Auf dem Weg zum Marktführer

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Berlin/ Werra-Meißner. Studie zeigt: Beitrag der Bürger zur Energiewende ist fast viermal so groß wie der der Energieversorger

Berlin/Werra-Meißner. Bürgerenergie leistet einen wichtigen Beitrag zur Marktvielfalt und betreibt fast die Hälfte der installierten Bio- und Solarenergie und sogar mehr als die Hälfte der installierten Windenergie. Das Marktforschungsinstitut trend:research hat zusammen mit der Leuphana Universität Lüneburg kürzlich die Studie "Definition und Marktanalyse von Bürgerenergie in Deutschland" vorgestellt. Danach kommt fast jede zweite Kilowattstunde Ökostrom aus Anlagen, die Bürgern gehören.

Die Untersuchung, die auf einer Fachtagung in Berlin diskutiert wurde, ist gemeinsam von der Initiative "Die Wende – Energie in Bürgerhand" und der Agentur für Erneuerbare Energien in Auftrag gegeben worden. "Die sogenannte Energiewende ist bisher stark durch das finanzielle Engagement der Bürgerinnen und Bürger geprägt", betont Dirk Briese, Geschäftsführer von trend:research. "Unsere erneute Erhebung der Eigentümeranteile macht deutlich, dass der Ausbau der Erneuerbaren Energien dazu führte, dass sich dieser Teil des Energiemarkts von einem nahezu monopolistischen zu einem polypolistischen Markt entwickelt hat. Das führt zu starken Veränderungen im gesamten Energiemarkt bis zur Notwendigkeit, diesen zu reformieren."

Insgesamt sind 47 Prozent der bis Ende 2012 installierten Leistung aus Erneuerbaren Energien in der Hand der Bürgerinnen und Bürger – auf ganz Deutschland verteilt. Bürgerenergie kommt damit auf einen fast viermal so großen Anteil wie die Energieversorger, die 12 Prozent der Anlagen zur Erzeugung erneuerbaren Energie besitzen.

Bürgerenergie ist außerdem der Marktführer bei der Erzeugung von Ökostrom: Über 56.000 Gigawattstunden wurden in Erneuerbare-Energie-Anlagen erzeugt, die Bürgern gehören. Das sind 43 Prozent des produzierten Ökostroms und immerhin über 10 Prozent des gesamten Stromverbrauchs in Deutschland.

"Die Vielfalt der Marktteilnehmer wird auch deutlich, wenn wir die unterschiedlichen Arten der Bürgerenergie untersuchen", hebt Prof. Dr. Heinrich Degenhart von der Leuphana Universität Lüneburg hervor. "Zur Bürgerenergie zählen nicht nur der Hausbesitzer mit Solardach oder der Landwirt mit einer Biogasanlage, sondern auch die Mitglieder einer Energiegenossenschaft, die gemeinschaftlich Anteile an einem Windrad halten – oder es sind die Bürgerinnen und Bürger, die zusammen mit Unterstützung der örtlichen Sparkasse eine Solaranlage auf einer Schule installieren. Die Akteure unterscheiden sich in Beteiligungsgrad und Regionalität", so Prof. Degenhart.

Die Studie differenziert daher bei der Bürgerenergie zwischen drei Akteursgruppen: den Einzeleigentümern, den Bürgerenergiegesellschaften und der Bürgerenergie im weiteren Sinne. Auf die Einzeleigentümer entfällt etwas mehr als die Hälfte der installierten Bürgerenergie.

"Während die Bürgerenergie einen großen Anteil an der Energiewende in Deutschland hat, tragen die Energieversorgungsunternehmen kaum etwas zur Energiewende bei", erklärt Dr. Rene Mono, Geschäftsführer der ,100 prozent erneuerbar stiftung’ und Vertreter der Initiative "Die Wende – Energie in Bürgerhand". "Mit gerade einmal 12 Prozent Anteil an den regenerativen Energieanlagen insgesamt stellt sich die Frage, ob das "Ja zur Energiewende" der Energieversorger mehr ist als ein bloßes Lippenbekenntnis."

"Das Erneuerbare-Energien-Gesetz hat dazu geführt, dass die Bürger sich an einer zunehmend dezentralen Energieversorgung beteiligen können", so Thorben Becker, Leiter Energiepolitik beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und Vertreter der Initiative "Die Wende – Energie in Bürgerhand". "Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass Bürgerinnen und Bürger Verantwortung für die dezentrale Energiewende übernehmen. Dabei schultern Sie auch große Projekte", ergänzt Philipp Vohrer, Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien. "Sie betreiben nicht nur 48 Prozent der Solarleistung, sondern auch die Hälfte der installierten Windenergie und einen großen Teil der Bioenergie."

Auch die Energiegenossen von der ,Bürgerenergie Werra-Meißner eG’ können bald ihr ers­tes Projekt in Angriff nehmen. "Der Genossenschaftsverband hat uns in seinen Prüfverband aufgenommen. Damit haben wir eine wichtige Hürde für die offizielle Anerkennung überwunden", berichtet Pressesprecher Andreas Schug.

Als Startprojekt haben die Energiebürger eine Kleinwasserkraftanlage am Meißner in Planung. Noch in diesem Jahr werden die Mitglieder mit ihrer Zahlung der schon gezeichneten Genossenschaftsanteile das Kleinkraftwerk bereits voll finanzieren.

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