Es werden immer mehr...

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Werra Meißner. Flüchtlinge kommen vermehrt in den Kreis – Integration in Sport und Gesellschaft wird immer wichtiger

Werra-Meißner. Ahab Allaham kommt aus Syrien. Dort war der 43-Jährige Basketballtrainer – doch nicht nur irgend einer: Er trainierte die syrische Nationalmannschaft.Nach mehreren Stationen in Hessen, darunter auch Frankfurt und Friedland, wohnt Ahab Allaham mittlerweile seit sechs Monaten mit Frau und Kind in Eschwege. Durch sein besonderes Talent im Sport hat der Familienvater Anschluss beim Eschweger  TSV gefunden.

Willkommenskultur pflegen

"Ahab spielt nicht nur bei uns in der ersten Mannschaft, sondern trainiert auch zwei Mal in der Woche die C-Jugend", erzählt Markus Claus, Vorisitzender des ETSV, der zur Zeit Stützpunktverein bei der Sportjugend Hessen ist und an einem Förderprogramm teil nimmt, das die Integration durch den Sport unterstützt.Seit 1989 hat sich dieser Aufgabe Peter Schreiber angenommen, der als Integrationsbeauftragter der Sportjugend Hessen in regelmäßigen Abständen seine Besuche in den Stützpunktvereinen abhält."Es kommen jede Menge Flüchtlinge mit sportlichen Kompetenzen. Unsere Aufgabe ist es, diese Leute in die Sportvereine zu bringen", sagt Schreiber. "Wir müssen einfach offen dafür sein. Das hat etwas mit Willkommenskultur zu tun", betont der Integrationsbeauftragte.Insgesamt gibt es neben dem ETSV noch den SV Reichen­sachsen, der als Stützpunktverein am Förderprogramm der Sportjugend Hessen teilnimmt. "Ziel ist es natürlich, noch weitere Vereine zu finden, die sportliche Integration betreiben wollen. Wir können sie nicht einfach nur in einen Sprachkurs stecken, sondern müssen sie in die Gesellschaft integrieren", so Schreiber.

 Brücken bauen - trotz sprachlicher Barrieren

Für Markus Claus und den ETSV ist Ahab Allaham eine absolute Bereicherung. "Er kann Brücken bauen – und das trotz sprachlichen Barrieren", so Claus, der auch für den Sportkreis Werra-Meißner als Integrationsbeauftragter aktiv ist.

"Wir sind stolz auf unsere Vereine, die die Flüchtlinge integrieren", äußert sich die ,Migrations-Beauftragte’ des Werra-Meißner-Kreises, Ilona Friedrich. "Es ist besonders für junge Menschen wichtig, dass sie hier schnell Fuß fassen und Freunde finden." Auch für Familien sei es notwendig, dass diese in ihrem Umfeld rasch Anschluss fänden. "Dies geschieht im Laufe der Zeit meist über den Kindergarten oder über die Schule", so Friedrich weiter. "Wir haben in der Vergangenheit miterleben dürfen, wie Mitschüler sich gegen Abschiebungen eingesetzt haben."

Das Wichtigste: Ein neues Zuhause

Doch das Allerwichtigste ist die schnellstmögliche Unterbringung – eine Herausforderung für die zuständigen Kreisverwaltungs-Mitarbeiter im Landgrafenschloss Eschwege. Eine von ihnen ist Birgit Krüger. Sie erzählt: "Da stehen sie dann im Schlosshof. Eine Gruppe bunt gemischter Menschen mit Sack und Pack. Wir werden zwar durch einen Anruf informiert, müssen jedoch relativ spontan handeln und sie in ihre Quartiere bringen."Die Menschen hätten bereits eine Odyssee hinter sich. Nach ihrer oft monatelangen Flucht würden sie zumeist vom Flughafen Frankfurt aus in Auffanglager verteilt. "Sie sind erschöpft und zermürbt, haben in Gießen bereits in Notunterkünften leben müssen. Hier bei uns sollen sie dann eine Heimat auf Zeit erhalten."

Ganze Familien mit ihren Kindern, viele Alleinstehende und sogar minderjährige Jugendliche flüchten momentan aus den Krisengebieten Syrien, Afghanistan, Eritrea, Pakistan oder Serbien. Hier sind sie ausgebombt, vertrieben, bedroht oder verfolgt worden. "Wir stehen traumatisierten Menschen gegenüber", so Ilona Friedrich. "Sie brauchen nun einen Ruhepol." Darum sei es besonders wichtig, gleich eine geeignete Unterkunft anbieten zu können, ohne eine weitere ,Zwischenlösung’ wie teure Hotelzimmer. Der Landkreis ist daher stets auf der Suche nach Wohnmöglichkeiten.

Bevölkerungszuwachs für den Kreis

Insgesamt versorgt und betreut der Werra-Meißner-Kreis 350 Personen; davon leben 243 in Gemeinschaftsunterkünften in Neu Eichenberg, Hessisch-Lichtenau, Witzenhausen, Großalmerode, Bad Sooden Allendorf, Herleshausen, Eschwege und Weißenborn; 107 Personen – zumeist Familien – in Wohnungen, verteilt auf das gesamte Kreisgebiet. Weitere 190 Personen müssen bis zum Ende des Jahren aufgenommen werden."Es werden kontinuierlich mehr", prognostiziert Friedrich. "Doch das Geld reichkaum aus." Pro Asylbewerber erhält der Kreis 520,97 Euro, bis das Asylverfahren und die Anerkennung als Flüchtling durchlaufen wurde, was häufig über ein Jahr dauert. Danach ist Arbeitsaufnahme oder der Bezug von Hartz4 möglich.Der Werra-Meißner-Kreis kümmert sich, wie die anderen Landkreise auch, nicht nur um die Unterbringung der Flüchtlinge, sondern auch um die Betreuung, Beratung und den Deutsch-Unterricht."Hier erfahren wir wertvolle Unterstützung von sozialen und kirchlichen Institutionen, den Vereinen und sogar von Privatpersonen", freut sich Ilona Friedrich. "Je intensiver die Betreuung ist, desto besser funktioniert die Integration – das bedeutet schließlich auch einen Bevölkerungsplus für unseren Landkreis."

Neues Wohnheim in Witzenhausen

In Witzenhausen steht ab Anfang November eine neue Unterkunft bereit: In das ehemalige AWO Seniorenzentrum am Frauenmarkt 11a können bis zu 38 Personen einziehen. "Das Wohnheim an der Kasseler Landstraße wird geschlossen", so Bürgermeisterin Angela Fischer bei einem Ortstermin in der vergangenen Woche, an denen Vertreter der AWO (Arbeiterwohlfahrt) und des Landkreises teilnahmen.

Der AWO-Kreisverband hat den gesamten zweiten Stock (868,62 Quadratmeter) renoviert. Hier befinden sich Einzel- und Doppelzimmer sowie Waschraum, Bäder, Küche und Gemeinschaftsräume. "Jedes Zimmer wird von uns neu ausgestattet", verspricht Ilona Friedrich. Die Bewohner werden von Maria Zaschke und Norbert Woltmann sozialpädagogisch betreut."Außerdem befinden sich im Gebäude weiterhin Rechts- und Sozialberatungsräume", ergänzt Friedrich Klein, stellvertretender Geschäftsführer des AWO-Kreisverbandes. "Hier kann man noch viel machen."

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