Witzenhausens Bürgermeister Daniel Herz spricht über die ersten sechs Monate im Amt

Daniel Herz
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„Bürgermeister ist man 24/7", sagt Witzenhausens Verwaltungschef Daniel Herz nach sechs Monaten im Amt.

Witzenhausen. Daniel Herz wurde im Oktober vergangenen Jahres mit knapp 65 Prozent der Stimmen zum neuen Bürgermeister von Witzenhausen gewählt. Seit Ende März lenkt der 34-Jährige als Verwaltungschef die Geschicke der Kirschenstadt. Nun ließ er im Interview mit dem MARKT SPIEGEL (MS) sein erstes halbes Jahr im Amt Revue passieren.

MS: Sie haben Ende März als parteiloser Kandidat den Bürgermeisterposten von Witzenhausen übernommen. Welche Gefühle oder Gedanken gingen Ihnen da durch den Kopf, als Sie erstmalig auf dem Bürgermeisterstuhl Platz nehmen durften?

Herz: Von der Stichwahl am 8. Oktober 2017 bis zur Amtseinführung Ende März 2018 war ein gutes halbes Jahr vergangen, in dem ich mich thematisch selbstverständlich vorbereitet und mich auch auf Lehrgängen weitergebildet habe. Ich hatte vorab Einzelgespräche mit den Fachbereichsleitern und auch eine gemeinsame Gesprächsrunde, um mich auf Stand zu bringen. Dennoch war es schon ein sehr schönes Gefühl, am 3. April auf dem Bürgermeisterstuhl Platz zu nehmen. Es war alles neu, von den Themen, dem Umfeld und den Mitarbeitern. Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, sagt man landläufig, und genauso kann man es auch beschreiben. Die gesamte Verwaltung hat mir den Einstieg in das Amt durch die herzliche Art sehr leicht gemacht. Wir arbeiten sehr teamorientiert, konstruktiv und harmonisch zusammen, was eine sehr gute Basis für die nächsten Jahre ist.

MS: Wie gefällt Ihnen Ihre neue Aufgabe als Bürgermeister von Witzenhausen?

Herz: Das Amt des Bürgermeisters ist eine unglaublich vielseitige und erfüllende Aufgabe. Es ist mir eine große Ehre dieses Amt ausführen zu dürfen. Die Bürgerinnen und Bürger haben mir mit der Wahl die einmalige Möglichkeit gegeben, in meiner Geburts- und Heimatstadt aktiv zu werden. Im Sinne der Bürgerinnen und Bürger möchte ich unsere Stadt zusammen mit den kommunalpolitischen Gremien entwickeln und fördern.

Selbstverständlich geht damit auch viel Verantwortung einher. Nicht nur für die Beschäftigten der Stadt Witzenhausen, die freiwilligen Feuerwehren der Stadt übernehme ich Verantwortung. Auch im Rahmen der Aufsichtsräte in denen ich kraft Amtes sitze, übernehme ich sie im Auftrag der Bürgerinnen und Bürger. Das Amt des Bürgermeisters ist eine große Herausforderung, an der man aber auch persönlich wächst und reift.

MS:  Lässt Ihnen die Arbeit als Bürgermeister trotzdem noch etwas Zeit für Ihre Familie und Freizeit?

Herz: Das Amt des Bürgermeister hat in der Regel keinen Feierabend. Bürgermeister ist man 24/7 an jedem Tag im Jahr. Mein Bürgermeister-Kollege Herr Heußner gab mir vor Amtsantritt den Rat, dass man sich Auszeiten nehmen muss - und er hat Recht.

Zeitmanagement ist ganz wichtig und meine Sekretärin koordiniert meine Termine sehr gut und routiniert. Klar ist aber auch gewesen, dass sich in der Anfangszeit Termine, Veranstaltungen und Gespräche häufen. Das macht einen geregelten Tagesablauf schwer. Dennoch versuche ich so gut es geht feste Termine mit meinen Kindern, die ich beide sehr liebe, beizubehalten und Zeit mit Ihnen zu verbringen. Das gleiche gilt für die Freizeit, denn auch hier ist man nie privat sondern fast immer als Bürgermeister unterwegs. Die Verschmelzung von Amt und Person ist schon enorm und daran muss man sich erst gewöhnen. Aber ich versuche irgendwie ein wenig Sport und auch Auszeiten in die Woche hinein zu bekommen.

MS: Wie würden Sie sich selbst beschreiben?

Herz: Ich würde mich als offenen, fröhlichen und freundlichen Menschen beschreiben. Dies wird mir in persönlichen Gesprächen und auch während meiner Bürgersprechstunden häufig gesagt. Zudem würde ich mich als vielseitig interessiert, engagiert, zielstrebig, hartnäckig und organisiert beschrieben.

Ich kann mich schnell in neue und komplexe Sachverhalte, Themen und Gegebenheiten einarbeiten, hineinversetzen und sie strukturieren. Dies habe ich in meinem vorherigen Beruf gelernt und angewendet und es hilft sehr bei der täglichen Arbeit und bei der Vorbereitung von Themen.

MS: Was sehen Sie als Ihre größte Herausforderung für die nächsten Jahre an?

Herz: Eine große Herausforderung ist zunächst ein einheitliches und gemeinsames Auftreten mit neuem Corporate Design, welches sich auf allen Briefvorlagen, in E-Mails und dann auch auf der Website wiederfinden wird. Das Auftreten an sich ist aber nur die eine Seite der Medaille. Vielmehr geht es darum, Themen transparenter darzustellen und über verschiedene Medien an die Bürgerinnen und Bürger zu bringen.

Aber auch welche Gremien über zum Beispiel Vorlagen der Verwaltung entscheiden, wie die zeitlichen Abläufe sind, damit die Bürgerinnen und Bürger ein besseres Bild davon erhalten, wie die Verwaltung arbeitet und welchen Zwängen sie unterliegt, so dass vieles nicht von heute auf morgen umgesetzt werden kann. Dies dauerhaft umsetzen, ohne personelle Ressourcen ist eine große Herausforderung an der wir aber arbeiten.

Die nächste sehr große Herausforderung ist die Umsetzung von verkehrsberuhigenden und verkehrslenkenden Maßnahmen in und um die Innenstadt herum, gerade auch in Bezug auf Unfallschwerpunkte und das geerbte Thema Werra-Ersatzbrücke. In jedem Fall müssen wir seitens der Verwaltung und der Stadtverordnetenversammlung für die Bürgerinnen und Bürger die sinnigste, funktionalste und nachhaltigste Lösung finden und dafür alles tun was in unserer Macht steht.

Aber auch das Thema Standortmarketing und Wirtschaftsförderung sind große Themenbereiche für die kommenden Jahre. Wir müssen unsere Stadt und unsere Ortsteile als Marke etablieren und vermarkten. Wir müssen unsere Vorteile herausstellen und uns so im Wettbewerb um unter anderem junge Familien und Unternehmen eine gute Position verschaffen. Wir müssen die etablierten Unternehmen stärken und neue hierher bekommen, denn sie bedeuten Arbeitsplätze. Wenn sich generell noch mehr Unternehmen oder Start-Up’s hier ansiedeln, die zu den Themenbereichen Bio, Nachhaltigkeit und ökologische Landwirtschaft gehören, hätte das einen zusätzlichen positiven Effekt auf die Marke „Biostadt Witzenhausen".

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