Experten geben Einblick in die aktuellen Gutachten vom Werratalsee

Aus 100-seitigem Gutachten gehen mehrere Maßnahmen hervor

Eschwege - Bei der Vorstellung des Monitorings von Werratalsee und Werra vor den Vertretern der Gemeinde Meinhard und den Stadtverordneten von Eschwege gaben die Experten einen detaillierten Einblick in ihren Bericht. Nach ihren Forschungsergebnissen strömt seit der Absenkung des Seespiegels 2007 vermehrt Grundwasser mit Nährstoffen, insbesondere Phosphor, durch den Werradamm aus der Werra in den See. Dies hat zur sukzessiven Verschlechterung der Wasserqualität geführt. Im Frühling entwickeln sich zwar Unterwasserpflanzen, im Sommer kommen aber immer mehr Bakterien und besonders Cyanobakterien hinzu. Sterben die ab, bildet sich eine Geruchsbelästigung, außerdem besteht die Gefahr, dass die Unterwasserpflanzen auf Dauer verdrängt werden. Der Eintrag von Salz aus der Werra spielt nur eine untergeordnete Rolle.

Viele Maßnahmen, ein Ziel

Dr. habil. Klaus Dieter Wolter, aus Wiesbaden, empfahl in seinem 100-seitigen Gutachten folgende Maßnahmen: Durch eine Abdichtung des Werradamms würde der Phosphoreintrag deutlich reduziert. Ist dies erfolgt, schlägt Dr. Wolter, wenn sich nach einer gewissen Zeitspanne die Wasserqualität nicht verbessert haben sollte, eine Fällung des Phosphors durch die Behandlung des Sees mit Eisen, Aluminium, Kalk oder Bentophos vor. Als weitere Maßnahme kommt nach seinem Gutachten auch die Absenkung des Wasserspiegels der Werra in Frage, der ohne großen genehmigungsrechtlichen Aufwand möglich ist, in Frage. Damit würde sich die Menge des in den Werratalsee einströmenden Grundwassers reduzieren. Außerdem hält er eine Wasserstands- Anhebung des Sees für zielführend. In der folgenden Beratung wurde auch klar, dass eine solche Anhebung genehmigungsrechtlich außerordentlich schwierig und langwierig sein wird und ein hohes Klagerisiko besteht. Dabei ist zu bedenken, dass Verwaltungsgerichtsverfahren derzeit durchschnittlich fünf Jahre dauern. Zum Thema der technischen Umsetzung der Dammabdichtung stellte Diplomingenieur Gert Köhler seine Planungen vor. Er kommt zu dem Ergebnis, dass eine rund zwei Kilometer lange Abdichtung durch Spundwände aus Kunststoff sinnvoll und praktikabel ist.

Dammabdichtung kostet rund 1,5 Millionen Euro

Was das Thema Kosten und Zeitrahmen angeht, konnten sich die Experten nicht festlegen. Nach ihren Einschätzungen wird die Dammabdichtung rund 1,5 Millionen Euro kosten und. Otto Wilhelm Vicium, Dezernatsleiter beim Regierungspräsidium in Kassel, gab zu bedenken, dass das Verfahren, wie es hier zur Dammabdichtung eingesetzt werden soll, noch nie in Hessen zur Anwendung gekommen ist. Nach seiner Ansicht werde das Genehmigungsverfahren einige Zeit in Anspruch nehmen, weil umfangreiche Voruntersuchungen notwendig sind.

Die Fällung des Sees würde, je nach Methode, 500.000 bis 2,2 Millionen Euro kosten und alle fünf bis zehn Jahre wiederholt werden müssen. Die Weiterführung der schon durchgeführten Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserqualität: Fischmanagement, Mahd hochwüchsiger Wasserpflanzen, Verbesserung des Ufers, Abschluss der Kanalsanierung in Schwebda hält der Gutachter für sinnvoll zur dauerhaften Sanierung des Sees, sie sollen weiter durchgeführt werden. Eschweges Bürgermeister, Alexander Heppe, bedankte sich am Ende der Veranstaltung bei den Gutachtern und bei den Vertretern der Gemeinde Schwebda und der Stadt Eschwege für die konstruktive Atmosphäre bei der Vorstellung des Gutachtens. „Wir haben jetzt den Kopf voll von neuen Ideen, ich freue mich auf die neuen Diskussionen.“

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