Treidelpfad entlang der Werra sorgt in Eschwege für Unmut

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Freie Bahn zur Werra: Der direkte Zugang ginge den Kanuten verloren, wenn die Stadt ihre Pläne umsetzt. Fotos: Bennighof

Die Stadt Eschwege will einen Treidelpfad entlang der Werra bauen. Dagegen läuft der Kanuclub Sturm - er würde seinen direkten Flußzugang verlieren.

Von Elisabeth Bennighof

Eschwege. "Der Beschluss der Stadtverordneten, den Werra-Treidelpfad zu reaktivieren, gefährdet die Attraktivität unseres Standortes", sagt der Vorsitzende des Eschweger Kanuclubs, Joachim Keller-Hanke. Der Vereinsvorstand will den Bau des Weges direkt an der Werra verhindern – auch mit gerichtlichen Mitteln. "Wir werden klagen und gehen durch alle Instanzen", so der Vorsitzende. Er sieht die ehrenamtliche Arbeit des Vereins mit Jugendlichen, Schulklassen und  Flüchtlingen missachtet.

"Solange man als Verein nützlich ist, ist das ok – aber wenn wir nicht in das Konzept passen, macht die Stadt den Verein kaputt", sagt Keller-Hanke, "die Stadt besteht auf ihrem Machtmonopol und will es durchsetzen. Dabei könnte man den Weg auch einfach außen um unser Grundstück führen."

Er und seine Vereinsmitglieder halten den Nutzen des Weges an der Werra für gering. Der Abschnitt ist nur 50 Meter lang, nach dem Grundstück des Kanuclubs beginnt eine Freifläche, die durch den Abriss der Flussbadeanstalt entstanden ist, und dann führt der Weg hinter dem Kanuverleih vorbei bis zur Leuchtbergbrücke.  Eine Fortführung bis zum Felsenkeller ist nicht geplant, da die dortigen Grundstücke der Stadt nicht gehören.

Der Standpunkt der Stadt

Die Idee eines Weges direkt am Werraufer auf dem alten Treidelpfad ist nicht neu. Schon beim Abschluss des Pachtvertrages mit dem Kanuclub Ende der 1960er Jahre hat die Stadt sich die  Anlage des Weges offen gehalten. Uferbereich und Liegewiese des Vereinsgrundstückes wurden nur vermietet und nicht, wie der Rest, verpachtet. Der Mietvertrag sieht eine kurzfristige Kündigung und das Verbot der Bebauung und Nutzung durch Dritte vor. "Im Bebauungsplan ist der Weg seit dreißig Jahren vorgesehen, es handelt sich um eine öffentliche Wegefläche", berichtet Bürgermeister Alexander Heppe.

2013 hat die Stadt einen Rahmenplan für den Bereich Wiesenstraße, Torwiese, Leuchtberge und Werratalsee beschlossen, der die Einrichtung des Treidelpfades als Fußweg vorsieht. "Die Qualität der fußläufigen Verbindung zwischen Altstadt und Werratalsee ist herauszuarbeiten", heißt es darin.

In den vergangenen Jahren hat die Stadt, nach Aussage des Bürgermeisters, immer wieder mit dem Kanuclub verhandelt und dem Vorstand Angebote gemacht. Der Magis-trat wollte einvernehmlich vorgehen. "Wir haben den Vorstand in den Magistrat eingeladen, aber wir sind auf eine Mauer des Schweigens gestoßen", so Heppe.

Die Stadt habe dem Verein Erweiterungsflächen an der anderen Seite des Grundstückes angeboten und vorgeschlagen, bei der Neueinzäunung zu helfen, berichtet Heppe. Die Kernforderung der Stadt bleibt aber: Der Bereich direkt an der Werra wird öffentlich zugänglich, der Verein muss einen Zaun mit Tor  errichten. Den Anleger erreichen die Kanuten dann nur noch durch das Tor. Gebäude, die den Weg versperren, müssen entfernt werden. "Das ist auch nicht ungewöhnlich: In Kassel, Wiesbaden oder Frankfurt führen auch Wege direkt am Fluss entlang und es ist überhaupt kein Problem für die Wassersportler", erläutert Heppe.

Wegbau hat schon begonnen

Wie das aussehen kann, ist auf dem Nachbargrundstück zu sehen. Peter Jost von Werra-Kanu hat das Grundstück im vergangenen Jahr gepachtet. In seinem Pachtvertrag ist der Uferstreifen nicht enthalten, und er hat auch schon – mit Kostenbeteiligung der Stadt – einen Zaun gezogen.

Zufrieden mit dieser Lösung ist er nicht. Das Tragen der Kanus durch das Tor ist umständlicher, und Wanderfahrer, die vorher bei ihm gezeltet haben, nehmen ihn nicht mehr so gut wahr. Besonders stören ihn aber die Angler, die vor seinem Grundstück ihrem Hobby nachgehen und den Schilfgürtel zerstören. Seine Zelt-Gäste fühlen sich durch sie gestört.

Eine Einigung der Parteien im Hinblick auf den Weg von der Tränen- bis zur Leuchtbergbrücke ist derzeit nicht in Sicht.

Mehr über die Geschichte der Werraschifffahrt und des Treidelpfades lesen Sie hier: Das Treideln auf der Werra hat eine  jahrhundertealte Geschichte

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