hufnagel aus Berlin wird derzeit der Neubau des Verwaltungszentrums umgeplant, um Kosten zu sparen. 

Das Architektenbüro Hufnagel hat vom Landkreis bisher 591.000 Euro bekommen.

Eschwege. In einer Sondersitzung hat sich der Finanzausschuss des Werra-Meißner-Kreises am Montag mit den Kosten, die sich aus der Kündigung des Architektenvertrages mit dem Büro Hufnagel ergeben, beschäftigt. Nach einem Wettbewerb hatte der Kreistag in seiner Sitzung am 7. Juli 2016 den Auftrag zur Planung des Verwaltungszentrums in Eschwege an das Architekturbüro Hufnagel erteilt. Im Frühjahr diesen Jahres hat sich in der Planungsphase herausgestellt, dass die ursprünglich kalkulierte Investitionssumme von 10,5 Millionen Euro auf 15 Millionen Euro steigen würde.

Baustopp in der Planungsphase wegen Kostenexplosion

„Wir haben die Errichtung des Verwaltungszentrums in der Planungsphase gestoppt. Das wurde mit den Gremien abgestimmt und am 23. März 2019 vom Kreistag beschlossen“, erklärt Baudezernent Dr. Rainer Wallmann. Daraufhin wurde das Architektenbüro damit beauftragt Wege zu finden, um die Mehrkosten zu minimieren. Nach Angaben von Dr. Wallmann wurden durch die Architekten aber nur Einsparungsvorschläge mit einem Gesamtvolumen von rund 700.000 Euro gemacht, deshalb wurde der Vertrag gekündigt.

Die Sondersitzung war einberufen worden, weil Honorarforderungen, die der Architekt Hufnagel in Umlauf gebracht hatte, zu Irritationen geführt hatten. Nach Angaben von Dr. Wallmann wurden bis jetzt dem Büro Hufnagel rund 591.000 Euro überwiesen. Die Summe ergibt sich aus den Honoraransprüche für die Leistungen seit 2016 bis zur Kündigung und einer Ausfallentschädigung in einer Höhe von rund 70.000 Euro.

Architekturbüro schaltete Anwalt ein

Derzeit besteht Uneinigkeit zwischen dem Kreis (65 Prozent der Leistungen) und dem Architekturbüro (90 Prozent), welcher Anteil der vertraglich vereinbarten Leistungen bereits erbracht wurde. Während der Kreis von 65 Prozent erbrachten Leistungen ausgeht, geht der Architekt von 90 Prozent aus. Daraus ergeben sich unterschiedliche Ansichten über die zu zahlenden Honorare und die Höhe der Abfindung. Das Büro Hufnagel hat einen Anwalt eingeschaltet. Während der Sitzung erreichte eine Mail des Architekten die Ausschussmitglieder.

Kreistagsfraktion der Freien Wähler kontaktierte den Architekten

Auf telefonische Anfrage des Kreistagsabgeordneten Andreas Hölzel (Freie Wähler), äußerte sich der Architekt. Er spricht von einer „grundlosen Kündigung“ des Architektenvertrages, die für ihn „völlig überraschend“ gekommen sei, wiederholte seine Honorarforderung in Höhe von 800.000 Euro nicht, erklärte aber, von seinem Büro seien 90 Prozent der Leistungen bereits erbracht worden. Uwe Brückmann (CDU) regte an, noch einmal von Seiten des Kreises das Gespräch mit dem Architekten zu suchen.

Unklarheiten im Finanzausschuss ausgeräumt

„Diese Sitzung war gut und wichtig, um Unklarheiten auszuräumen und damit wir bei externen Informationen nicht gleich in Schnappatmung verfallen. Wir lassen uns nicht auseinander dividieren und jeder bringt sich ein“, sagte Erhard Niklass (FDP). Auch Lothar Quanz (SPD) warnte, „Wenn wir so weiter machen und die Dinge aufbauschen, dann leisten wir uns keinen guten Dienst.“ „Wir haben bisher gut zusammen gearbeitet und der Sachverhalt wurde abschließend geklärt“, fasst Wilhelm Gebhard (CDU) seinen Eindruck von der Sitzung zusammen. „Es hat sich einiges aufgeklärt und wir wurden umfassend und gründlich informiert“, war das Fazit von Waldemar Rescher (Freie Wähler).

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