Mögliches EU-Verbot könnte Kunstrasen-Kick zum teuren Spaß machen

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Könnte bald verboten werden: Das Füllmaterial für Kunstrasenplätze, Granulat, soll laut EU aufgrund möglicher Gefahren für Umwelt und Menschen, gänzlich verschwinden.

Im September will die EU in Brüssel über ein komplettes Verbot von Mikroplastik entscheiden. Dies könnte für Betreiber von Kunstrasenplätzen, aber auch den Spielbetrieb sowie die Nachwuchsarbeit in den Vereinen zum großen Problem werden.

Region. Ein drohendes Verbot der EU für Mikroplastik schwebt derzeit wie eine düstere Wolke über zahlreichen Fußballvereinen und Kommunen. Hintergrund: Mikroplastik beziehungsweise Kunststoffgranulat ist das Füllmaterial vieler Kunstrasenplätze in der Region. Und deren Betreiber zittern nun vor den Auswirkungen des möglichen Verbotes, denn die Sanierung eines Kunstrasen-Spielfeldes würde mit 200.000 bis 250.000 Euro zu Buche schlagen. Je nach Finanzierungsvariante dürfte dies sowohl Vereine als auch Kommunen vor große Probleme stellen. Doch nicht nur die finanziellen Auswirkungen könnten dramatisch sein, sondern insbesondere die Bereiche Jugendarbeit sowie der Spielbetrieb in den Klassen scheinen im ungünstigsten Fall gefährdet.

Stefan Reuß, Präsident des Hessischen Fußballverbandes (HFV), erklärt die Problematik: „Viele Vereine sind erst durch ihren Kunstrasenplatz in der Lage, der großen Anzahl an Nachwuchsmannschaften überhaupt Trainingsmöglichkeiten zu bieten.“ Ergo: Ohne Trainingszeiten auch keine Nachwuchsförderung. Des Weiteren befürchtet der HFV-Präsident, dass der durch die Witterungsverhältnisse ohnehin schwierig aufrechtzuerhaltende Spielbetrieb durch ein EU-Verbot ebenfalls gefährdet ist.

Insbesondere in Großstädten wie Frankfurt oder Offenbach etwa, die überwiegend auf Kunstrasenplätze mit Granulat setzen, käme ein Verbot dem Aus der Spielserien gleich, da besagte Kunstrasenplätze als Alternative zu den häufig in den Wintermonaten unbespielbaren Rasenplätzen gebaut wurden. Auch in Nordhessen gibt es in Kassel, Lohfelden, Breuna sowie dem Werra-Meißner-Kreis (Reichensachsen) und dem Schwalm-Eder-Kreis (Schwalmstadt und Spangenberg) diverse Plätze, die mit Granulat verfüllt sind. Im Schwalm-Eder-Kreis werden mit dem SC Neukirchen und Melsunger Vereinen zusätzliche Betreiber mit der besonders schwierigen Situation konfrontiert, kurz vor Baubeginn eines entsprechendem Kunstrasen-Spielfeldes in keinster Weise zu wissen, wohin die Reise geht.

Genau das prangert auch Jens Prüller vom Landessportbund (LSB) an. Der Geschäftsbereichsleiter für Sportinfrastruktur sagt, dass es sich um „eine sehr schwierige und unsichere Situation handelt und wir erst dann Klarheit bekommen, wenn die Entscheidung in Brüssel gefallen ist.“ Damit ist laut Prüller jedoch nicht vor September zu rechnen, bis dahin schweben die dunklen Wolken weiterhin über nordhessischen Vereinen und Kommunen – und könnten im schlimmsten Fall zu einem Gewitter mit dramatischen Konsequenzen werden. Die Auswirkungen werden an folgenden Beispielen noch deutlicher: Allein in Frankfurt gibt es derzeit 13 Plätze mit Granulat, deren Sanierung satte 6,5 Millionen Euro verschlingen würde. Bundesweit handelt es sich laut Jens Prüller sogar um circa 4.000 betroffene Kunstrasenplätze. Das Kostenvolumen im Falle eines Verbotes würde über eine Milliarde Euro betragen.

Finanzielles Desaster

Was für diverse Städte und Gemeinden den finanziellen Kollaps bedeuten könnte, denn in den überwiegenden Fällen haben die Kommunen etwa 80 Prozent der Kosten für Neubau, Sanierung oder Instandhaltung eines Kunstrasenplatzes zu stemmen. Sowohl der HFV, LSB als auch DFB haben sich eingeschaltet und fordern eine Übergangsfrist bis mindestens 2022 sowie Alternativ-Lösungen der Industrie.

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