War es ein Wolfsangriff auf dem Meißner?

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Wolf

Auf dem Meißner wurde, laut Beschreibung zweier Spaziergänger aus Reichensachsen, ein Hund von einem wolfsähnlichen Tier angegriffen.

Meißner. Die Meldung einer mutmaßlichen Wolfsattacke gegen einen Hund erschreckte in der letzten Woche Viele. Ein Paar, das mit einem Kleinkind im Kinderwagen und ihrem Gebirgsschweißhund gegen 17 Uhr auf dem Meißnerrundweg unterwegs war, berichtete der Polizei, dass ihr Hund von einem wolfsähnlichen Tier angegriffen worden sei. Der Hund blieb unverletzt, der Marktspiegel und andere Medien berichteten bereits über den Vorfall.

"Bisher kein Wolf gesichtet"

„Bisher ist auf dem Meißner noch kein Wolf verlässlich gesichtet worden, allerdings kann man es nicht ausschließen, dass es zu einer Sichtung kommen kann“, sagt Matthias Dumm, Leiter des zuständigen Forstamtes Hessisch-Lichtenau.

Die auf dem Meißner seit vier Jahren in jeder Wintersaison an fünf Standorten aufgestellten Wildkameras haben bisher keinen Wolf eingefangen. Dr. Markus Port, Verhaltensökologe an der Universität Göttingen, installiert sie jedes Jahr Anfang November zur Beobachtung des Luchsvorkommens. In der letzten Saison wurden auf dem Meißner so drei männliche Luchse nachgewiesen.

Wildkameras aufgestellt

„Auf dem Meißner haben wir keinen Wolf aufgenommen, allerdings wurde ein Jungwolf im März 2015 von einer Wildkamera in Hubenrode, im Kaufunger Wald fotografiert“, erläutert er.

Dass Wölfe in Ausnahmefällen Hunde angreifen, sei belegt, „das hat es schon öfter in Sachsen und Sachsen-Anhalt gegeben. Wolf und Hund sind eng verwandt und der Wolf sieht den Hund als Nahrungskonkurrenten“, sagt Dr. Port. Er kann sich einen solchen Angriff nur im Zusammenhang mit der Verteidigung einer Beute vorstellen, da Wölfe ansonsten die Nähe von Menschen meiden und sich zurück ziehen.

Verwechslung mit Luchs möglich?

Luchs

Zu der Frage, ob es sich bei dem „großen, wolfsähnlichen Tier“ (so der Text der Polizeimeldung) auch um einen Luchs gehandelt haben könnte erklärte er, „das ist sehr unwahrscheinlich“. Er hält es für möglich, dass man bei Dämmerung, schlechter Sicht und einem blitzschnellen Angriff, also in einer extremen Stresssituation, wie sie die Spaziergänger erlebt haben, unter Umständen einen Wolf mit einem Luchs verwechseln kann. Luchse würden aber generell Hunde nicht angreifen, sie seien noch wesentlich scheuer als Wölfe.

Er kann sich nur zwei Situationen vorstellen, in denen ein Luchs einen Hund attackieren würde. Wenn der Luchs seine Jungen oder Futter verteidige, könnte es möglicherweise zu einem Angriff kommen. Zur Zeit haben Luchse keine Jungtiere, diese Erklärung scheidet nach seiner Einschätzung also aus. Die Möglichkeit, dass eine Beute verteidigt wurde, hält er, wenn der Hund auf dem Weg angriffen wurde und dort offensichtlich keine Beute des Luchses lag, für sehr unwahrscheinlich. Er zeigte sich im Gespräch sehr überrascht, dass der Hund bei dem Angriff unverletzt geblieben ist. Dass Wölfe auch auf dem Meißner unterwegs sind, ist aber, da sind sich alle Experten einig, nicht unwahrscheinlich.

Wölfe auf dem Meißner

Wölfe bilden Rudel, die aus einem Wolfs-Paar und deren Jungtieren aus zwei Jahren bestehen. Es umfasst höchsten 12 bis 15 Tiere, sie besetzen ein Territorium von etwa 20.000 bis 30.000 Hektar. Im Verlauf des zweiten Jahres wandern die einjährigen Wölfe zunächst immer wieder alleine durch das Revier des Elternpaares, dann werden ihre Ausflüge immer länger, bis sie schließlich komplett abwandern. Diese Jungwölfe leben mehrere Jahre allein, ziehen umher und suchen schließlich ein eigenes Revier, in dem sie sich niederlassen.

Jungwölfe streifen umher

Die Abwanderungsrichtung ist nicht vorhersehbar, ein Wolf kann an einem Tag zwischen 50 und 70 Kilometer zurücklegen, niemand weiß, wo sich derzeit Jungwölfe aufhalten. Im Main-Kinzig-Kreis und im Vogelsberg-Kreis wurden bereits Wölfe bei Zusammenstöße mit Fahrzeugen getötet, es ist also höchst wahrscheinlich, dass im Werra-Meißner-Kreis Jungwölfe durchziehen.

Was tun, wenn man einem Wolf begegnet:

Wolfsexperten raten, sich bemerkbar zu machen: schreien und gestikulieren, aber keinesfalls weglaufen, denn dann könnte der Jagdinstinkt des Wolfes einsetzen.

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