Ökovisionäre kommen nach Wanfried

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Wanfried. Erich Böck nennt neue Wege, die man gehen könnte, um sich wieder regional mit dem Wichtigsten selbst zu versorgen.

Wanfried. Das Novemberwetter ist grau. Nieselregen den ganzen Tag, Windböen fegen die letzten Blätter von den Bäumen. Während sich der Herbst eingenistet hat, richtet Erich Böck sein neues Zuhause ein. Im Sommer hat er, gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin, zwei Häuser in der Innenstadt bezogen. In einem Gebäude wird es ein Auszeithaus mit Wellnessbereich geben, im anderen, dem einstigen Fachgeschäft für Farben und Tapeten, wird Erich Böck Anfang nächsten Jahres sein Ladengeschäft für ökologische Baustoffe eröffnen. Dort sollen auch die Materialien angeboten werden, die im Fachwerkmusterhaus Wohnen verbaut wurden.

Die Zusammenarbeit mit der Bürgergruppe für den Erhalt Wanfrieder Häuser, die ihm die Geschäftsidee nahe legten, hat Böck die Entscheidung leicht gemacht. Als Ansprechpartner stehen sie ihm zur Seite, konnten ihm bei der Suche nach Produkten und Lieferanten helfen. Der zukünftige Verkaufs- und Beratungsraum soll bald ökologisch renoviert und mit Musterwänden versehen werden.

"Vor ein paar Wochen war da noch kein Durchkommen", sagt Erich Böck. Kisten, Farb- und Lacktöpfe, Pinsel, Tapeten und alles, was der ehemalige Besitzer über Jahrzehnte eingekauft und nicht verkauft hatte, türmte sich in Räumen, Keller, Fluren und der Privatwohnung. (Marktspiegel berichtete). Stillstand seit Jahren. Jetzt ist das anders.

Die neuen Bewohner haben richtig viel geschafft, wollen vorankommen, etwas verändern, was nicht mit dem Verschönern von Haus und Grundstück erledigt sein soll. "Wir möchten hier unsere Ideen umsetzen, neue Wege gehen", verrät der 47-jährige Schweinfurter, der für seine Zukunftspläne die Mitte Deutschlands mit Bedacht ausgesucht hat.

In der Facebook-Gruppe "groups/OekoligenteLebensArt" hatten sie von Wanfried erfahren. "Als wir den Bürgermeister und die Bürgergruppe trafen, waren wir überzeugt, dass wir hier richtig sind", erzählt der Mann, der mit Freunden seiner Facebook-Gruppe immer wieder Visionen von einem Leben diskutiert, das Nachhaltigkeit, Ökologie und den Gemeinsinn als Lebensart beinhaltet. Aus den Visionen sind greifbare Ideen geworden. "Was machbar ist, wollen wir jetzt in die Tat umsetzen", so Böck. Den Anstoß zu diesem Umdenken gab ihm das Buch Jamilanda von Alexander Baltosée. Der Schriftsteller aus Söhrewald erzählt in seinem Roman von Menschen einer deutschen Siedlung, die seit Jahren etwas gegen das Ausbeuten der Natur tun und nicht mehr abwarten wollten, dass sich etwas von alleine ändert. "Wir können die heutige Technik und wissenschaftlichen Erkenntnisse nutzten und vieles besser machen", davon ist Böck überzeugt. Weiter die Ressourcen aggressiv auszunutzen, den humanen Egoismus zu fördern und dabei Mensch, Tier und Natur die Grundlage zum Leben weiter zu zerstören, das will die Facebook-Gruppe nicht mehr untätig hinnehmen.

"Wir haben uns dazu entschieden in ein Städtchen zu ziehen, das zwar vom demographischen Wandel betroffen ist, dessen Bürgermeister sich mit vollem Einsatz für eine Wiederbelebung einsetzt und für neue Wege offen ist", so Böck, der gern noch mehr Menschen von einem Leben in dieser Region gewinnen möchte. Darum stellt er seine Erfahrungen bei Facebook unter "WanfriedNachhaltig" ein. Einige Konzepte, wie der Anbau und die Verarbeitung von Nutzhanf als Rohstoff, von Miscanthus für Biogasanlagen, Carsharing mit Elektroautos und E-Bikes, Austausch über ökologische und nachhaltige Themen sind bereits in Arbeit. Erich Böck nennt neue Wege, die man gehen könnte, um sich wieder regional mit dem Wichtigsten selbst zu versorgen. "Wir haben hier schon viele Leute getroffen, die sich für die Gemeinschaft einsetzen", sagt er und hofft, dass noch es noch mehr werden.

"Eine von Landflucht bedrohte Gegend kann für Menschen attraktiv sein", da ist sich der Visionär in Sachen "umdenken und handeln" sicher. Und auch der Schriftsteller Alexander Baltosée, dessen Idee von Jamilanda bereits über 1100 Freunde bei Facebook zusammen gebracht hat, wird die darin umsetzbaren Projekte in einer Lesung mit anschließender Diskussion in Wanfried vorstellen.

"Wanfried, mit der Bürgergruppe und dem innovativen Bürgermeister, ist der richtige Ort für gute neue Projekte", meint der Neubürger. Und der ist sich sicher, "dass sich noch mehr Menschen hier niederlassen, wenn es eine spürbare Bewegung in die richtige Richtung gibt." Ein Anfang ist gemacht.

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