Ein zweiter Wolf hat in Nordhessen sein festes Revier

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Seit August 2019 wurden immer wieder Genproben der Wölfin mit dem Laborkürzel GW1409f an gerissenen Wild- und Nutztieren gefunden.

Im „Stölzinger Gebirge" hat sich nach Untersuchungen des Landesamtes für Naturschutz eine Wölfin angesiedelt.

Werra-Meißner-Kreis. Nach der Wölfin im Vogelsberg ist nun ein zweites Tier in Nordhessen sesshaft. Dies hat eine Genanalyse für das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) im Rahmen des hessischen Wolfsmonitorings ergeben. Damit hat Hessen nun innerhalb weniger Wochen ein zweites Wolfsterritorium.

Es handelt sich hierbei ebenfalls um ein weibliches Tier, welches sich nun seit mehr als einem halben Jahr im Umkreis des „Stölzinger Gebirges“ aufhält, wo die Landkreise Schwalm-Eder, Hersfeld-Rotenburg und Werra-Meißner aneinandergrenzen. Die Wölfin wurde erstmals am 1. August 2019 an einem gerissenen Stück Rotwild nahe Herlefeld im Schwalm-Eder-Kreis genetisch nachgewiesen.

Zwischen Oktober und November 2019 wurde dasselbe Tier ebenfalls an mehreren gerissenen Schafen in der Region nachgewiesen, zuletzt am 2. November in Sontra im Werra Meißner-Kreis. Eine Genprobe, die am 10. März 2020 von einem ehrenamtlichen Rissgutachter des HLNUG an einem Stück Rotwild bei Schemmern genommen wurde, hat nun erneut den Nachweis dieses Individuums erbracht. Damit gilt diese Wölfin in diesem Gebiet als standorttreu. Erst Anfang März war das erste Wolfsterritorium für Hessen seit 2011 bestätigt worden – dieses liegt im Vogelsberg in der Gegend um Ulrichstein. Die so genannte „Ulrichsteiner Wölfin“ ist seit mindestens 12. Juli 2019 im Vogelsberg ansässig. Seit Anfang 2019 konnte das HLNUG zehn verschiedene Individuen in Hessen nachweisen – vier davon wurden zwischenzeitlich überfahren, ein Rüde ist nach Nordrhein-Westfalen abgewandert.

Rückkehr des Wolfs nach Hessen

Im Jahr 2008 war erstmals seit der Ausrottung im 19. Jahrhundert wieder ein Wolf in Hessen nachgewiesen und gleich sesshaft geworden, damals im Reinhardswald – der Rüde wurde allerdings 2011 tot aufgefunden, ohne dass ein weibliches Tier zugewandert war. Ein Rudel konnte sich deshalb nicht bilden. Das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie ist mit der Hessischen Wolfsbeauftragten für das Monitoring, also die Erfassung der Wölfe in Hessen, zuständig. Bei Rissereignissen sind die ehrenamtlichen, sachkundigen Helfer in den Kreisen jederzeit ansprechbar, Wolfssichtungen oder Funde von Spuren sollten dem HLNUG über den Meldebogen gemeldet werden – alle Kontakte und Informationen finden sich auf der auf der Homepage des HLNUG (Link unten).

Herdenschutz und Ausgleichszahlungen

Bisher gibt es in Hessen nur wenige einzelne Wölfe. Sie ernähren sich überwiegend von Schalenwild, Angriffe auf Tierhaltungen sind die Ausnahme. Sollte es trotz Herdenschutz in Hessen zu einem Schaden durch einen Wolf kommen, erhalten die betroffenen Weidetierhalter unbürokratisch Entschädigung. Hintergrund Monitoring und Genproben. Die bundesweiten Standards im Wolfsmonitoring sehen vor, dass ein Wolf, der über einen Zeitraum von sechs Monaten in einer Region genetisch nachgewiesen wird, als territorial, also sesshaft zu bezeichnen ist. Alle Proben im Rahmen des hessischen Wolfsmonitorings werden an das nationale Referenzzentrum für Wolfsgenetik, das Labor für Wildtiergenetik des Forschungsinstituts Senckenberg, geschickt und dort ausgewertet. Jedes Tier erhält bei der Individualisierung durch die Genanalyse eine Kennzeichnung durch ein Laborkürzel – die „Stölzinger Wölfin“ trägt das Kürzel GW1409f. Weitere Informationen auf der Homepage des HLNUG: www.hlnug.de/themen/naturschutz/tiere-und-pflanzen/arten-melden/wolf.

Die Meinung des BUND zur neuen Wolfsansiedlung

Thomas Norgall, stellvertretender Geschäftsführer des hessischen Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sagt zu der Ansiedelung: „Wir freuen uns sehr über die Nachricht, dass eine zweite Wölfin in Hessen sesshaft ist. Diese Entwicklung macht deutlich, dass Schäfer jetzt dringend die empfohlenen Maßnahmen zum Herdenschutz umsetzen müssen, um ihre Tiere auf der Weide vor Rissen zu schützen.

Der Wolf darf nicht zum Sündenbock ihrer schlechten wirtschaftlichen Situation gemacht werden. Wir begrüßen daher die Herdenschutzprämie des Hessischen Umweltministeriums, die die Schaf- und Ziegenhalter bei der Umsetzung finanziell unterstützt sowie die 2020 neu eingeführte Weidetierprämie als zusätzliche Stütze sehr. Die Herdenschutzmaßnahmen dürfen aber nicht Sache der Länder bleiben. Die Bundesregierung muss eine ausreichende Weidetierprämie zum Bestandteil der Agrarförderung machen.“

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