Zwischenruf: Stolpersteine mahnen uns, wachsam zu bleiben

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Marktspiegel-Redakteur Florian Renneberg über die Verlegung neuer Stolpersteine in Eschwege.

Marktspiegel-Redakteur Florian Renneberg über die Verlegung von sieben neuen Stolpersteinen zum Gedenken an von den Nazis verfolgte Mitbürger in Eschwege.

Eschwege. In Eschwege werden im Gedenken an Verfolgte des Nationalsozialismus sieben neue Stolpersteine verlegt. In Zeiten, in denen selbst ein Geschichtslehrer mit Blick auf das Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin von einem „Mahnmal der Schande“ fabuliert, kann ich mir lebhaft vorstellen, dass die Stolpersteine nicht überall auf positive Resonanz stoßen.

Erich und Fränze Neumann mit den Söhnen Wolfgang (li.) und Ludwig im Jahr 1937 in Gießen.

Denjenigen, die sich eine „erinnerungspolitische Wende um 180 Grad“ wünschen, lege ich ans Herz, sich das Foto der Familie Neumann anzuschauen. Ein glückliches Paar um die Dreißig, auf dem Arm zwei kleine Jungen, ein und drei Jahre alt. In Eschwege hatte der Vater 1937 Arbeit und die Familie eine Heimat gefunden. Ein Jahr später wurde die Familie auseinander gerissen, der Vater ins Konzentrationslager deportiert – fünf weitere Jahre später waren Mutter und Kinder tot, von den Nationalsozialisten aufgrund ihrer jüdischen Herkunft ermordet. Neun und sieben Jahre waren die Jungen da alt.

Das ist die wahre Schande. Daran kann man gar nicht oft genug erinnern. Denn erinnern heißt auch wachsam zu bleiben. Und das tut heute anscheinend dringender Not denn je.

Ich will an dieser Stelle nicht verschweigen, dass es auch von jüdischer Seite immer wieder Kritik an den Stolpersteinen gibt. Die richtet sich aber nicht gegen das Erinnern, sondern gegen die Form der Denkmale. Sie mit den revisionistischen Ansichten der neuen Rechten in einen Topf zu werfen, verbietet sich daher.

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