"Vergessene Orte" in Nordhessen: Mausoleum der Familie Lenoir in Fürstenhagen

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Täglich passieren etwa 7000 Autos den Abschnitt der Bundesstraße 7 zwischen Fürstenhagen und Hessisch Lichtenau. Den wenigsten Fahrern dürfte dabei jedoch der fast schon geheimnisvoll wirkende kleine Teich und das angrenzende Bauwerk auffallen – obwohl beides nur wenige Meter entfernt liegt.

Hessisch Lichtenau. Die Rede ist vom Mausoleum der Brüder Lenoir, welches der sehr wohlhabende George André Lenoir (der „kleine Bruder“ war nicht vermögend) für sich, seinen Bruder und ihre Eltern, aber auch die Waisenkinder seiner Stiftung von 1904 bis 1907 bauen ließ.

Diese Besonderheit stellt auch den Bezug zur Passion der Brüder und ihrem Handeln dar, denn die Tatsache, dass das Wohl von Waisenkindern im Fokus der Lenoir-Brüder stand, darf zu dieser Zeit definitiv als ungewöhnlich bezeichnet werden.

Große Bedeutung der Waisen

Doch die acht Waisenkinder, die neben den Lenoirs im Mausoleum ihre letzte Ruhestätte fanden, sind Beleg dafür, welch enorme Bedeutung das Schicksal von Kindern ohne Eltern für die Gebrüder hatte. Stiftungsnehmerin ist die Stadt Kassel und somit auch im Besitz des Mausoleums. Die Stiftung sorgte auch dafür, dass der Ursprungsgedanke des Wohles von Waisenkindern, auch nach dem Tode der Brüder weitergeführt wurde. Die entsprechenden Gebäude, die einst unter anderem das Auguste-Förster-Haus als Mieterin beherbergte, befinden sich nur wenige Meter entfernt hinter dem Mausoleum Zu den Besitztümern zählte auch das Gut Teichof .

Am besten allerdings kennt die Geschichte der ehemaligen Kinderheime und des Mausoleums Klaus-Dieter Welker. Der Frührentner wohnt nicht nur in unmittelbarer Nähe des Mausoleums, sondern ist auch als Heimkind ein Teil der Geschichte, Und die erzählt er gerne, unabhängig davon, dass er die Zeit von 1962 bis 1975 im Heim nicht nur positiv empfunden habe. Nach dem Tode der Brüder Lenoir hätten sich die folgenden Anbieter nicht immer an den Grundgedanken des Kindeswohles gehalten. Weiter ausführen möchte er diesen Abschnitt nicht.

Nach seiner Heimzeit machte er eine Ausbildung als Verwaltungsangestellter und studierte später Sozialpädagogik. Daher fühlte und fühlt sich Welker dem Erbe der Lenoirs und der Pflege des Mausoleums bis heute verpflichtet. Doch die Hege und Pflege des „bewusst in Vergessenheit“ geratenen Mausoleums wird Welker nicht ewig weiterbetreiben können, daher hofft er auch auf Interessierte oder Hobby-Historiker, die mittelfristig sein Erbe fortsetzen – und das beeindruckende aber gleichsam unbekannte Mausoleum an der B7 und dessen Geschichte bewahren. Klaus-Dieter Welker steht für Fragen und auch kleiner Privatführungen gerne zur Verfügung, Kontakt unter 05602/9188976 oder KlausWelk@live.de.

Hinweis: Das Betreten des Mausoleums ist nicht verboten, die Tore stehen bewusst offen. Wer sich selbst einen Eindruck verschaffen möchte, sollte dies jedoch nicht auf eigene Faust tun, sondern sich mit Welker in Verbindung setzen.

Rubriklistenbild: © Ulbrich

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