Wolfgang Würker will den Charme des Capitol-Kinos bewahren

+
Wolfgang Würker leitet jetzt das Capitol-Kino in Witzenhausen.

Seit Mai gibt es ein neues Gesicht an der Spitze des Capitol-Teams. Wolfgang Würker hat die Leitung des Witzenhäuser Kinos übernommen. Welche Pläne er für das Witzenhäuser Kino hat und worauf sich die Kinobesucher in Zukunft freuen können, verriet er im Interview.

Witzenhausen. Der Tod von Ralf Schuhmacher Anfang März schockierte die Cineasten in der Region. Zur Trauer über den langjährigen Betreiber des Capitol-Kinos mischte sich die Frage, wie es nach Schuhmachers Tod mit dem Capitol weiter geht. Seit Mai gibt es ein neues Gesicht an der Spitze des Capitol-Teams. Wolfgang Würker hat die Leitung des Witzenhäuser Kinos übernommen.

Herr Würker, Sie kommen aus Frankfurt und haben kürzlich die Leitung des Capitols in Witzenhausen übernommen. Von der Metropole in die Kleinstadt – was zog sie an Witzenhausen an? 

Vielleicht sollte ich kurz vorwegschicken, dass Film und Kino mich seit meiner Jugend begeistert haben. Schon zu meiner Studienzeit in Göttingen habe ich die Kinothek ins Leben gerufen und mit anderen zusammen ein Filmfest organisiert. Ich habe beim Göttinger Tageblatt und später als Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Filmkritiken geschrieben, danach selber zahlreiche Features und Dokumentarfilme fürs Fernsehen gedreht. Seit vielen Jahren lebe ich sowohl in Frankfurt wie auch am südlichen Rand von Göttingen, gar nicht so weit von Witzenhausen entfernt. In Göttingen gibt es ja neben dem Cinemaxx nur noch ein einziges alternatives Kino, viele neue Arthouse-Filme kommen spät oder gar nicht auf die Leinwand. So bin ich oft nach Witzenhausen ins Kino gefahren und habe mich über die Jahre mit Ralf Schuhmacher, dem Inhaber des Kinos, angefreundet. Unser Interesse an Film und Kino hat uns verbunden. Oder sollte ich besser sagen: unsere Leidenschaft!?

Was macht das Capitol für Sie aus? 

Wer in Hessen mit Film und Kino zu tun hat, für den ist das Capitol seit langem ein Begriff. Regional wie bundesweit wird es Jahr für Jahr mit Auszeichnungen bedacht – und mit finanziellen Zuwendungen, ohne die ein Kino in dieser „Randlage“ nicht existieren könnte. Von Frankfurt aus betrachtet ist das Capitol ein kultureller Leuchtturm im Norden unseres Bundeslandes, sozusagen an der „Küste“ zu Niedersachsen und Thüringen. Hier ein Kino dieser Qualität zu etablieren, das ist einfach großartig und hat weit über Witzenhausen hinaus Anerkennung gefunden. Nicht zuletzt ist es die Vernetzung in der Stadt und der Region, sind es die vielen Sonderveranstaltungen und eigenen Reihen, die das Capitol zu etwas ganz Besonderem machen, zumal in der sogenannten Provinz.

Wie wollen Sie, nach dem Tod des bisherigen Betreibers Ralf Schuhmacher, mit dieser Hinterlassenschaft, mit diesem Erbe umgehen? 

Ralf Schumachers Frau und Sohn haben keinen Zweifel daran gelassen, dass sie das Kino weiter auf diesem Niveau und in seiner charmanten Ausstrahlung erhalten wollen, auch wenn das durch die Ausbreitung der Streamingdienste und die Veränderung von Freizeitgewohnheiten vielleicht keine leichte Sache ist. Es gibt jedenfalls ein wunderbares Team, das an der Seite Schuhmachers lange tätig war und jetzt alles für den Fortbestand des Capitols tun will. Wir sind, unterstützt von unserem Förderverein, mit großem Elan und ohne Zögern dabei, das Kino auf eine erfolgreiche Zukunft vorzubereiten.

Wo sehen Sie die größten Herausforderungen? 

