Nach Gassi-Runde am See: Symptome einer Vergiftung

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Eschwege/Meinhard. Nach einem Spaziergang am Werratalsee ging es der Hündin von lokalo24-Redakteurin Sonja Liese immer schlechter.

Eschwege/Meinhard. Ein Tag wie viele andere. Ich schnappe mir die Leine, packe meine Hündin ins Auto und ab geht’s zum Werratalsee. Auf der Leuchtbergbrücke angekommen, bleiben wir kurz stehen und bewundern die wunderschöne Landschaft – die Werra und den Bismarkturm zur rechten, den See zur linken Seite, bevor wir uns dann – ausnahmsweise bei bes­tem Wetter – auf unsere Tour ums Wasser begeben.

Immer wieder halten Jaimy und ich an – ich lasse die Kleine zum Abkühlen ins Wasser und sie einen großen Schluck von dem kühlen Nass nehmen, bis wir unseren Marsch fortsetzen. Das wiederholen wir auf der Strecke entlang der Kiesberge, am Nordufer und auf den letzten Metern bis zum Ostufer in Schwebda noch einige Male. Jaimy liebt es einfach, im Wasser zu spielen und danach zu schnappen.

Der nächste Halt sollte wie immer nach dem Anglerteich im Meinharder Ortsteil kurz nach der Kurve Richtung Eschwege sein. Doch schon von Weitem weht mir ein Geruch um die Nase, der an eine Mischung aus Schweinestall und vergammeltem Blumenwasser erinnert. Mein Schritt wird schneller, um einen Blick auf das Ufer nehmen zu können und was sehe ich? Ein Meer aus Blaualgen, die sich am Rande angesammelt hatten und wie mit einem Markierstift farbige Ränder auf den kleinen Steinen hinterließen.

Schlagartig wird mir ganz anders – nicht nur wegen des Geruchs, sondern allein schon bei den Gedanken daran, dass ich meinen Hund auf der anderen Seite des Sees habe trinken lassen. Als ich gerade wieder Kurs auf den geteerten Weg nehme, spricht mit ein anderer Hundebesitzer an: "Sie lassen Ihren Hund doch nicht in dieses Wasser gehen oder?" fragt er mich und zeigt auf die Blaualgen. "Vor zwei Jahren wäre mein Hund fast an Leberversagen gestorben, weil er das verseuchte Wasser getrunken hatte", merkt er an und streichelt sein Tier leicht am Kopf.

Ich schaue mir meine Jaimy besorgt an – hatte sie doch gerade fast den ganzen See leergetrunken – setze meinen Spaziergang dann aber fort, in der Hoffnung, dass bestimmt nichts dran ist an der Geschichte. "Der könnte sich das auch sonst irgendwo geholt haben", denke ich positiv.So weit die Vorgeschichte...

Doch alles andere als positiv verliefen die folgenden Tage mit meinem Hund. Bereits einige Stunden später fing sie trotz, dass es kühl im Haus war, wie aus dem Nichts an zu hecheln, sie zitterte und trank Unmengen an Wasser – entsprechend viel musste sie auch pinkeln. Ihr Bauch knurrte unentwegt – also tas­tete ich ihren Bauch ab, der sich steinhart anfühlte. Die Nase war trocken und heiß, auch noch am folgenden Tag, an dem es mich – die Worte des anderen Hundebesitzers im Kopf – zu meiner Tierärztin zog.

Sie tastete Jaimy ab und machte einige Untersuchungen. "Das sind die klassischen Symptome einer Vergiftung", sagte sie und gab der Kleinen eine Infusion, damit das Gift wieder schnell aus dem Körper gespült wird. "Oft kommen Hunde zu mir, nachdem sie am Werratalsee waren", erzählte Dr. Michaela Seifert, deren Patienten von Krämpfen über Zittern bis hin zu Magen-Darmproblemen, Atemnot und Kreislauferkrankungen alle möglichen Symptome mit in die Praxis bringen – Organversagen sei die schlimmste Folge. "Am meisten stelle ich allerdings Haut- und Augenentzündungen fest", so die Tierärztin weiter, die Hundebesitzern empfiehlt, ihr Tier nicht ins Wasser zu lassen, in dem sich Algen befinden.

"Nicht alle Cyanobakterien sind gefährlich. Daher habe ich am Montag Proben am Werratalsee genommen und lasse diese auf toxische Cyanobakterien untersuchen", erklärte Dr. Michaela Seifert und entließ Jaimy und mich guten Gewissens nach Hause.

Mittlerweile ist über eine Woche vergangen – der Kleinen geht es wieder gut. Die Nase ist feucht. Sie trinkt normal und macht auch sonst wieder einen ganz passablen Eindruck. In den Werratalsee geht es trotzdem erstmal nicht, aber mit einer ordentlich gefüllten Flasche Wasser im Gepäck werden wir wohl am Wochenende wieder eine große Runde drehen und dann wird es wieder (fast) ein Tag wie jeder andere.

Lesen Sie hierzu auch den Artikel: "Rettung des Werratalsees: Nur zu sagen, was alles nicht geht, hilft nicht"

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