Werratalsee: Stadt und RP uneins über Anhebung des Wasserspiegels

Der Damm zwischen See und Fluß soll abgedichtet werden – zudem ist eine Anhebung des Wasserspiegels im Gespräch. Das allerdings stößt bislang auf den Widerstand des Regierungspräsidiums. Foto: Archiv
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Der Damm zwischen See und Fluß soll abgedichtet werden – zudem ist eine Anhebung des Wasserspiegels im Gespräch. Das allerdings stößt bislang auf den Widerstand des Regierungspräsidiums. Foto: Archiv

Die Stadt möchte den Wasserspiegel im Werratalsee anheben, um der Blaualgenplage Herr zu werden. Das Regierungspräsidium sieht das äußerst kritisch.

Eschwege. Der Werratalsee war am Mittwoch ebenfalls Thema in der Bürgerversammlung der Stadt Eschwege: Fachbereichsleiter Planen und Bauen, Klaus Kurz, berichtete über die Pläne, um der Blaualgenplage Herr zu werden. Dabei stehe die Reduzierung des Nährstoffeintrags im Fokus, so Kurz.

Laut Untersuchungen dringen etwa 60 Prozent der Nährstoffe über den Werradamm am Südufer und die restlichen 40 Prozent über das Ostufer in den See ein. Deshalb soll der Damm mit einer Polypropylen-Schicht abgedichtet werden. Zudem brachte Kurz erneut eine Anhebung des Wasserspiegels ins Gespräch – möglichst im beschleunigten Verfahren. Dadurch soll der hydraulische Druck des Sees auf die Werra erhöht werden, so dass weniger Flusswasser in den See eindringen kann.

Regierungspräsidium sieht keinen Spielraum für Wasserspiegelanhebung

Die Idee ist nicht neu, scheiterte bislang jedoch am Veto des Regierungspräsidiums in Kassel (RP). Das verwies auf die Bedeutung des Werratalsees für den Hochwasserschutz und forderte im Falle einer Wasserspiegelanhebung einen Retentionsraum von etwa 1 Million Kubikmeter im Eschweger Becken.

Kurz betonte jedoch, dass der See laut der Interkommunalen Hochwasserschutzstudie "Untere Werra" für den Hochwasserschutz von untergeordneter Bedeutung sei.

Diese Lesart kann das RP nicht nachvollziehen, wie der zuständige Dezernatsleiter Otto Wilhelm Vicum betonte. Er erteilte auch einem beschleunigten Verfahren eine klare Absage. Hydraulische Berechnungen hätten ergeben, dass die Spitze einer Hochwasserwelle durch den Retentionsraumverlust etwa 30 Minuten früher eintreffe. Diese Zeit könne für Hilfsorganisationen bei Evakuierungen entscheidend sein, um Menschen zu retten.

Verheerende Auswirkungen auf andere Kommunen befürchtet

Zudem verwies Vicum auf die verheerenden Auswirkungen, die eine Anhebung des Wasserspiegels ohne gleichzeitigen Retentionsausgleich bei Hochwasser auf die stromabwärts liegenden Kommunen hätte.

Außerdem warnt das RP im Falle einer Wasserspiegelanhebung vor einer Erhöhung des Grundwasserspiegels im Landwehrgraben und im Gewerbegebiet "Schwebdaer  Straße" in Grebendorf, von der sowohl private als auch gewerbliche Immobilien betroffen wären.

Um den ursprünglichen Wasserspiegel wiederherzustellen, wäre eine Anhebung um gut 80 cm erforderlich. Unter Berufung auf Studien, die eine Gefährdung Grebendorfs ab etwa 50 cm sehen, hatte die von der Stadt Eschwege eingesetzte Expertenrunde im Herbst 2015 eine Anhebung in Schritten von 15 bis 20 cm empfohlen.

ZWISCHENRUF

Einen Kommentar von Marktspiegel-Redakteur Florian Renneberg zum Thema lesen Sie hier: Kommentar zum Werratalsee in Eschwege: Endlich Tacheles reden

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