Zwanzig Jahre Kampf gegen sexuellen Missbrauch

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Das Koordinierungsgremium gegen sexuellen Missbrauch gegen Jungen und Mädchen gibt es seit 20 Jahren

Werra Meißner. Spätestens seit der spektakulären RTL-Sendung "Christopher Posch – ich kämpfe für Ihr Recht" über den Missbrauch einer 15-Jährigen im Internet ist man schockiert: Das Smartphone und der heimische Computer bergen Gefahren, von denen manche Eltern bisher null Ahnung hatten...

Diesem Thema widmeten sich kürzlich die Mitarbeiter des ,Koordinierungsgremium gegen sexuelle Gewalt an Mädchen und Jungen’.Anlässlich des 20-jährigen Bestehens dieser Institution, der über 15 Fachstellen im Werra-Meißner-Kreis angeschlossen sind, hatten sie die Psychologin Julia von Weiler eingeladen. Sie ist Autorin des Buches ,Im Netz – Kinder vor sexueller Gewalt schützen’. Darin geht um den Missbrauch, Erpressung und Mobbing im Internet.

Sexting – ,nette Leute im Internet treffen’

Das Schicksal der 15-Jährigen aus Hessen, deren Fall bei RTL aufgerollt wurde, ist nur ein Beispiel von vielen, die zum ,Sexting’-Opfer gemacht werden. Die Jugendlichen, die sich in sozialen Netzwerken austauschen, wollen im Internet meist nette Leute treffen und Spaß haben. ,Flirten’ heißt hier manchmal auch, sich leicht bekleidet zu fotografieren.Als die Schülerin ,sexy’ Bilder von sich verschickte, tappte sie in die Falle eines skrupellosen Sex-Erpressers. Sie sollte ihm Nacktbilder schicken, sonst würde er ihre Fotos veröffentlichen, drohte er. Sie war am Ende. Ihr Glück: Die Familie bat Christopher Posch um Hilfe. Vor Gericht kommt heraus: Vanessa war nicht das einzige Opfer.

20 Jahre gegen sexuellen Missbrauch

"Obwohl ,Sexting’ – so nennt man das Senden von sexy Fotos innerhalb sozialer Netzwerke wie Facebook & Co – sich weitgehend im Internet abspielt, birgt es auch ganz reale Gefahren!", warnt Julia von Weiler.Doch die Gefahr sei nicht gleich sichtbar: "Hinter dem netten Facebook-Freund kann sich jemand ganz Anderes verbergen. In den meisten Fällen führt bereits die erste Verabredung mit dem ,netten Typen’ zu körperlichen Übergriffen", berichtet die Psychologin.

Über 100 Zuhörer hatten sich in der Aula der Beruflichen Schulen in Witzenhausen eingefunden. Alles Fachleute. Sie arbeiten bei der Polizei, in der Suchthilfe, im Jugendamt und vielen anderen Beratungsstellen des Kreises. Sie helfen und beraten Familien und ihre Kinder in Fällen von Missbrauch und Gewalt. Sie betreiben Aufklärungsarbeit und betreuen Opfer. Seit Jahren schon beschäftigt man sich innerhalb des Koordinierungsgremiums mit einem neuen ,Gespenst’ – dem ,Digitalen Exhibitionismus’ – und seinen Folgen.

Das Opfer bleibt allein mit seiner Qual

"Schon Minderjährige wollen sich sexy ihren Freunden präsentieren", so Weiler. Das Fatale: Die User von Facebook, WhatsApp und anderen Plattformen geben das Recht am eigenen Bild ab. Ist es freizügis und gerät an den Falschen, kann dieser damit machen was er will."Doch nicht nur Fotos sind ein Problem", weiß Weiler. "Ist ein Kind beispielsweise Mobbing-Opfer, können alle so genannten ,Freunde’ über es herfallen: Es lächerlich machen oder mittels Drohungen Angst einjagen."Gibt es in der ,realen’ Welt noch so etwas wie eine soziale Kontrolle, gelte dies im digitalen Medium nicht mehr. "Das Opfer bleibt allein mit seiner Qual – und checkt wie gehetzt Tag und Nacht die Nachrichten und Kommentare auf dem Smartphone." Weiler weist darauf hin, dass dies Verhalten zu psychischen Auffälligkeiten im Elternhaus und in der Schule führen kann."Eltern sollten einfühlsam und interessiert sein", rät sie. Das Wichtigste sei, dass die Eltern wissen, worüber sie reden, denn sonst würden sie von ihren Kindern nicht ernst genommen. "Vorwürfe helfen nicht", sagt sie. Betroffene – Jugendliche wie Eltern und auch Pädagogen – sollten sich daher bei entsprechenden Beratungsstellen kundig machen.

Der Kasseler Rechtsanwalt Christopher Posch hat im Fernsehen öffentlich ein Tabu aufgebrochen – aber auch den Weg aus der Hilflosigkeit gezeigt: Missbrauch in den digitalen Medien ist ein schweres Vergehen und muss geahndet werden...

Infos:Koordinierungsgremium Werra-Meißner, Tel. 05651- 3021441Magda.Hupfeld@Werra-Meissner-Kreis.de

www.InnocenceInDanger.com

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