Rund 135.000 Unternehmen suchen bald neue Leitung

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Nach langer Suche hatte Manfred Gorr (li.) einen Nachfolger für seine Firma gefunden.

Nicht nur im Kreis suchen immer mehr Betriebe neue Leiter, auch in Deutschland steigt die Zahl.

Eschwege. Nach den Zahlen der Industrie- und Handelskammern (IHK) und der Handwerkskammern (HWK) ist die Frage der Nachfolgersuche in vielen mittelständischen Unternehmen und Handwerksbetrieben ein wunder Punkt. Das Institut für Mittelstandsforschung (IfM) schätzt aktuell, dass im Zeitraum von 2014 bis 2018 in Deutschland insgesamt ca. 135.000 Unternehmen zur Übergabe anstehen. Davon sind etwa 2 Millionen Beschäftigte betroffen. Demografie bedingt steigt die Zahl der Inhaber auf Nachfolgersuche. In ihrem Nachfolgebericht 2016 registrierten die IHKs insgesamt ein Plus von knapp 9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, in den neuen Bundesländern sind es sogar über 20 Prozent. Wo es früher klar war, dass die nächste Generation in das Familienunternehmen einsteigt, geht die zunehmend selbstbewusste 'Generation Y' oft eigene Wege, ein 'Familienautomatismus' zur Übernahme des Unternehmens durch die eigenen Kinder ist immer seltener anzutreffen. Aber auch die Zahl der Kaufinteressenten nimmt eher ab. Für Unternehmer die einen Nachfolger suchen also keine einfache Situation.

In Vermittlungsbörsen der IHKs und HWKs finden Interessenten Adressen von zu verkaufenden Unternehmen. Diese Börsen werden auch von Wirtschaftsförderungsgesellschaften der Städte und Kreise genutzt. Für die Beratung und Begleitung des komplexen und umfangreichen Nachfolgeprozesses stehen dagegen kaum Ansprechpartner zur Verfügung. Mit der Entscheidung des abgebenden Unternehmers einen Nachfolger zu suchen begibt er sich in einen langwierigen Prozess in dem alle seine persönlichen und unternehmensbezogenen Bereiche berührt und verändert werden. Wo findet er einen Anhaltspunkt für den Wert seines Unternehmens? Wo sind die Stärken und Schwächen des Unternehmens und kann man sie beseitigen? Wie werden sie einem Kaufinteressenten vermittelt? Wie können die Marktchancen des Unternehmens dargestellt und wie kann ein Unternehmensexposé erstellt werden? Welche Wirkung hat das? Welche Rechtsfolgen sind für den Prozess bereits ganz am Anfang zu berücksichtigen (z.B. Erbrecht, Steuerrecht, Arbeitsrecht, Gesellschaftsrecht)? Der gesamte Nachfolgeprozess liegt in der Verantwortung des Unternehmers.

Meist ist er schon aus zeitlichen Gründen nicht in der Lage, ihn neben dem Tagesgeschäft professionell zu betreuen. Sein Wirtschaftsprüfer, Steuerberater oder Rechtsanwalt sind hier wichtige Unterstützer für Kernfragen in ihrem Fachgebiet. Aber dies betrifft nur einen kleinen Teil des gesamten Prozesses. Nach Angaben der IHK unterschätzen 40 Prozent der Übernahmeinteressenten die Anforderungen an die Unternehmensübernahme. Manfred Gorr, ehemaliger Alleingesellschafter der Gorr GmbH & Co. KG, aus Eschwege, stand vor demselben Problem (wir berichteten). In seiner Familie hatte er keinen Nachfolger für sein Unternehmen gefunden. Seinen Mitarbeitern gegenüber fühlte er sich verpflichtet einen kompetenten Nachfolger zu finden und die Unternehmensübergabe in einer guten Weise zu gestalten. Er beauftragte den Dipl. Kfm. Ludwig Eickelpasch von initiative+entwicklung aus Eschwege ihn bei der Durchführung des gesamten Prozesses zu unterstützen. Aufgrund der deutschlandweiten Suche meldete sich eine Vielzahl von Interessenten. Neben einem aussagefähigen Unternehmensexposé erstellte Ludwig Eickelpasch Unterlagen mit denen er den Interessenten das Unternehmen vorstellte.

Alle Gespräche und Treffen mit Kaufinteressenten nahmen die beiden gemeinsam wahr, schließlich fanden sie den „Richtigen“. Es waren aber noch viele Ideen und Überlegungen notwendig bis schließlich die endgültige Übergabevereinbarung gefunden war und umgesetzt werden konnte. Heute stehen alle Beteiligten auf einer stabilen Basis für eine erfolgreiche Zukunft auch in neuen Unternehmensfeldern. Ludwig Eickelpasch ist bereits seit vielen Jahren in der Unternehmensnachfolge und -Sanierung tätig. Aus seinen Erfahrungen hat er ein Arbeitsbuch zur Unternehmensnachfolge geschrieben. „Ich habe darin die Grundlagen für die Gestaltung des Nachfolgeprozesses zusammengefasst, Interessierte können es sich unter http://iunde.eu kostenfrei herunterladen.“

In den nächsten Jahren werden noch mehr inhabergeführte Unternehmen einen Nachfolger suchen,. Dass dieser Generationenwechsel klappt, wird für den vom Mittelstand geprägten Wirtschaftsstandort Deutschland entscheidend sein. Für unsere Region bedeutet jeder erfolgreiche Nachfolgeprozess den langfristigen Erhalt von Wertschöpfung und Arbeitsplätzen.

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