Badeverbot im Werratalsee: Bürokratie lässt grüßen

Kommentar von Sonja Liese zum Badeverbot im Werratalsee

Eschwege - Für die Stadt Eschwege ist es eine ganz bittere Pille, die sie schlucken muss, wenn es im Mai heißen sollte: Das Südufer des Werralsees ist gesperrt! Und warum? Weil die Bürokratie mal wieder zugeschlagen hat. Wohlgemerkt sorgt ein einziger Messwert vom 26. August 2014 nämlich jetzt für das Badeverbot in diesem Jahr. Doch die Regularien sehen es vor, dass Gesundheitsamt und das Hessische Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz agieren, falls es zu Auffälligkeiten in Badeseen kommt. Weil die Wasserqualität allerdings für einen Zeitraum von vier Jahren berücksichtigt werden muss, schlägt der immens hohe Wert von 5700 KBE pro 100 Milliliter – erlaubt sind maximal 700 – zu Buche. Letztlich kräht kein Hahn danach, dass das Wasser bis auf den einen Wert keine Auffälligkeiten aufwies und auch acht Tage nach der Messung bei einer Nachprobe nur noch 94 KBE zu verzeichnen waren. Wahrscheinlich hat man bei der Probenahme das Röhrchen direkt in den Gänsekot getaucht. Anders kann man sich diesen gravierenden Unterschied nicht erklären.

Und wer muss es wieder ausbaden? Die Stadt Eschwege, allem voran Bürgermeister Alexander Heppe, der ohnehin schon Druck von allen Seiten bekommt, damit er den See vor den Cyanobakterien rettet. Ein Stück des Sees mit einer Plane abzutrennen und am Südufer ein Naturbad entstehen zu lassen ist eine ausgezeichnete Lösung, um Gästen das Baden zu ermöglichen – leider aber dann erst im nächsten Jahr. Das ist nicht nur sehr, sehr traurig, weil das Ziel einer ganzjährigen Nutzung des Sees in greifbarer Nähe war, sondern auch absolut geschäftsschädigend. Der Tourismus wird unter dieser absolut unsinnigen Regelung leiden, weil Urlaubsgäste dann vielleicht eher einen anderen Ferienort auswählen.

Vielleicht sollten die obersten Behörden ihren Blick mal von ihren Tabellen abwenden und in Erwägung ziehen, nur dann ein Badeverbot zu verhängen, wenn es tatsächlich nötig ist. Für mich wäre das der 26. August 2014 gewesen! Davon abgesehen hat es früher auch niemandem geschadet, wenn er in den ganzen Tümpeln geplantscht hat. Da hat man aber auch noch nicht über Blaualgen gesprochen oder über Vogelkot im Wasser, der krank machen sollen – man hat einfach nur Spaß gehabt. Ein dritter Arm und ein zweiter Kopf ist mir bis heute nicht gewachsen.

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