Neuer Verein soll sich für mehr jüdisches Leben und Kultur einsetzen

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Sie rufen zur Gründung des neuen Vereins jüdisches Leben im Kreis auf: (v.li.) Dr. Lutz Bergner, Ludger Arnold, Andrea Röth und Dr. Martin Arnold.

Die Spuren jüdischen Lebens sowie die Kultur des jüdischen Glaubens vermitteln und für alle erlebbar machen, das wollen Ludger Arnold, Dr. Martin Arnold, Dr. Lutz Bergner und Andrea Röth. Sie rufen daher zur Gründung des Vereins „Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens im Werra-Meißner-Kreis“ auf.

Werra-Meißner-Kreis - „Die Aufgabe soll es sein, sich um die Erinnerung zu kümmern und die Begegnung mit jüdischem Leben zu ermöglichen“, sagt Dekan Dr. Martin Arnold. Neben dem Landkreis, Kommunen und Fachkundigen sollen so auch interessierte Privatpersonen aus dem ganzen Kreis ins Boot geholt werden. „Es geht nicht nur um Abterode, wo 1933 die meisten Juden im Kreis lebten, sondern um den ganzen Kreis, in dem, im Vergleich zum restlichen Deutschen Reich, die Juden überproportional vertreten waren“, so der Dekan.

Kaum noch jüdische Kultur

Im Dezember 1933 gab es im Landkreis Eschwege 749 Juden, die sich auf zwei Städte und zehn Dörfer verteilten. Heute gibt es keine jüdische Gemeinde mehr und auch das jüdische Leben ist nur noch Teil der Erinnerungskultur. „Der Verein soll bewusst machen, dass es hier viel jüdisches Leben gab und die Kultur dadurch mitgeprägt wurde“, sagt Andrea Röth vom Vorstand des Vereins Aufwind e.V. Dieser hatte in den letzten Monaten intensiv an der Instandsetzung der alten Synagoge in Abterode gearbeitet. Denn im Obergeschoss des Gebäudes wird am 2. November der Lern- und Gedenkort für jüdisches Leben im Werra-Meißner-Kreis eröffnet.

Er soll Anlaufstelle für Schüler, Nachfahren und alle anderen historisch Interessierten sein. „In Zeiten, in denen auch bei einigen jungen Menschen antisemitisches Gedankengut wieder zunimmt, sehen wir die Notwendigkeit, mit Aufklärung und Erinnerung dagegenzuhalten“, heißt es im Aufruf. In der alten Synagoge in Abterode wird den Besuchern auf 70 Quadratmetern ein Einblick in jüdisches Leben gegeben. Durch Publikationen, Zeitzeugenberichte, Bilder, Gegenstände und Schriftstücke. Auch digitale Angebote gibt es. „Es ist ein digitaler Lernort, kein klassisches Museum“, sagt Dr. Arnold.

Dabei handeln die Informationen nicht nur von der Zeit des Nationalsozialismus, sondern auch von der Zeit davor und geben einen Ausblick für die Zukunft. In der will dann der neu gegründete Verein nicht nur Träger des Lern-und Gedenkortes sein, sondern auch kulturelle Angebote wie Konzerte und Vorträge veranstalten. „Wir könnten uns zum Beispiel vorstellen, die Veranstaltungsreihe ‚Spuren jüdischen Lebens‘ so ähnlich fortzuführen“, informiert Andrea Röth. „Wir erhalten ganz viel Rückenwind, von fachlicher und politischer Seite. Doch es braucht weiterhin Personen, die sich engagieren und das Vereinsziel nachhaltig machen“, so Arnold. „In der Pflege jüdischen Kulturgutes ist eine Möglichkeit gegeben, Vergangenheit transparent und bewusst zu machen und somit für Gegenwart und Zukunft im Sinne einer Verständigung zwischen Judentum und Christentum zu wirken“, heißt es im Aufruf abschließend.

Die Gründungsversammlung zum Verein „Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens im Werra-Meißner-Kreis“ findet am Montag, 21. Oktober, um 19.30 Uhr im Evangelischen Gemeindehaus Abterode, Bei der Kirche 7, statt.

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