Ich weiß, dass es in Großalmerode bis vor knapp zehn Jahren ein Kino gegeben hat. Eines Tages mussten die Betreiber es für immer schließen. Sie haben gesagt: Es kommen einfach zu wenig Gäste. Das darf dem Capitol und das darf Witzenhausen nicht passieren. Wir müssen wie bisher eine gute Mischung aus Blockbustern und Arthouse-Filmen, aus Spiel- und Dokumentarfilmen zeigen, und es sollte sich beispielsweise in unserem Programm niederschlagen, dass man in Witzenhausen ökologische Agrarwissenschaften studieren kann. Sonderveranstaltungen werden auch in Zukunft ein Fundament unseres Programms sein. Das Netzwerk des Kinos, seine Verbindungen zu Institutionen, Verbänden, zu den Bürgern Witzenhausens, wollen wir pflegen und ausbauen. Insgesamt sollte es, so wollte es Ralf Schuhmacher, vom „engagierten Landkino“ in Richtung eines „kulturellen Zentrums“ gehen, in dem auch Versammlungen, Lesungen, Konzerte und Theateraufführungen stattfinden können. Wir möchten für alle Bewohner Witzenhausens da sein, auch für die, die bislang eher nicht so oft ins Kino gingen.

Denken Sie auch über bauliche und sonstige Veränderungen nach?

Das gehört beim Blick in die Zukunft dazu. Natürlich würden wir unseren Zuschauern gern mehr Komfort bieten. Es gibt gerade einige kulturelle Förderprogramme, die auf die ländlichen Gebiete und kleineren Städte zielen. Da erscheint es nicht unrealistisch, beispielsweise an ein etwas größeres Foyer oder an neue Kinosessel zu denken. Noch träumen wir davon, das Kino hier und da aufwerten zu können, ohne seinen Charme, seine besondere Ausstrahlung anzutasten – und manchmal werden Träume ja auch Wirklichkeit.

Worauf können sich die Besucher in den kommenden Wochen und Monaten freuen?

Wir haben gerade noch einmal den herausragenden Dokumentarfilm „Weit“ gezeigt, die Protagonisten waren zu Gast im Capitol, der Filmkomponist und ein Cellist gaben eine Kostprobe ihres Könnens. Getränke und eine kleine kulinarische Überraschung standen bereit. Solche Veranstaltungen sollen zur Zukunft des Kinos gehören, Kino, das berührt, bewegt, das uns verbindet und begeistert. Mit dem Hirnforscher Gerald Hüther planen wir im Herbst eine ganze Reihe von Filmen, die so oder in einem ähnlichen Rahmen ablaufen könnten.

Was wird der Kinosommer an besonderen Höhepunkten bieten? 

Wir werden den neuen Film von Jim Jarmusch “The Dead Don’t Die“ zeigen, „Ein Becken voller Männer“ oder „Fisherman‘s Friends“. Und was die Filme für ein größeres Publikum angeht, da warten die Filmfreunde gewiss auf „Pets2“, der vergangene Woche gestartet ist, auf „Der König der Löwen“ oder den neuen Film von Quentin Tarantino “Once Upon A Time In Hollywood“ mit Brad Pitt und Leonardo DiCaprio.

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Kommunikationsübung für Tunnelbrand in Küchen

Ein Großeinsatz in der Tunnelröhre in Küchen wurde als Szenario durchgespielt.
Kommunikationsübung für Tunnelbrand in Küchen

Rund 200 Menschen beteiligten sich an Mahnwache gegen Rechte Gewalt

Rund 200 Menschen folgten am Mittwoch dem Aufruf des Aktionsbündnisses „Bunt statt braun“ zu einer Mahnwache gegen Gewalttaten von rechts und für mehr Demokratie.
Rund 200 Menschen beteiligten sich an Mahnwache gegen Rechte Gewalt

Bad Sooden-Allendorf und Wahlhausen feiern gemeinsam das Jubiläum zum Mauerfall

Bis zum 18. November 1989, 6 Uhr, waren Bad Sooden-Allendorf und Wahlhausen durch eine Grenze getrennt. Dieses 30-jährige Jubiläum will man nun gemeinsam feiern.
Bad Sooden-Allendorf und Wahlhausen feiern gemeinsam das Jubiläum zum Mauerfall

Am Werratalsee in Eschwege soll eine „Deutsche Einheitsallee" entstehen

In diesem Jahr liegt der Mauerfall 30 Jahre zurück. Zu diesem besonderen Anlass möchte die Kreisstadt Eschwege gemeinsam mit der Kreisstadt Mühlhausen und dem …
Am Werratalsee in Eschwege soll eine „Deutsche Einheitsallee" entstehen

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.