Kunst und Kultur für alle Sinne - Treppen, Keller, Hinterhöfe lockte unzählige Besucher an

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Das Festival für alle Sinne machte auch in diesem Jahr mit einem neuen Besucherrekord seinem Namen wieder alle Ehre. So können Bilder und Text auch nur einen kleinen Ausschnitt davon vermitteln, wie das Festival auf den wirkt, der vor Ort daran teilnimmt.

Witzenhausen. Muffige Gerüche, die einem aus alten Kellern bei der Taschenlampenführung entgegen schlagen, das opulente Werk von „Vangelis“ in einer nur spärlich ausgeleuchteten Kirche, bei dem die tiefen Bässe im ganzen Körper vibrieren, die kollektive Ergriffenheit des Publikums, wenn der „Schädel X“ - ein echter Totenkopf- mit eigenen Erzählungen eine Ahnung des Grauens deutscher Kolonialgeschichte entstehen lässt.

Treppen Keller Hinterhöfe ist ein Gesamtkunstwerk, das Witzenhausen drei Tage in seinen Bann zieht, alte Gebäude wiederbelebt und neue Perspektiven zeigt. Selbst für Alteingesessene gibt es immer wieder Neues zu entdecken: Stadtgeschichte wie die des alten St. Michael Hospitals wird erlebbar, die gelben Regenschirme leuchten an vielen Eingängen der Innenstadt und locken mit Lesungen, Zeitzeugengesprächen, Ausstellungen oder auch nur ein paar Kreidekritzeleien an den Wänden: Obwohl viele Stunden in die Vorbereitung geflossen sind und über 100 Helfer das Festival ermöglichen, wirkt vieles nicht fertig, improvisiert.

Künstler wie der Marrokaner Adil Roufi, der das Koch‘schen Haus bespielt oder der bildende Künstler Andreas Büttner aus Hann. Münden, nutzen das Wochenende daher gleich für die Anfertigung neuer Werke, statt sie nur auszustellen. Das Festival ist ein Prozess, halbroh, ähnlich wie viele der Gebäude, die ihm für drei Tage Raum bieten. Ein Prozess ist es auch für den Besucher, der zwischen den Kulturen und Sinneseindrücken umherwandelt, geleitet von der Musik, die aus versteckten Ecken erklingt: Irish Folk, traditionelle kurdische Tanzmusik bis hin zu Improvisationskonzerten mit westlichen Instrumenten oder afrikanisches Liedgut verändern beständig die Atmosphäre, in die sich der Zuhörer begibt.

Letztlich ist das Festival ein Begegnungsort: Mit sich selbst und den eigenen Stimmungen, mit wenigen bekannten Kulturen von anderen Kontinenten, aber auch mit der vor der eigenen Haustür. Alte Bekannte und scheinbar Altbekanntes treffen in neuen Situationen aufeinander. Man wünscht sich als Besucher,, der nach dem Besuch der mitreißenden Carmina Burana in der Liebfrauenkirche am Sonntag Abend müde, aber erfüllt nach Hause geht, dass der feine Geist, die Offenheit und das Interesse am Neuen und Anderen bis zur nächsten Auflage anhalten möge.

Rubriklistenbild: © Hable

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